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In virtuelle Welten eintauchen: Modernste Spielerlebnisse in Alsfeld

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Von: Sophie Röder

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Die drei Spieler sehen das Geschehen durch die VR-Brille. Für Zuschauer bleibt es unsichtbar. Mithilfe der kleinen Kugeln an der Ausrüstung zeichnen die Kameras die genaue Bewegung der Spieler auf und übertragen es in das Spiel. © Red

In Alsfeld hat ein neues Gruppenerlebnis eröffnet: Seit Donnerstag (20.10.2022) können kleine Teams gemeinsam Computerspiele spielen und dank VR-Brille voll in das Geschehen abtauchen.

Um Hand- und Fußgelenke kommen Bänder mit Sensoren. Dann ziehen die Teilnehmer Westen über ihre Kleidung. Sie erinnern an eine Schussweste. Darauf wird ein Rucksack geschnallt. Schön fest ziehen. Es fühlt sich an wie eine Ausrüstung. Dann helfen die Mitarbeiter Brille und Headset aufzuziehen. Alles um einen herum ist weiß.

Eine Roboterstimme beginnt zu sprechen. Nach und nach erscheinen Objekte im weißen Raum. Die Spieler treten in Kreise auf dem Boden. Alle sind nun Androiden und bekommen eine virtuelle Rüstung angezogen sowie eine Waffe in die Hand. Die Waffe ist real. Aber aus Plastik.

Mit der einen Hand kann man mit der Waffe schießen, mit der anderen einen Schild hervorrufen. Die Mannschaft besteht aus drei Mitgliedern - den Spielern. Gemeinsam sollen sie eine Fracht und Amber im Jahr 2088 vor angreifenden Aliens beschützen. Damit das gelingt, muss das Team zusammenarbeiten.

360 Grad Blickfeld und freie Bewegung bei Spieleerlebnis mit VR-Brille in Alsfeld

Die ersten Aliens greifen an, und die Aufregung steigt. Wie war das mit dem Schild? Die Weste vibriert, das heißt, ich erleide Schaden. Doch woher? Zu Beginn traue ich mich nicht so recht, mich durch den Raum zu bewegen. Doch falls ich zu nah an die Wand komme, warnt die Virtual Reality-Brille (VR).

Plötzlich greifen Mini-Aliens die Beine an. Diese muss man abschütteln. Also schnell die Beine bewegen. Mit der Zeit sind die Hemmungen gesunken. Laufen, ducken, schießen. Da kommt man ganz schön ins Schwitzen. Auch das Gewicht der Waffe wird anstrengender zu halten. Zwischendrin die Team-Mitglieder heilen beziehungsweise geheilt werden, indem man eine Hand auf die Schulter legt oder gelegt bekommt.

Die Aliens sind überall, der einzelne Spieler kann nicht alles im Blick behalten. Die Einsicht in das Geschehen beträgt 360 Grad. Durch die Grafik lassen sich selbst Details in der Ferne erkennen und der Weltraum scheint unendlich. Am Ende taucht erneut ein Hologram des Captains auf. Die Mission war erfolgreich.

SandboxVR kommt von den USA nach Alsfeld

Eben noch standen alle drei Androiden auf einer Plattform im Weltall und nun ohne VR-Brille wieder als Menschen im grauen Raum. Das Erlebte hat im Computerspiel »Amber Sky 2088« stattgefunden. Wahrgenommen haben die Spieler alles mit einer VR-Brille und die Haptik durch die sensorische Kleidung. Doch die Bewegungen und Gefühle waren echt. Meine Hand ist noch zittrig.

Das Erlebnis gibt es seit Donnerstag in Alsfeld. Dafür hat Torsten Schneider die ehemalige Lagerhalle der alten Post am Ludwigsplatz umbauen lassen. Die Idee hatte er vor über einem Jahr. Technik und Spiel kennt der Betreiber der Next-Level-Erlebnisse aus den USA. Dort sind die VR-Spiele und die Technikausstattung von Sandbox-VR bereits etabliert. In Europa gibt es diese Ausführung bisher nur in London - und nun Alsfeld.

Dass Schneider es hier eröffnet, hat mehrere Grunde: »Weil ich Lasertec, Escape Rooms und andere Event-Aktivitäten bereits anbiete, wollte ich auch Sandbox-VR hier aufbauen.« Zudem sei es einfacher, so ein Projekt zu betreuen, wenn man selbst vor Ort sei. »Und ich will beweisen, dass man so etwas nicht nur in Großstädten machen kann.«

Next-Level-Erlebnisse in Alsfeld: VR-Technik auch für Brillenträger

In Schneiders VR-Gaminglocation können derzeit sechs verschiedene Spiele von zwei bis sechs Spielern gespielt werden. Auch von Brillenträgern. »Eine kleine Brille passt unter die VR-Brille. Ist sie zu groß, haben wir auch Linsen für die Brille, um die Dioptrienzahl anzunähern«, sagt Schneider.

Derzeit sind die Spiele noch in englischer Sprache, an Übersetzungen werde gearbeitet. Zudem sollen jährlich zwei neue Spiele erscheinen. Ähnlich wie bei Escape-Rooms sind auch die VR-Spiele für Gruppen ausgelegt. Fünf der sechs Spiele sind Coop-Spiele, das heißt, die Spieler agieren gemeinsam gegen den Computer. Im sechsten »Unbound Fight League« treten die Teilnehmer gegeneinander an.

VR-Gaming in Alsfeld: Termin vorher online buchen

Für einen Besuch sollten Interessierte rund eine Stunde einplanen. Die reine Spielzeit beträgt circa 30 Minuten. Am Ende können sich die Spieler das Erlebte in einem kurzen Video anschauen. Das bekommen sie als Erinnerung per E-Mail zugeschickt.

Damit alles reibungslos abläuft, buchen diejenigen vorher sowohl einen Zeitslot als auch das Spiel und die Spieleranzahl. »Kleinere Anpassungen können wir vor Ort noch vornehmen«, sagt Schneider. Die Preise hängen von der Anzahl der Spieler sowie dem Zeitslot ab. »Am Wochenende ist es teurer als unter der Woche.«

Eine Altersbeschränkung wie bei einem Kinobesuch gibt es nicht direkt, doch Schneider empfiehlt ein Alter von mindestens zwölf Jahren. »Zum einen müssen die Kinder das Equipment tragen können. Zum anderen ist es eine immersive Erfahrung. Man kann vergessen, dass es keine Realität ist und es kann extreme Gefühle hervorrufen.«

INFO: Virtual Reality ohne »Motion Sickness«

»Vielen, die zu Hause eine VR-Brille ausprobiert haben, ist dabei schlecht geworden, sodass sie nicht damit spielen können. Das liegt an der ›Motion Sickness‹ und ist mit der Seekrankheit vergleichbar«, erklärt Torsten Schneider Inhaber von Next-Level-Erlebnissen. Das komme daher, dass das Gesehene nicht mit den reellen Empfindungen übereinstimme. Durch Kameras und das Scannen der Sensoren, die der Spieler bei Sandbox-VR am Körper trägt, stimmen hier Sehen und Fühlen überein. Denn es wird genau aufgezeichnet, was der Spieler macht. Die Aktionen im Spiel und der Realität sind gleich.

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Außerhalb des kleinen Raumes befindet sich ein Teil der Ausrüstung, die die Teilnehmer anziehen, um an dem virtuellen Erlebnis teilhaben zu können. © Sophie Mahr
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Torsten Schneider Betreiber von Next-Level-Erlebnissen hat Sanbox VR nach Alsfeld gebracht. © Sophie Mahr

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