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Mit dem Mähdrescher werden wertvolle Grassamen geerntet.

Klimaschutz

Die Letzten ihrer Art werden im Vogelsberg gesammelt

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Die Vereinten Nationen haben den Vogelsbergkreis entdeckt. Denn von dort kommt ein Exportschlager. 7,5 Tonnen wertvolle Samen von aussterbenden Pflanzenarten wurden seit 2014 gesammelt.

Ein renaturiertes Hochmoor. 40 Hektar artenreiche Wiesen und Weiden. 7,5 Tonnen Wiesendrusch gewonnen und in artenarme Bestände eingesät. Auf über 250 Hektar artenreichem Grünland Lupine bekämpft. Teiche und Kilometer Gewässer wurden renaturiert, damit Groppe und Bachforelle wieder ungehindert wandern können. Darauf verweisen die Akteure des Naturschutzgroßprojektes. Gründungsvater Walter Kress wäre stolz, was sich seit den Anfängen getan hat.

Rund 70 Unterstützer blickten nun an der alten Ski-Sprungschanze bei Bermuthshain auf eine Halbzeit des Vorhabens. Projektleiter Ruben Max Garchow führte durch bewegten Jahre von den Anfängen 2002 bis ins Jahr 2019. An den Fotos war abzulesen, dass es nicht immer leicht war, das Projekt auf den Weg zu bringen und vor allem dass es viel Zeit und noch mehr Nerven bei Gesprächsrunden und Arbeitskreissitzungen gebraucht hat, bis es gelang, das fast zehn Millionen Euro schwere Projekt in den Vogelsberg zu holen. Jetzt wurde das Engagement gewürdigt.

Staatsministerin Priska Hinz zeichnet das Projekt mit der Übergabe des Vielfaltsbaumes als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt aus. Damit ehrte sie die Anstrengungen des Trägervereins und des Projektteams für den Erhalt und die Entwicklung der einzigartigen Kulturlandschaft im Vogelsberg. "Bunt blühende Wiesen, ausgedehnte Heckenlandschaften und zahlreiche Quellen machen den Vogelsberg zu einem einzigartigen Naturraum in Hessen. Das Naturschutzgroßprojekt hat eine enorme Bedeutung für die biologische Vielfalt in der Region und es wird deshalb zu Recht als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet", sagte Umweltministerin Hinz.

Bereits seit 2015 setzt sich der Verein für den Erhalt des artenreichen Grünlands im Vogelsberg ein. Durch Entbuschung werden beispielsweise wertvolle Wiesen zurückgewonnen, Samen von naturschutzfachlich hochwertigen Wiesen gewonnen und an anderer Stelle wieder eingesät, typische Bergmähwiesenarten wieder etabliert, ungenutzte Wiesen zum Erhalt der vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten gemäht sowie invasive Arten wie die Lupine beseitigt. "Die Vielfalt der Gräser und Kräuter der artenreichen Bergwiesen dient Schmetterlingen, Bienen, Hummeln und anderen Insekten als Lebensgrundlage. Eine große Insektenvielfalt wiederum bietet Vogelarten wie etwa dem Wiesenpieper genug Nahrung, um auch die Jungtiere aufzuziehen", machte Hinz die Bedeutung deutlich. Das Vorhaben wird von Land, Bund und Kreis mit 9,3 Millionen Euro unterstützt. "Ein Naturraum wie der Vogelsberg mit seiner einzigartigen Kulturlandschaft ist gerade in Zeiten des weltweiten Artensterbens von enormer Bedeutung", unterstrich Landrat Manfred Görig.

Insgesamt seien bis heute mehr als 1000 Hektar Bergmähwiese erhalten geblieben. Insbesondere blütenbesuchende Insekten wie Schmetterlinge, Wildbienen und Schwebfliegen finden auf den Wiesen Nahrung und Lebensraum. Eine Vielzahl von Tieren ernährt sich wiederum von den Insekten der Bergmähwiesen. Dazu zählen viele Vögel, aber auch Kleinsäuger wie Igel, Mäuse und Maulwürfe. Der Erhalt der Wiesen garantiert also auch den Fortbestand all derer, die auf die Blumenpracht angewiesen sind.

Abschließend wurden Arbeiten in Bermuthshain in Augenschein genommen. Dort erfolgte wurden Gehölze entnommen, es entstanden 1,5 Hektar Grünlandfläche. Ein Teil bildet einen Übergang zum angrenzenden Fichtenbestand und hilft Gebüsch- und Heckenbrütern. Zusätzlich wurden an den "harten" Waldkanten Hecken angelegt, die die fehlenden Waldränder ersetzen sollen. Außerdem entstehen entlang der künstlichen Hecken Säume für Insekten.

Quelle: Gießener Allgemeine

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