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Gerüste: Am Kreiskrankenhaus Alsfeld läuft noch die Grundsanierung.

Krankenhaus

Der schwierige Kampf ums Geld und die Patienten

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Während mancher Politiker oder Krankenkassenchef kleine Kliniken am liebsten schließen würde, hält man in Alsfeld dagegen. Landrat Manfred Görig über Probleme und den Einsatz für das Haus.

Die Probleme rund um das Kreiskrankenhaus erscheinen manchmal fast zu groß, als dass man sie lösen kann?

Manfred Görig: Die Frage stelle ich mir manchmal auch. Es geht uns wie vielen kleinen Krankenhäusern auf dem Land, die zwischen 160 und 180 Betten haben. Die haben es richtig schwer. Den Einsparungen im Gesundheitswesen laufen wir immer ein Stück hinterher. Wir sind nicht spezialisiert, sondern ein Haus der Grundversorgung mit verschiedenen Abteilungen und dafür müssen einen gewissen Personalbestand vorhalten. Es gibt keinen einfachen Weg, wir versuchen es mit einem Mix aus Maßnahmen.

Aus den roten Zahlen kommt das Krankenhaus wohl so schnell nicht heraus?

Görig:Wir waren auf einem ganz guten Weg, dann kamen zuletzt drei schwierige Jahre. Alles was unter einer Million Euro beim Defizit ist, ist durchaus akzeptabel, auch wenn wir uns bemühen, wieder deutlich bessere Zahlen zu bekommen. Wir haben es geschafft, mehr Patienten zu generieren. Wir mussten aber auch mehr Personal einstellen. Die Personalaufwandsquote liegt bei rund 67 Prozent.

Wie kam es zu mehr Patienten?

Görig:Wir haben viel (rund zwei Millionen Euro) in neue Medizintechnik investiert, das hat uns einiges gebracht. Denn in den Jahren davor gab es einen großen Investitionsstau, das Krankenhaus wurde im Prinzip kaputtgespart. Es mussten viele Geräte erneuert werden. Das haben die Patienten zur Kenntnis genommen und auch honoriert. Wir haben auch relativ neu eine sogenannte Schlaganfall-Einheit (Stroke-Unit light) eingerichtet. Die schnelle Behandlung ist bekanntermaßen gerade beim Schlaganfall ganz wichtig! Noch vieles ist ganz einfach nicht gut zu kalkulieren. Kommen viele Patienten oder nicht so viele? Wenn in einem Jahr die Belegung nicht so gut ist, fehlt auch das Geld. Abgerechnet wird nach Fallpauschalen und Schweregrad einer Operation. Haben wir viele schwere Fälle, gibt es mehr Geld. Das lässt sich nicht von uns steuern.

An welchen Schrauben kann man drehen?

Görig:An vielen Stellen ist schon gearbeitet worden, etwa bei Einkauf, Energie, Strom. Ein weiteres Beispiel ist die Kurzliegerstation. Bei OPs, bei denen klar ist, dass die Patienten nur zwei bis vier Tage bleiben müssen, kommen sie nun auf eine Station, die nur von Montag bis Freitag besetzt ist. Auch versuchen wir die Operationsäle von den Zeiten her besser auszulasten.

Wo können Sie noch sparen?

Görig:Das ist ziemlich schwer, auch wenn wir es versuchen. Besonders teuer ist die Notfallversorgung, die wir leisten müssen. Die können und wollen wir nicht schließen, auch wenn sie mit über einer Million Euro hoch defizitär ist. Aber sie gehört zur Grundversorgung der Bevölkerung.

Von Bund und Land scheint außer Geld für Neubauten wenig Hilfe zu kommen?

Görig:Schon vor Jahren ist uns ein Sicherstellungszuschlag in Aussicht gestellt worden. Bisher hat der nicht gewirkt, obwohl wir seit 2012 dran sind. Es hieß stets, dass wir die Bedingungen nicht erfüllen, weil es im Umkreis von 30 Kilometern gleich mehrere Krankenhäuer gibt, in denen Patienten behandelt werden könnten. In einem Gutachten wurde festgestellt, dass es genug Notfallambulanzen in der Region gibt, die von den Patienten angesteuert werden könnten. Das Gutachten sagt, von Alsfeld aus kann man in zumutbarer Zeit das Krankenhaus Bad Hersfeld erreichen. Wie das in der Realität aussieht, wenn Sie einen Notfall haben und nach Hersfeld fahren müssen, das interessiert nicht. Es scheint aber jetzt so, dass wir für 2019 die Bedingungen erfüllen können, weil der Landesgesetzgeber die Bestimmungen zu unseren Gunsten verbessert hat.

Offenbar ist die große Politik an der weiteren Existenz der kleinen Krankenhäuser nicht so wirklich interessiert?

Görig:Es sind auch die Krankenkassen, die uns kleinen Häusern das Leben schwer machen. Das sieht man an Bestrebungen, eine Mindestmenge von OPs vorzugeben und daran die Qualität festzumachen. Wenn man danach geht, dann schaffen das doch nur die Großen und wir wären außen vor. Wenn ich ein neues Kniegelenk bräuchte, dann ginge ich nicht dorthin, wo 500 OPs im Jahr gemacht werden, sondern 50. Dann weiß ich wenigstens, dass der Chef selbst operiert. Wir haben in Alsfeld im Kreiskrankenhaus eine sehr gute Qualität der Versorgung, das ist uns schon mehrfach bestätigt worden.

Während manche kleine Kliniken schließen wollen, wird richtig investiert?

Görig:Wir sanieren und erneuern das Haus Stück für Stück. Wir geben in fünf Jahren hierfür zehn Millionen Euro aus.

Bekommt man noch genügend Personal?

Görig:Beim Pflegepersonal klappt das immer noch gut, das liegt, daran, dass wir mit unserer angeschlossenen Schule selbst ausbilden. Bei den Ärzten ist es natürlich schwieriger. Da ist die Konkurrenz zwischen den Häusern groß und die Ärzte haben freie Wahl. Wir müssen da schon auf die Bedingungen der Ärzte eingehen.

Geplante Kooperationen mit anderen Kliniken sind immer gescheitert, warum?

Görig:Der Vertrag mit Hersfeld und Fulda war unterschriftsreif, alle waren nach dem Urlaub angereist, da wollte der Landrat des Kreises Hersfeld-Rotenburg plötzlich das Herz-Kreislaufzentrum Rotenburg retten und ist abgesprungen. Die Fuldaer haben unsere Zahlen gesehen und die waren bekanntlich nicht so gut. Zudem wollten sie einen Neubau für Alsfeld, das wäre finanziell für uns nicht lösbar gewesen. Auch hat sich eine mögliche Kooperation mit Lauterbach als schwierig erwiesen, weil dort die Struktur eine ganz andere ist. Dort gelten zum Beispiel andere Tarifverträge.

Wie geht es weiter?

Görig:So lange ich im Amt bin, werden wir das Notwendige tun, das Kreiskrankenhaus zu erhalten. Wir mussten lange buddeln, um auf den Grund zu sehen, aber das haben wir geschafft. Es ist noch viel zu tun, aber wir packen es an.

Quelle: Gießener Allgemeine

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