22. Oktober 2017, 22:40 Uhr

Zehntausende feiern Walhalla-Jubiläum Dichter Pablo Neruda vom Militär vergiftet? Schönheit im Büchertempel Nina Hoss bekommt »Europa«-Filmpreis Agnieszka Polska in Berlin ausgezeichnet Ein neuer Superstar Doro Pesch stellt erstes deutsches Album vor

Meterhohe Flammen schießen in der Nacht zum 3. September 2004 aus dem Dach der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Die Tragödie löst weltweit Entsetzen aus, aber auch eine ungeahnte Hilfsbereitschaft. Bereits 2007 kann das Weltkulturerbe saniert wiedereröffnet werden.
22. Oktober 2017, 22:40 Uhr
Der prachtvolle Rokokosaal der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. (Foto: dpa)

Mit einem großen Feuerwerk ist das 175. Jubiläum der Walhalla am Samstagabend gefeiert worden. Zu dem Spektakel in der Nähe von Regensburg strömten nach Polizeiangaben bis zu 40 000 Besucher an die Donau. Mehr als 3000 Menschen verfolgten das Feuerwerk von Schiffen aus. In dem tempelartigen Bau – 1842 eröffnet vom bayerischen König Ludwig I. – sind Büsten großer Persönlichkeiten der deutschen Geschichte ausgestellt. Zu den dort Geehrten gehören Kaiser und Könige, Künstler wie Albrecht Dürer, Forscher wie Wilhelm Conrad Röntgen oder mutige Menschen wie die von den Nazis ermordete Widerstandskämpferin Sophie Scholl von der »Weißen Rose«.

Pablo Neruda war ein sprachgewaltiger Poet und ein strammer Kommunist. Den rechten Militärs in seinem Heimatland Chile war der Literaturnobelpreisträger deshalb ein Dorn im Auge. Kurz nach dem Putsch 1973 könnte die Junta von General Augusto Pinochet den Autor aus dem Weg geräumt haben. Das legt ein neuer Bericht einer internationalen Expertengruppe nahe. Demnach starb Neruda möglicherweise an einer Vergiftung und nicht an Krebs. Man habe einen Giftstoff gefunden, erklärte der spanische Forensiker Aurelio Luna am Freitag. Weitere Laborstudien sollen nun klären, ob es sich um eine von Menschenhand herbeigeführte Vergiftung handele. »Wenn sich herausstellt, dass das Bakterium in einem Labor gezüchtet wurde, dann handelt es sich eindeutig um Fremdeinwirkung«, sagte Luna. »Dann wurden die Bakterien in krimineller Absicht dem Körper zugeführt.«

Er ist einer der schönsten Bibliotheksräume in Europa und hat durch seine ovale Form etwas Sakrales: Der Rokokosaal im Stammhaus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. Büchertempel und Heiligtum der Klassik – das sind nur zwei Ehrenbezeichnungen für die mehr als 325 Jahre alte renommierte Forschungsbibliothek. Seit 1998 gehört sie zum klassischen Weltkulturerbe. In der Nacht zum 3. September 2004 waren die teils jahrhundertealten Buch- und Kunstschätze in höchster Gefahr. Drei Wochen vor dem geplanten Auszug der kostbaren Bücher, Gemälde, Büsten und Globen für die geplante Generalsanierung des Gebäudes brach ein verheerendes Feuer aus. Meterhoch schlugen die Flammen aus dem Dach.

»Ein unglaubliches Restaurierungsprojekt begann«, sagt Bibliotheksdirektor Reinhard Laube. Bereits drei Jahre später, am 24. Oktober 2007, konnte das Bibliotheksstammhaus der Öffentlichkeit mit einem Festakt wieder übergeben werden. Rund 82 000 Besucher aus aller Welt sahen seitdem den Rokoko- sowie den Renaissancesaal. Das Oval des 1766 fertiggestellten Rokokosaales mit seinen zwei Galerien präsentiert sich wieder in Weiß mit einem leichten Anflug von Blau und goldenen Verzierungen, wie zur Zeit Anna Amalias (1739-1807). Sie hatte das »Grüne Schlösschen« zur Bibliothek umbauen lassen. Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) hatte zeitweise die Oberaufsicht.

Mehr als 50 000 Bücher wurden 2004 ein Opfer der Flammen. Weitere 118 000 wurden von Ruß, Feuer und Wasser beschädigt, darunter 25 000 sogenannte Aschebücher, die außen verkohlt und innen teilweise intakt waren. Dass nicht mehr Verluste zu beklagen waren, ist auch den Hunderten Weimarer Bürgern zu verdanken, die versuchten, ungeachtet auflodernder Flammen und Gefahren, wertvolle Bücher aus dem Haus zu retten. Ursache für den Brand war vermutlich ein defektes Elektrokabel.

Auch der Rokokosaal wurde beschädigt. Rund 380 000 Liter Löschwasser ergossen sich über Mauerwerk, Decken und Holzregale. »Es gab nur Probleme«, hatte der leitende Architekt Walter Grunwald vor der Wiedereröffnung 2007 gesagt. Die von dem Löschwasser vollgesogenen Mauern, Decken und Holzregale mussten äußerst behutsam und in unterschiedlicher Geschwindigkeit getrocknet werden. »Das Feuer wurde 67 Stunden lang mit Wasser bekämpft, 15 Monate dauerte es, die Wasserschäden zu beseitigen.«

Dass das Stammhaus der renommierten Forschungsbibliothek der Klassik Stiftung so schnell am Geburtstag der Namenspatronin wiedereröffnet werden konnte, war auch der einmaligen Welle der Solidarität zu verdanken. Mehr als elf Millionen Euro wurden für die Restaurierung und den Ersatz verlorener Buchschätze gespendet. Das Geld kam von vielen tausend Einzelspendern und von großen Firmen – von wenigen Euros bis zu fünf Millionen Euro. Für den damaligen Bibliotheksdirektor Michael Knoche, der aus dem Flammen mit Erlaubnis der Feuerwehr eine seltene Gutenberg-Bibel holte, ist »die Fürstenbibliothek so auch zu einer Bürgerbibliothek geworden«.

13 Jahre nach dem Feuer hat die Bibliothek viele Buchlücken schließen können. »Zusammen mit 27 Auftragswerkstätten konnten 83 000 der 118 000 geborgenen Bücher dekontaminiert und restauriert werden«, sagt Laube, der vor einem Jahr die Bibliotheksleitung von Knoche übernahm. Von den 25 000 Aschebüchern seien 5000 Exemplare mit 1,2 Millionen Blatt restaurierungsfähig. »Bislang konnten 740 000 Blatt nach einem in der eigenen Restaurierungswerkstatt entwickelten Verfahren restauriert werden«, betont Laube. Die 50 000 verlorenen Bücher konnten durch Ankäufe oder Schenkungen bereits weitgehend durch neue Exemplare ausgeglichen werden.

16,7 Millionen Euro habe die Bücherrestaurierung bislang gekostet. »Bis 2024 sind jährlich noch 1,2 Millionen Euro notwendig.« Es sei eine »generationenübergreifende« Aufgabe, meint der Direktor.

Die Schauspielerin Nina Hoss (»Rückkehr nach Montauk«) ist beim Internationalen Filmfest Braunschweig für ihre Verdienste um die Europäische Filmkultur geehrt worden. Die 42-Jährige bekam dafür am Samstag den mit 15 000 Euro dotierten »Europa«-Preis. Hoss war Stargast des Festivals, sie gehört zu den gefragtesten deutschen Schauspielerinnen. Im europäischen Autorenfilm ist sie ebenso zu sehen wie auf deutschen und europäischen Theaterbühnen. Zuletzt drehte sie auch für die US-Serie »Homeland«.

Den Publikumswettbewerb um den »Heinrich«-Preis für den besten europäischen Debüt- oder Zweitfilm gewann der irische Regisseur Darren Thornton für »A Date for Mad Mary«. Im Wettbewerb standen zehn Filme, davon acht deutsche Erstaufführungen. Der deutsch-französische Jugendpreis Kinema ging an »Past Imperfect«, eine belgisch-niederländisch-dänische Produktion.

Die in Berlin lebende polnische Künstlerin Agnieszka Polska (Jg. 1985) ist mit dem renommierten Preis der Nationalgalerie ausgezeichnet worden. Bei der Preisverleihung am Freitagabend im Gegenwartsmuseum Hamburger Bahnhof hob die Jury die poetische und gefühlsbetonte Spannung in Polskas Werk hervor.

Sie behandele in ihren Filmen, Fotografien und zeichentrickbasierten Videos einige der dringendsten Fragen unserer Zeit, hieß es. Statt eines Geldpreises erhält die Gewinnerin eine Einzelausstellung in einem der Häuser der Nationalgalerie und eine begleitende Publikation.

Elyas M’Barek zählt zu den Superstars des deutschen Films. Als chaotischer Lehrer Zeki Müller in dem Kinoerfolg »Fack u Göhte« brachte er vor allem seine Verehrerinnen an den Rande des Wahnsinns. Kreischalarm, wo immer sich der smarte Österreicher blicken ließ. Ein Auftritt musste wegen hysterischer Fans sogar abgebrochen werden.

Seinen Durchbruch hatte der in München lebende Darsteller 2006 als Cem in der ARD-Sitcom »Türkisch für Anfänger«. Seitdem spielte er in vielen Produktionen mit, war Hacker in »Who am I«, spielte einen Arzt in »Willkommen bei den Hartmanns« und lieh dem frechen Riesen-Teddybären »Paddington« seine Stimme.

Dass der 35-Jährige so beliebt ist, liegt nicht nur an seinem Aussehen, das Frauen gerne als schnucklig oder süß bezeichnen. Über soziale Medien feilt er eifrig an seinem Image, posiert mit nacktem Oberkörper am Pool, cool im Anzug oder nachdenklich in die Ferne blickend. Selbstbewusst, lachend und gerne selbstironisch wirkt M’Barek auf diesen Bildern, dazu gibt es jede Menge lockere Sprüche.

Mit seinem Ruhm setzt er sich auch gegen Rechtspopulismus ein, etwa vor der Bundestagswahl. Ein Promi, der seine Fans teilhaben lässt an seinem Leben und sogar auf Kommentare antwortet. Mehr als 2,4 Millionen Follower hat er auf Facebook, während es Schauspielkollege Matthias Schweighöfer nur auf rund 1,9 Millionen bringt.

Privat sehnt sich M’Barek aber offenbar nach mehr Ruhe. »Ich glaube, wenn es die Zeit eines Tages zulässt oder ich keine Lust mehr auf den jetzigen Beruf habe, mache ich eine Tischlerlehre«, sagte M’Barek mal in einem Interview. Und noch einen Traum hat er mittlerweile, vor ein paar Jahren noch undenkbar: »Jetzt schießt es mir doch manchmal durch den Kopf, wie es wäre, eine Familie zu gründen, Kinder, ein Haus im Süden. Ein ganz anderes Leben, als ich jetzt führe.«

Hardrockerin Doro Pesch (53) stellt am Mittwoch in ihrer Heimatstadt Düsseldorf ihr erstes rein deutschsprachiges Album vor. Jahrzehntelang hat die in New York lebende Sängerin englischsprachige Musik veröffentlicht. Ihr neues Album »Für immer« sei nun erstmals durchgängig in ihrer Muttersprache aufgenommen. Es soll am kommenden Freitag auf ihrem neu gegründeten eigenen Label »Rare Diamonds Productions« erscheinen, berichtete ihr Sprecher Markus Müller. Darauf enthalten ist auch das Stück »Helden«, eine deutsche Coverversion von David Bowies »Heroes«. »David Bowie und ich sind uns in den 90er Jahren ziemlich regelmäßig im berühmten New Yorker SIR-Studio begegnet, da wir beide dort oft geprobt oder Songs aufgenommen haben«, sagt Pesch. Die in Düsseldorf geborene Sängerin will beim »Wacken Open Air« im kommenden Jahr ihr 35. Bühnenjubiläum feiern. Die »Heavy-Metal-Queen« war früher Sängerin der Band Warlock. Mit zehn Millionen verkauften Tonträgern zählt sie zu den erfolgreichsten Heavy-Metal-Sängerinnen der Welt.

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