Mit Gedenkfeiern dem Vergessen entgegen wirken

Feldatal-Groß-Felda (ts). In einer gemeinsamen Gedenkfeier, gestaltet von der evangelischen Kirchengemeinde, dem Ortsbeirat und der Reservistenkameradschaft Groß-Felda, gedachte man am Volkstrauertag der Opfern der beiden Weltkriege am Ehrenmal auf dem Friedhof.

Feldatal-Groß-Felda (ts). In einer gemeinsamen Gedenkfeier, gestaltet von der evangelischen Kirchengemeinde, dem Ortsbeirat und der Reservistenkameradschaft Groß-Felda, gedachte man am Volkstrauertag der Opfern der beiden Weltkriege am Ehrenmal auf dem Friedhof. Nach einer Eröffnungsmusik durch den Evangelischen Posaunenchor stellte Herbert Schott in Vertretung der erkrankten Pfarrvikarin Susanne Gessner die Frage: Was wäre eigentlich wenn? Was wäre, wenn heute einfach niemand eingeladen hätte, wenn einfach niemand an die Gedenkfeier am heutigen Tag erinnert hätte? Was wäre, wenn es nicht in den Kalendern stünde? Würden denn noch viele an einen Volkstrauertag denken? Würden sie überhaupt etwas vermissen, wenn heute eben nichts - nichts als ein normaler Sonntag wäre? Für die allermeisten, so Herbert Schott, sei der Volkstrauertag doch schon lange ein ganz normaler Tag, man rege sich auf, wenn durch die Ordnungsämter der Gemeinden bestimmte Veranstaltungen zu diesem Feiertag unterbunden würden, die dem Charakter dieses Tages nicht entsprächen. Wie viele Menschen interessiere dieser Charakter denn überhaupt noch? Die Menschen würden eben von Jahr zu Jahr weniger, die einen der beiden Kriege erlebt und die Kameraden, Freunde oder direkte Angehörige dadurch verloren hätten.

Aber selbst wenn noch mehr Menschen immer lauter davon sprächen, dass man doch endlich einmal einen Schlussstrich ziehen und die Vergangenheit ruhen lassen sollte, selbst dann - gerade dann -sei der Volkstrauertag wichtig. Denn Vergessen mache sich langsam breit, und es gebe immer weniger Menschen, die authentisch aus dieser Zeit berichten könnten. Auch die Politikergeneration trete langsam ab, die die Kriegs- und Nachkriegszeit bewusst erlebt hätten.

»Die Generation, der ich angehöre«, so Schott weiter, »kann sich das Geschehene nur anlesen, vorzustellen versuchen, erlebt hat sie es nicht.« So mache sich die Gefahr des Vergessens ganz schnell breit, und dem müsse man mit diesen Veranstaltungen immer wieder entgegenwirken.

Nach einem weiteren Choralvortrag durch den Posaunenchor richtete Ortsvorsteher Robert Belouschek mahnende Worte an die versammelte Gemeinde. Der Tod all dieser Menschen, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben hätten lassen müssen, dürfe nicht in Vergessenheit geraten, und der Ortsvorsteher betonte weiter, dass die Menschen alles dafür tun müssten, dass der derzeitige Frieden im Land erhalten bleibe. Belouschek zitierte Alfred Nobel, dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 175.

Male jährte, der einmal gesagt haben soll: »Ich möchte einen Stoff oder eine Maschine schaffen können von so fürchterlicher, massenhaft verheerender Wirkung, dass dadurch Kriege überhaupt unmöglich würden.« Dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gegangen sei, zeigten der Erste und der Zweite Weltkrieg. Diese Erkenntnis möge einen zunächst mutlos machen, denn sie lege den Schluss nahe, dass die Parole »Nie wieder Krieg« wohl kaum zu verwirklichen sei, so Belouschek. Dies zeigten auch die aktuellen Konflikte und Kriege in diesem Jahr 2008. Er zitierte weiterhin einen Satz des farbigen US-Bürgerrechtlers und Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King: »Wir haben gelernt die Luft zu durchfliegen wie die Vögel und das Meer zu durchschwimmen wie die Fische, aber nicht die einfache Kunst, als Brüder zusammenzuleben.« »Der heutige Volkstrauertag«, so der Ortsvorsteher abschließend, »soll uns dazu ermutigen, diese Kunst zu erlernen.« Zum Gedenken legte er dann unter den Klängen des Liedes »Ich hatt einen Kameraden« im Namen der Gemeinde einen Kranz am Ehrenmal nieder. Die Reservistenkameradschaft Groß-Felda erwies den gefallenen Kameraden mit einer Ehrenwache vor dem Mahnmal die letzte Ehre und legte ebenfalls einen Kranz nieder.

Mit einem Gebet und dem gemeinsam gesprochenen Vaterunser und einer Schlussmusik endete die Andacht zum Volkstrauertag.

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