Zwei Männer, eine Idee

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Wo sonst könnte man die Lesung aus einem Buch über einen Naturforscher besser stattfinden lassen, als im Hörsaal der Hermann-Hoffmann-Akademie, in dem das riesige Pottwalskelett imposant unter der Decke hängt? Entsprechend hatte das Literarische Zentrum auch Anselm Oelze mit seinem Roman "Wallace", in dem er vom Artensammler Albert Russel Wallace erzählt, dorthin eingeladen. Prof. Volker Wissemann, Leiter der Hermann-Hoffmann-Akademie, moderierte die gut besuchte Veranstaltung mit der genau richtigen Mischung aus Sachkunde und Humor. Dass Autor Oelze nicht nur ein versierter Autor, sondern auch ein begeisternder Erzähler ist, machte den Abend zu einer rundum gelungenen Veranstaltung.

Wo sonst könnte man die Lesung aus einem Buch über einen Naturforscher besser stattfinden lassen, als im Hörsaal der Hermann-Hoffmann-Akademie, in dem das riesige Pottwalskelett imposant unter der Decke hängt? Entsprechend hatte das Literarische Zentrum auch Anselm Oelze mit seinem Roman "Wallace", in dem er vom Artensammler Albert Russel Wallace erzählt, dorthin eingeladen. Prof. Volker Wissemann, Leiter der Hermann-Hoffmann-Akademie, moderierte die gut besuchte Veranstaltung mit der genau richtigen Mischung aus Sachkunde und Humor. Dass Autor Oelze nicht nur ein versierter Autor, sondern auch ein begeisternder Erzähler ist, machte den Abend zu einer rundum gelungenen Veranstaltung.

Lesung unter dem Walskelett

Oelze, von Haus aus Philosoph mit Lehrauftrag in München, hat sich mit seinem Debütroman um die späte Würdigung von Albert Russel Wallace verdient gemacht. Dieser hatte zeitgleich mit Charles Darwin, aber unabhängig von ihm, im 19. Jahrhundert Ideen zur Evolutionstheorie entwickelt. Doch den Ruhm heimste Darwin ein. Wallaces Leistung geriet in Vergessenheit, er ging lediglich als Entdecker der biogeografischen Wallace-Linie zwischen Asien und Australien in die Annalen ein.

Er habe schon länger eine Liste von Paarungen, in denen einer den Erfolg zugesprochen bekam, der andere aber im Dunkeln der Geschichte blieb, in der Schublade liegen gehabt, berichtete Oelze. In einem "musevollen Sommer" habe er dann die Idee entwickelt, aus dem an Höhen und Tiefen reichen Leben Wallaces einen Roman zu verfassen: nicht ausschließlich historisch, sondern mit einer zweiten Erzählebene fiktional erweitert.

Im Buch stolpert der Museumswärter Bromberg über ein Foto von Wallace und enthüllt einen wahren Wissenschaftsskandal. Schließlich hatte Wallace 1858 seine Erkenntnisse zur Evolution dem berühmten Darwin als Aufsatz geschickt, der daraufhin in einem "delikaten Arrangement" seine bis dato gesammelten Erkenntnisse im Buch "Über die Entstehung der Arten" schnellstmöglich publik machte. Oelze lässt in seinem Roman den Nachtwächter Bromberg, dem Entdeckungsreisenden Wallace posthum "Nachhilfe in Sachen Glück" erteilen und parallel dazu auch sein eigenes Leben ändern.

Alles ist beschrieben in fast altmodisch kunstvoll anmutendem Schreibstil, entlang der vom Autor genau recherchierten historischen Fakten und garniert mit der Einsicht, dass "auch Fiktion ihren Reiz" hat. Oelze las drei Auszüge aus seinem im Verlag Schöffling erschienenen Roman mit dem schmucken Wallace-Käfer auf dem Cover. Er schilderte die erste Begegnung des Museumswärters mit einem Bild des Naturforschers, seine ersten Recherchen in einem Antiquariat und ließ die Zuhörer teilhaben an einer Kanufahrt des Naturforschers Wallace auf dem Amazonas. Oelze verwahrte sich jedoch gegen die Vorstellung, die beiden Naturforscher Wallace und Darwin in revanchistischer Absicht gegeneinander ausspielen zu wollen. Beide seien große Reisende gewesen und hätten ihre Erkenntnisse zur Evolution zufällig unabhängig voneinander, aber in nahezu gleichem Wortlaut niedergeschrieben. Dass Wallace nicht so bekannt geworden sei, habe sicher auch an dessen mangelndem Selbstbewusstsein gelegen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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