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In der Kita Villa Wunderland werden Kinder von Angestellten der Uniklinik betreut. FOTO: SCHEPP

Kinderbetreuung

Wenn die Kitas in Gießen wieder voller werden

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Die Landesregierung will ab dem 2. Juni die Kitas wieder öffnen. Wie das aussehen könnten, kann man jetzt schon in der Villa Wunderland in Gießen beobachten.

Wenn ab dem 2. Juni in Hessen die Kitas wieder langsam öffnen, wird Sandra Reichel wohl nicht ins Schwitzen geraten. Sie ist Leiterin der Villa Wunderland. Dabei handelt es sich um eine von einem Förderverein getragene Betriebskita des Uniklinikums Gießen/Marburg. Bedingung für einen Platz in der Villa Kunterbunt ist es, dass ein Elternteil am UKGM arbeitet. Dementsprechend gibt es dort seit Beginn der Corona-Pandemie und der einhergehenden Einschränkungen viele Eltern, die systemrelevant sind. Und deren Kinder in der Einrichtung an der Gaffkystraße betreut werden müssen.

In Gießen gibt es 60 Kitas mit einer Spannweite von acht bis 130 Kindern. Zu Beginn der Corona-Pandemie, sagt die zuständige Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, habe der Anteil der Notbetreuung bei 10 Prozent gelegen - mittlerweile seien es 50 Prozent. Wenn ab dem 2. Juni die Einrichtungen wieder einen eingeschränkten Regelbetrieb aufnehmen, werden wohl etwa 80 Prozent der Kinder in den Kitas betreut.

Reichel kann sich ganz genau an Freitag, den 13. März, erinnern - dem Tag, an dem die Stimmung im ganzen Land spürbar kippte und das Virus von viel mehr Menschen endlich ernstgenommen wurde. In der ersten Verordnung des Landes hieß es noch, dass Eltern nur dann Anspruch auf die Notbetreuung ihrer Kinder haben, wenn beide in sogenannten systemrelevanten Berufen tätig sind. "Das waren bei uns 25 von 90 Kindern", sagt sie. Zwei Wochen später hieß es, dass nur noch ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeiten sein muss. "Mittlerweile sind um die 50 Kinder da", sagt Reichel.

Um die Kontakte zu reduzieren, dürfen Eltern ihre Kinder nicht mehr in die Einrichtung begleiten. Es gibt Hygienepläne und kleinere Gruppen. Denn die Landesregierung hatte zwischen fünf und sieben Kindern pro Gruppe empfohlen. Bei fünf Räumen und vielen zu betreuender Kinder für das Wunderland-Team eine schwere Aufgabe. Deshalb wurden in enger Abstimmung mit der Stadt u vier Gruppen ausgelagert - in die Betreuungseinrichtung des Studentenwerks und der Caritas sowie in die Kita St. Hildegard von Bingen. Betreut werden sie dort von Wunderland- Erzieherinnen. Doch damit ist Schluss, wenn bald alle Kitas wieder mehr Kinder betreuen.

Appell an Eltern

Gefragt war vor allem das Fingerspitzengefühl der Fachkräfte. "Welchem Kind kann man die Betreuung in anderen Räumlichkeiten zutrauen? Wie kann man Eltern Ängste nehmen", nennt Reichel zwei der vielen Fragen, die geklärt werden mussten. "Es ist unheimlich wichtig, die Kinder aufzufangen", sagt die Kitaleiterin, "denn die waren vom ersten Tag an irritiert." Der Vorsitzende des Fördervereins der Kita, Norbert Weigelt, betont: "Es ist irre, was die Erzieherinnen leisten. Diese Anerkennung kommt viel zu kurz, vor allem vor dem Hintergrund, welchen Risiken auch sie ausgesetzt sind."

Nur wie kann eine Betreuung aussehen, wenn ab dem 2. Juni die Kitas wieder fast alle Kinder aufnehmen? Die Betonung beim geplanten Regelbesuch liegt auf dem Wörtchen "eingeschränkt". Weigel-Greilich sagt, dass es zum Beispiel nicht möglich sein werde, dass das gebuchte Kontingent vollumfänglich genutzt werden könne. Eltern sollten am besten mit den Kitaleitungen klären, welche Bedarfe es gibt.

Auch die Einrichtungen müssen anders planen: Arbeitet eine Kita mit einem offenen Konzept, müsste sie dieses aussetzen und stattdessen auf feste Gruppen setzen. Fahrten mit dem Bus oder auf den Markt sollen ebenfalls unterlassen werden. Aber auch an die Eltern appelliert die Stadträtin, ihrerseits die Kontakte weiterhin gering zu halten oder zu reduzieren.

Der Lockdown, sagt Weigel-Greilich, sei nötig gewesen, um die Menge der Ansteckungen zu minimieren und so das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Deshalb auch die kleinen Gruppengrößen in den Kitas, um Kontakte zu minimieren. "Mittlerweile nehmen wir mehr Risiko in Kauf", sagt die Stadträtin. Und das wird auch bedeuten, dass die Gruppen in den Kitas ebenfalls wieder größer werden. Warum eigentlich? "Weil es wichtig ist für die Berufstätigkeit der Menschen und die Entwicklung der Kinder."

Quelle: Gießener Allgemeine

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