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Claus Leggewie (l.) und...

Ein "Zukunftsrat" für Gießen

Gießen (mö). Eines ist sicher: Der 6. März wird ein spannender Abend. Aber nicht nur, weil im Konzertsaal des Rathauses an diesem Sonntag das Trendergebnis für die Wahl des neuen Stadtparlaments bekanntgegeben wird. Denn auf der anderen Straßenseite, im Oberen Foyer des Stadttheaters, soll zeitgleich der Impuls zur Gründung eines Gießener "Zukunftsrats" gegeben werden.

Der "Ratschlag über die Zukunft unserer Stadt" ist Teil der bundesweiten Diskussionsreihe "Die Offene Gesellschaft", die seit Monaten an deutschen Theatern läuft. Es geht darum, Antworten auf die Frage zu finden, wie die Herausforderungen der Flüchtlingskrise – auf lange Sicht – bewältigt werden können.

In Gießen haben sich für einen Gesprächsabend Theaterintendantin Cathérine Miville und ihr Mitarbeiter Behzad Borhani mit den beiden renommierten Wissenschaftlern Claus Leggewie und Hans-Jürgen Wirth zusammengetan. Am Donnerstag stellten die Initiatoren die Veranstaltung mit dem Titel "Wie wollen wir leben?" der Presse vor.

Leggewie sagte, es gehe nicht darum, Alltagsprobleme bei Unterbringung und Integration von Asylbewerbern zu diskutieren, sondern einen Blick in die Zukunft des Jahres 2030 zu werfen, um sich die Frage zu stellen: "Was werden wir getan haben?" In anderen Zusammenhängen wie dem Klimawandel versucht der Politikwissenschaftler auf diese Frage unter der Überschrift "Futur Zwei" bereits Antworten zu geben.

Für Psychotherapeut Wirth wiederum ist es eine Herausforderung, das Engagement der vielen Bürger in der Flüchtlingshilfe weiterzuführen und langfristig zu sichern. Wirth spricht sogar von einer "neuen sozialen Bewegung", die weiterentwickelt werden müsse. Nur so ließen sich Fragen, wie Flüchtlinge später in einer Stadt wie Gießen wohnen, lernen und arbeiten sollen, wie sich das Kulturleben entwickelt oder Religionen miteinander umgehen, beantworten. Der "Zukunftsrat" sieht sich dabei in der Rolle einer "vierten Gewalt", die Stadt, Unternehmen und Hochschulen unterstützen könne. Leggewie räumte zwar ein, dass "die Stimmung zuletzt etwas gekippt ist", aber das müsse ja gerade zum Handeln motivieren. Dass die Gegner der Willkommenskultur wie die AfD demnächst auch in Gießen mit Sitzen und Stimmen im Parlament vertreten sein werden, sieht Leggewie gelassen. Dies seien "absolute Amateure", die nach seiner Erwartung schon bald an der konkreten Politik scheitern werden. "Die Alternative für Gießen sitzt hier", hieß es.

Die Initiatoren hoffen am 6. März auf bis zu 150 "Leute aus der Stadtgesellschaft". Für eine Eingangsrunde mit Impulsgebern konnten der Soziologe Prof. Jörg Bergmann, Uni-Kanzlerin Susanne Kraus, IHK-Ehrenpräsident Wolfgang Maaß, Ex-Regierungspräsident Lars Witteck, THM-Planer Prof. Nikolaus Zieske sowie der Wetzlarer Sozialplaner Peter Matzke gewonnen werden. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr im Oberen Foyer. (Fotos: pv)

Quelle: Gießener Allgemeine

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