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Forstamtsleiter Hans-Jürgen Rupp. Foto: au

Klimawandel im Forst

Vogelsberger Wald: Fichte wird nicht zu halten sein

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Forstamtsleiter Hans-Jürgen Rupp ist pessismistisch, was den Zustand des Waldes angeht: Die Fichte wird verschwinden, die Buche ist stark geschädigt. Ursache hierfür ist der Klimawandel.

Die Mitglieder der SPD-Arbeitsgemeinschaft (AG) 60plus hatten zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "Situation des Waldes im Vogelsberg" in das Gasthaus "Burg-Post" in Schloss Eisenbach eingeladen. Und es hatte sich gelohnt, denn sie erhielten als Erste den Inhalt einer Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zur Kenntnis, die erst wenige Minuten zuvor freigegeben worden war. Jürgen Adam vom Vorstandsteam der AG 60plus begrüßte als Referenten Hans-Jürgen Rupp, Leiter des Hessischen Forstamtes Romrod. Rupp ist auch gleichzeitig Vorsitzender des SDW Kreisverbandes und erläuterte die Position der Waldschützer.

So habe SDW-Landesvorsitzender Bernhard Klug in Eppstein bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes kommentiert: "Was in unseren heimischen Wäldern abläuft ist eine absolute Katastrophe. Wir haben mit schlechten Zahlen gerechnet, doch dass die Kronenverlichtung den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung ausweist, ist extrem dramatisch und fordert die gesamte Gesellschaft zum Handeln heraus."

Seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1983 begleitet die SDW die Waldzustandserhebung. Doch noch nie seien die Werte so gravierend schlecht gewesen wie in diesem Jahr. Die starken Schäden bei Fichte und bei der "hessischen" Baumart Buche seien extrem gestiegen. Geradezu explodiert ist die Absterberate aller Bäume, die sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verachtfacht hat. Für die SDW liegen die Ursachen der Entwicklung fast vollständig beim gravierend voranschreitenden Klimawandel. Stürme wie Friederike im Januar 2018 hätten großflächig Nadelholzbestände geworfen und Wälder angerissen.

Die extrem trockenen Sommer 2018 und 2019 hätten dann nicht nur für eine schlechte Wasserversorgung der Bäume gesorgt sondern auch die massenhafte Vermehrung der Borkenkäfer außergewöhnlich begünstigt. Derzeit vermehrten sich die Borkenkäfer dreimal im Jahr. Dies sei mit ein Grund dafür, dass sich die Fichte im Forstamt Romrod auf Dauer nicht mehr halten könne. Die Ursache im Handeln der jetzigen Forstleute zu sehen, halte die SDW für falsch, da bereits vor mehr als 30 Jahren in ganz Hessen mit umfangreichen Waldumbauprogrammen begonnen worden war.

Mehr Personal in Forstämter

Forstamtsleiter Rupp bekräftigte diese Aussage und wies darauf hin, dass im Vogelsberg bereits Mischwald mit mehreren klimabeständigen Baumsorten angepflanzt werde. Rupp begrüßte die Forderung nach einem "Sofortprogramm zur Rettung der Hessischen Wälder". Dieses Programm müsse insbesondere Maßnahmen wie umfangreiche Personalaufstockung bei HessenForst und allen öffentlichen Forstverwaltungen umfassen und nicht nur ein Stopp des Personalabbaus.

Zur Entlastung durch die Übernahme von reinen Verwaltungsaufgaben müsse eine vorübergehende Umsetzung von Beamten und Angestellten der öffentlichen Verwaltungen zur Unterstützung des Landesbetriebes HessenForst erfolgen. Als Beispiel nannte er, dass sich seit 1990 die Flächen der Förstereien verdreifacht hätten, die Anzahl der Förster jedoch halbiert worden sei.

Moratorium für Waldrodungen

Wichtig seien eine Aufarbeitung der mit Borkenkäfer befallenen Waldbestände durch Forstunternehmer und ein Sofortprogramm für die Wiederaufforstung aller kahl gefallenen Waldstücke. Begrüßenswert sei die Reaktivierung von Pflanzgärten bei Revierförstereien, um ausreichend Pflanzgut bereit zu stellen und artenreiche Wälder begründen zu können. Dabei setzen die Fortamtsmitarbeiter darauf, dass ältere Bäume mit ihren Samen für das Hochkommen junge Bäume in der Umgebung sorgen. Solche Bäumchen sollen auch auf Katastrophenflächen gesetzt werden.

Dringend erforderlich sei ein sofortiger Stopp aller Eingriffe in den Wald und ein Moratorium für Waldrodungen. Für den Wald sollte ein umfangreiches Regenrückhalteprogramm erstellt werden und die Prüfung aller Wassergewinnungsanlagen im Wald und in Waldnähe sowie eine verbrauchsnahe Wassergewinnung außerhalb von Wäldern erfolgen. An Problemstandorten sei die Anhebung des Grundwasserspiegels nötig. Diese ganze Problematik treffe inhaltlich voll auf den Vogelsberg zu, sagt Rupp. Denn der sei in den letzten 35 Jahren von allen Wald-Katastrophen heimgesucht worden.

Quelle: Gießener Allgemeine

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