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Schronsteinfeger aus dem Vogelsberg: »Das ist der Wahnsinn«

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Von: Sophie Röder

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Ob Kamin- oder Pelletofen, beide sind derzeit sehr gefragt, doch kaum lieferbar. Zusätzlich erschwert eine neue Verordnung über die Schornsteinhöhe den nachträglichen Einbau. © Red

Wer dieser Tage einen Ofen einbauen möchte, braucht Geduld. Ein Vogelsberger Schornsteinfegermeister informiert über die aktuelle Situation. Es gibt auch gute Nachrichten: Nicht alle Öfen müssen bis Ende 2024 ausgetauscht werden.

Vogelsberg - Das Telefon steht bei Schornsteinfeger Stefan Fuhr nicht mehr still. »Das ist der Wahnsinn«, sagt der Homberger. Während er bei einem Kunden ist, gehen viele weitere Anfragen auf seiner Mailbox ein. Dass er derzeit so gefragt ist, hat zwei Gründe: Zum einen liege es an der aktuellen Situation. »Viele haben Angst, dass es im Winter kein Gas mehr gibt, und möchten sich zusätzlich absichern«, sagt Fuhr. Andere wiederum hätten schon lange über einen Ofen nachgedacht und nun den nötigen Anstoß, um sich darum zu kümmern. Hinzukommt, dass diejenigen, die bereits einen Kaminofen besitzen, sich teilweise um ein neues Modell Gedanken machen.

Im Zuge des Immisionsschutzgesetzes müssen bis zum 31. Dezember 2024 alle Kaminöfen und Kachelöfenheitzeinsätze, die vor dem 22. März 2010 in Betrieb genommen wurden, entweder aufgerüstet - und so an die neuen Schadstoffvorgaben angepasst - sein oder außer Betrieb genommen werden.

Vogelsbergkreis: aktuell hohe Nachfrage nach Kamin- und Pelletöfen

Ende 2024 klingt noch weit weg. Doch mit Blick auf den Krieg in der Ukraine würden gerade jetzt viele Kunden ihre Öfen austauschen. »Da ist richtig was los«, sagt Fuhr. Obwohl er viel zu tun hat, rät er denjenigen, die vom Wechsel betroffen sind: »Ich würde mich jetzt gleich darum kümmern. Wenn die ersten kalten Tage kommen, wird es noch verrückter.«

Normalerweise ist die Nachfrage nach neuen Öfen um diese Jahreszeit gering, »aber in diesem Jahr ist alles anders«. Fuhr hat mitbekommen, dass es derzeit schwierig ist, an Kaminöfen zu kommen. Gegen Herbst oder Winter rechnet er zudem mit weiteren Preissteigerungen.

Immisionsschutzgesetz des Bundes für Öfen: Schornsteinfeger über die Ausnahmen

Entgegen vieler Annahmen gibt es auch »Öfen, die drin bleiben dürfen«. Ausnahmen: Kachel- und Speicheröfen, die vor Ort errichtet wurden, wo die Brennkammer gemauert und somit nicht ersetzbar ist, dürfen drin bleiben. Der Ofen kann auch dann weitergenutzt werden, wenn keine andere Heizung vorhanden ist.

Ebenso befreit sind Küchenöfen, die zum Backen und Kochen verwendet werden sowie Badeöfen. »Badeöfen gibt es nicht mehr viele.« So betreue Fuhr in seinem Bezirk Alsfeld noch zwei Kunden mit diesen. Eine weitere Ausnahme gilt für historische Öfen, die vor 1950 erbaut worden sind. Solche gebe es in Alsfeld häufiger. Eine weitere Besonderheit betrifft offene Kamine: »Die können drin bleiben, dürfen jedoch nur gelegentlich betrieben werden.« Für diejenigen, deren Öfen nicht zu den Ausnahmen zählen, die aber an ihren Kaminöfen hängen, gibt es die Möglichkeit, eine Messung vorzunehmen.

Dabei bestimmt der Schornsteinfeger die genauen Schadstoffwerte des Ofens, und schaut, ob dieser die nötigen Richtwerte einhält. Dafür benötigt der Schornsteinfeger eine Weiterbildung. Diese habe ein Kollege von Fuhr. Die Messung dauere rund drei Stunden mit speziellen Geräten, weshalb diese nicht günstig sei. »Da muss man sich fragen: ›Gehe ich das Risiko ein, und lasse die Messung machen, bei der der Ofen auch durchfallen kann, oder kaufe ich mir gleich einen Neuen?‹ «, sagt Fuhr. Eine weitere Option sei es, einen Filter nachzurüsten. Doch diese seien eigentlich eher für Kachelöfen gedacht, wo die Umrüstung ein größeres Problem ist.

Seit Januar neue Richtlininen für Schornsteine: »Das sorgt für Unmut«

Wer keinen Neuen möchte, könne seinen auch stilllegen. Dann kann der Ofen stehen bleiben, doch sowohl der jeweilige Bezirksschornsteinfeger sowie das Landratsamt müssen darüber informiert werden. Derzeit sei das Gegenteil der Fall: »Es ist ein Run auf Kamine«, sagt Fuhr. Zum Teil müsste allerdings der Schornstein saniert oder ein neuer angebracht werden, um den Einbau eines Kamins nachträglich zu ermöglichen. Dies sei nicht so einfach, da es seit Jahresbeginn neue Vorschriften für Schornsteine gebe. »Das macht den Einbau für manche unmöglich.« Das wiederum sorge für Unmut.

Bei denen, wo das Nachrüsten eines Ofens möglich sei, seien sowohl Kamin- als auch Pelletöfen sehr gefragt, berichtet Fuhr. Wofür man sich entscheide, hänge von verschiedenen Faktoren ab.

Ein Vorteil von Kaminöfen beispielsweise sei, dass diese gänzliche ohne Strom auskommen. Pelletöfen müssten dafür seltener befüllt werden. Durch seine Kollegen - im Vogelsbergkreis gibt es 12 Schornsteinfegerbezirke - bekomme Fuhr auch mit, dass insbesondere auf dem Land nicht nur die Nachfrage nach Pelletöfen, sondern auch nach Pelletheizungen steige.

Schornsteinfegermeister aus dem Vogelsberg empfiehlt: Öfen mir dem »Blauen Engel«

Unabhängig von der Wahl der Ofenart empfiehlt Fuhr bei Kauf eines Neuen nicht nur auf die geforderte Feinstaub und CO2 Stufe zu achten. »Es gibt einige Hersteller, die ihren Ofen mit dem ›Blauen Engel‹ versehen. Diese haben freiwillig niedrigere Grenzwerte als bei der Richtlinie gefordert werden.«

Durch seine Kunden habe der Schornsteinfegermeister mitbekommen, »wer jetzt einen Ofen bestellt, bekommt ihn vermutlich erst im Herbst. Die Zeit, dass man in einen Laden geht und den Ofen einfach mitnimmt, ist vorbei«. Fuhr gibt außerdem zu bedenken: »Wer jetzt einen Kaminofen kauft, hat noch lange kein Holz.« Denn auch dort sind die Lieferzeiten sehr lang. Daher sei es ratsam, gleichzeitig mit dem Kauf eines Kaminofens das Holz zu bestellen.

Nachgefragt im Vogelsberger Ofenfachgeschäft

»Wir bekommen keine Lieferzeiten mehr genannt«, sagt Sabine Wolf von Kachelofenbau Jungk GmbH in Lauterbach. Doch nicht nur von der Bestellung des Ofens bis zur Lieferung vergehe ordentlich Zeit. Auch ein Termin im Fachgeschäft sei derzeit nicht spontan möglich. »Wer sich beraten lassen möchte, sollte vorher anrufen, um einen Termin auszumachen.« Denn die Nachfrage sei so hoch, dass bis zum Termin Wochen vergehen könnten.

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