Wirtschaftskrise schlägt auf Arbeitsmarkt durch

Gießen (pm/AZ). Innerhalb weniger Wochen hat sich die Arbeitsmarktlage in Mittelhessen drastisch verändert. Nachdem die Arbeitslosigkeit noch im Dezember völlig untypisch auf den niedrigsten Stand des ganzen Jahres gefallen war, stieg sie nun im Januar kräftig an.

Gießen (pm/AZ). Innerhalb weniger Wochen hat sich die Arbeitsmarktlage in Mittelhessen drastisch verändert. Nachdem die Arbeitslosigkeit noch im Dezember völlig untypisch auf den niedrigsten Stand des ganzen Jahres gefallen war, stieg sie nun im Januar kräftig an. Zahlreiche Angestellte meldeten sich arbeitslos. Auch etliche Betriebe des Außengewerbes stellten wegen der anhaltenden Kälte Personal frei. Die gewerbliche Wirtschaft entließ ebenfalls Mitarbeiter. Insgesamt nahm die Zahl der Arbeitslosen im Bezirk der Agentur für Arbeit Gießen um knapp 2000 oder fast neun Prozent auf 23 800 zu. Dies waren aber immer noch deutlich weniger Arbeitslose als zu Beginn des Jahres 2008 und der niedrigste Januarstand seit acht Jahren. Die Arbeitslosenquote stieg weiter auf 7,5 Prozent. Vor drei Jahren hatte sie zu dieser Zeit allerdings noch elf Prozent betragen.

"Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar ist zwar stärker als in den letzten beiden Jahren, erreicht aber bei weitem nicht die noch höheren Spitzen-Zugangswerte aus früheren Januarmonaten", kommentierte Agenturleiter Hans Bernhard Baumstieger die Arbeitsmarktentwicklung. Auffällig sei schon eher die gestiegene Nachfrage nach Kurzarbeit. Baumstieger sieht dies aber auch als Zeichen dafür, dass die Betriebe versuchen, ihr Stammpersonal zu behalten. Entsprechend gedämpft sei derzeit die Kräftenachfrage.

Bedingt durch die Weihnachtszeit und der damit vielfach verbundenen Betriebsferien weitete sich die Kurzarbeit im Dezember zunächst noch nicht aus. Nach den neuesten Zahlen nutzten im Dezember 40 Betriebe für rund 400 Arbeitnehmer dieses Instrument zur Überbrückung von Auftragsengpässen. Für die nächsten Monate liegen allerdings bereits Anfragen für gut 2000 Kurzarbeiter vor. Zusätzlich 700 Arbeitnehmer aus 70 Baubetrieben bezogen im Dezember das Saison-Kurzarbeitergeld zur Überbrückung von witterungsbedingten Ausfällen.

Betriebe und Verwaltungen erteilten den Vermittlungsstellen der Agentur für Arbeit sowie den Arbeitsgemeinschaften des Kreises Gießen und der Wetterau im Berichtsmonat nur noch etwas mehr als 800 neue Vermittlungsaufträge. Dies waren deutlich weniger neue Stellenangebote als meist sonst im Januar. Zurück gingen die Order insbesondere aus dem Handel, dem Gesundheitsbereich und den sonstigen Dienstleistungen. Entsprechend verringerte sich auch der aktuelle Stellenbestand. Dabei waren Mitte Januar aber immer noch 3000 Stellen als offen gemeldet, knapp sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wie immer im Januar stieg die Arbeitslosigkeit stärker bei den Männern um fast 1500 oder zwölf Prozent auf 12 900 an. Der vergleichbare Vorjahresstand wurde aber noch um gut 200 unterschritten. Bei den Frauen nahm die Zahl der Arbeitslosen um 500 oder fünf Prozent auf knapp 11000 zu. Dies waren jetzt noch gut 1000 arbeitslose Frauen weniger als vor einem Jahr. Der winterliche Anstieg der Arbeitslosigkeit zeigt sich deutlich in der berufsfachlichen Betrachtung. So rechnet die Hälfte aller neuen Arbeitslosen zum Baubereich oder dem baunahen Metallhandwerk. Mit dem Jahreswechsel wurden auch viele Personen aus den Dienstleistungsberufen arbeitslos. Besonders betroffen davon waren Kaufleute, Verwaltungs- und Bürokräfte sowie Kraftfahrer und Lagerverwalter.

In allen Regionen stieg die Arbeitslosigkeit bis Mitte Januar weiter an, im Kreis Gießen erhöhte sich die Arbeitslosenzahl um 800 oder sieben Prozent auf 11 800. Die Arbeitslosenquote nahm auf 8,9 Prozent zu.

Wegen der saisonalen Belastung nahm die Arbeitslosigkeit überdurchschnittlich bei den Personen zu, die in der Betreuung der Agentur für Arbeit Gießen stehen. Ihre Zahl stieg in den ersten Wochen des Jahres um gut 1300 oder fast 20 Prozent auf über 8300 an. Erstmals seit längerem gab es dadurch auch wieder mehr Kurzzeit-Arbeitslose als ein Jahr zuvor. Deutlich geringer stieg im Januar die Zahl der Langzeitarbeitslosen um knapp vier Prozent auf 15 500 an. Dabei wurden jetzt von der Gesellschaft für Integration und Arbeit Gießen (GIAG) insgesamt fast 8300 Arbeitslose betreut (plus 340).

Quelle: Gießener Allgemeine

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