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Bewacht von zehn Polizisten und zusätzlich gesichert durch einen Hochsicherheitsgefangenentransportgurt nahm der 40-jährige staatenlose Tschetschene auf der Anklagebank im Amtsgericht Platz.

Spektakulärer Fall vor Gericht

Von zehn Polizisten bewacht: 40-jähriger Nahkämpfer steht wegen Gewalttaten vor Gericht

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Spektakulärer Fall am Amtsgericht: Ein zum Nahkämpfer ausgebildeter 40-Jähriger ist wegen einer ganzen Reihe von Körperverletzungen angeklagt. Der staatenlose Tschetschene wird von zehn Polizisten bewacht.

Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung: Zwischen dem 23. Januar und 7. April war offensichtlich niemand vor ihm sicher. Dieser Eindruck könnte entstehen, legt man die Anklageschrift zugrunde, die Staatsanwalt Thomas Hauburger zum Verfahrensauftakt vor dem Amtsgericht gegen einen in Gießen lebenden Tschetschenen vortrug. Danach soll der heute 40-Jährige in dieser Zeit eine Reihe von Straftaten verübt haben, die für einen Teil der Opfer böse endeten. Der staatenlose Mann sei wie eine ungesicherte Handgranate durch Gießen gelaufen, könnte man meinen, und habe sich scheinbar wahllos seine Oper ausgesucht. Am ersten Verhandlungstag vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts unter dem Vorsitz von Richter Jürgen Seichter bemühte sich der Staatenlose aber darum, diesen Eindruck zu revidieren.

Mit einem Tritt Jochbein gebrochen

Der verheiratete Vater eines fünfjährigen Jungen, der seit rund acht Monaten von seiner Frau getrennt lebt, soll am 23. Januar in der Bahnhofstraße mit einem anderen Verkehrsteilnehmer aneinandergeraten sein und diesen beleidigt haben. Eine Woche später habe er nach einem Streit mit anderen Personen einem Mann mit einem Tritt ins Gesicht das Jochbein gebrochen. Eine Amnesie sowie eine Gehirnerschütterung waren Folgen dieses Übergriffs. In den frühen Morgenstunden des 27. Februar hat er laut Anklage einem Mann ins Gesicht geschlagen. Schließlich habe er sich am 2. März der Wohnung seiner Ehefrau genähert, obwohl ein Annäherungsverbot besteht, und die Frau beleidigt. Damit nicht genug. An diesem Tag soll er auch mit einem Whiskyglas einen Streifenwagen beschädigt haben. Handgreiflich wurde er auch am 12. März in der Innenstadt gegenüber einem jungen Mann, der Prospekte verteilen wollte und dem er mit der Faust ins Gesicht schlug. Der Glaswurf, mit dem er eine Fensterscheibe einer Bar in der Frankfurter Straße zerstört haben soll, sowie weitere Beleidigungen und Drohungen runden die Liste der Straftatbestände im ersten Vierteljahr 2019 ab.

"Sie sind ein hochgefährlicher Mann", rief Hauburger dem Angeklagten zu, der, wie er selbst berichtete, zum Nahkämpfer ausgebildet worden war und die in dieser Ausbildung erworbenen Kenntnisse auch anzuwenden weiß. So begleiteten den Mann am Donnerstag nicht weniger als zehn Polizisten in den Gerichtssaal. Darüberhinaus hatte man ihm einen Hochsicherheitsgefangenengurt angelegt, durch den die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird.

Zum Nahkämpfer ausgebildet

Der Mann nahm ruhig und ausführlich zu den Tatvorwürfen Stellung. Seinen Ausführungen war zu entnehmen, dass er unter der Trennung von seiner Frau leidet und bei der einen oder anderen Tat mehr oder weniger stark alkoholisiert war. Darüberhinaus habe er sich nicht wahllos Opfer ausgesucht, denn den von ihm verursachten Körperverletzungen ging immer ein Streit voraus, den der Tschetschene nicht eskalieren lassen wollte, aber dem er auch nicht aus dem Weg ging. Die eine oder andere Tat stritt er ab.

In seinen Aussagen hatte er mehrfach den Wunsch geäußert, an einer suchttherapeutischen Behandlung teilzunehmen. Danach kam auch die mögliche Anwendung des § 64 des Strafgesetzbuches zur Sprache, wonach für Personen mit dem Hang, alkoholische Getränke oder andere berauschende Mittel im Übermaß zu sich zu nehmen und dabei rechtswidrigen Taten zu begehen, eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt geprüft werden kann. So beschloss das Gericht, einen psychiatrischen Gutachter mit einzubeziehen. Aus diesem Grunde wurde das Verfahren am Donnerstag ausgesetzt. Der Fortsetzungstermin wurde von dem Vorsitzenden auf den 12. September festgelegt.

Quelle: Gießener Allgemeine

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