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Keine große Hürde für den Wolf: Wolfgang Pschierer vom Schafhalterverband Vogelsberg zeigt einen typischen Festzaun, wie ihn Züchter verwenden.

Angst vor Wolf

Alle Tierhalter sollten auf der Hut sein

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Es ist noch offen, ob es der Wolf war, der ein Kalb in Ulrichstein getötet hat. Doch Tierhalter sind alarmiert. Schafzüchter mahnen, dass auch Rinderhalter und Pferdezüchter betroffen sein könnten.

Schafe halten und züchten ist meist ein Hobby geworden. Viel verdienen lässt sich mit den wolligen Landschaftspflegern nicht. Und jetzt kommt bei den rund 650 Haltern im Vogelsbergkreis die Sorge vor dem Wolf dazu. Wolfgang Pschierer vom Schafhalterverband: "Ich habe nichts gegen Wölfe, das sind schöne und intelligente Tiere. Aber hier bei uns wollen wir sie nicht haben." Das sagt er nicht nur im Blick auf die rund 10 000 Schafe und Ziegen im Kreis, die zur leichten Beute der Raubtiere gehören, auch Rinderhalter und Pferdehalter sollten gewarnt sein.

Pschierer hat bereits vor zehn Jahren vor einer möglichen Ankunft des grauen Jägers gewarnt und sieht sich bestätigt: "Wir sind Wolferwartungsland, irgendwann sind sie hier." Bisher hat sich noch kein Rudel angesiedelt, deshalb gilt der Kreis nicht als Wolfsgebiet. Halter bekommen bislang keine Entschädigung, wenn eines ihrer Tiere von einem durchziehenden vierbeinigen Jäger gerissen wird und der entsprechende Zaun aus Sicht der Behörden nicht wolfssicher war.

Zäune helfen nicht

Den Einwand vonseiten der Behörden und der Naturschutzverbände, die Tierhalter könnten ihre Vierbeiner ganz leicht mit den speziellen Zäunen schützen, stößt bei den Betroffenen auf viel Kritik. So sollen die Zäune laut der Vorgaben rund 1,40 Meter hoch sein und noch einen halben Meter im Boden eingegraben sein, damit sie nicht überwunden werden. Das bedeutet einen immens großen Aufwand, wenn Tiere Auslauf im Freien haben sollen.

Der Aufwand kann den Tierhaltern nicht zugemutet werden, betont der Vorsitzende des Kreisbauernverbands, Volker Lein. Die Kosten für den besonderen Schutzzaun seien dreimal so hoch wie bei einem normalen Zaun, der Arbeitsaufwand fast fünfmal so hoch. Zudem sei es schwierig, im steinigen Vogelsberger Boden die Zäune einzugraben, sagt Wolfgang Pschierer: "In der Lüneburger Heide können sie das eher machen." Dazu kommt die Voltzahl von mindestens 2000, die als Abschreckung durch einen Elektrozaun gejagt werden muss.

Herdenschutzhunde sind teuer

Außerdem ist ein solcher Festzaun, wie ihn manche Schäfer errichten, ein Bauwerk. Es sei zu fragen, ob man die ganze Weidelandschaft damit zustellen und sie quasi komplett "verdrahten" will, sagt Volker Lein. Das sei auch aus touristischer Sicht fragwürdig.

Den Schäfern, die ihre Herden über verschiedene Weiden in einer Gemarkung grasen lassen, sei es schon gar nicht zuzumuten, ständig den Zaun weiter zu stecken. Ein Halter von vier Rinderherden im hohen Vogelsberg hat bereits signalisiert, dass er sich den hohen Aufwand für wolfssichere Zäune nicht leisten kann. Lein: "Dann will er die Viecher im Stall lassen." Das könne aber die Gesellschaft nicht wollen, wenn sich gleichzeitig Naturverbände und Touristiker für eine offene Landschaft stark machen. Für Lein ist klar, "dass wir den Wolf hier nicht wollen und nicht brauchen".

Keine Lösung sind aus Sicht der Hobbyschäfer übrigens Herdenschutzhunde. Sie sind recht teuer, weil die Ausbildung aufwendig ist und nach sieben Jahren müssen sie dann in der Regel aufs Altenteil. Zudem drohen sie alles anzugehen, was sich ihrer Herde nähert und sie können Anwohner durch das "Verbellen" stören.

Der Vockenröder Gerhard Hock hält seit 1980 immer um die 20 Mutterschafe, die ruhig auf einer Weide grasen. Dass eines seiner Tiere gerissen wird, das will er sich gar nicht ausmalen. "Selbst wenn es finanziell zu verschmerzen ist, wäre das sehr sehr schlecht."

Quelle: Gießener Allgemeine

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