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Etliche Schuhe hängen an Baum im Gießener Skatepark: Was steckt dahinter?

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Von: Sophie Röder

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An dem Baum in der Ringallee hängen einige Schuhe.
An dem Baum in der Ringallee hängen einige Schuhe. © Sophie Mahr

An einem Baum im Skatepark in Gießen hängen auffällig viele Schuhe. Wer hat sie dort hingehängt und wieso? Wir haben uns in der Skater-Szene umgehört.

Gießen – Vans, Chucks sowie viele andere Sport- und Skaterschuhe baumeln am Schuhbaum beim Skatepark in der Ringallee: Damit ist kein Ständer für Schuhe gemeint. Es handelt sich um einen Baum, an dem alte Schuhe hängen. Seit den 90er Jahren sind solche Bäume bundesweit, ja weltweit entstanden. So wird ein Schuhbaum im hessischen Niedernhausen sogar als offizielle Sehenswürdigkeit geführt. Woher dieser Brauch stammt, ist nicht eindeutig geklärt. Auffällig ist, dass sich viele dieser Bäume in der Nähe von Skateparks befinden.

Schuhbaum in Gießen: Skater brauchen oft neue Schuhe

»Dieses Phänomen gibt es schon, seit es Skateparks gibt«, sagt David Perez, 2. Vorsitzender des Skateboardvereins Gießen. »Doch es hat, glaube ich, keine größere Bedeutung. Es hängt eher damit zusammen, dass beim Skateboardfahren die Schuhe stärker abgenutzt werden.« Wenn man häufig Tricks mache, verschleißen die Schuhe durch die raue Oberfläche des Boards schnell, erklärt Perez. So brauche manch ein Skater bereits nach zwei Monaten neue Schuhe.

Dem stimmt auch Skater Julian Sauer zu: »Beim Skateboardfahren haben die Schuhe eine kurze Lebensdauer. Einige binden die kaputten Schuhe an den Schnürsenkeln zusammen und schleudern sie dann auf den Baum. In den USA hängen sie auch oft über Stromleitungen. In Gießen ist das ein wellenartiges Phänomen. Manchmal hängt ein Baum voll und dann wieder nicht.«

Theorie über Schuhbaum in Gießen: »Einer fängt an, alle anderen machen mit«

Dass mal mehr und mal weniger Schuhe dort hängen, habe auch mit der Witterung zutun, erklärt Perez. »Mit der Zeit lösen sich die Schnürsenkel auf, und dann ploppen die Schuhe wieder herunter. Irgendwann hängt dann der erste wieder welche hin, und das machen andere nach.« Auf diese Weise fülle sich der Baum nach und nach.

»Meine Theorie ist, einer fängt damit an, und alle anderen machen mit«, sagt Jonas Kaletsch, Vorsitzender des Vereins. Wer mit dem derzeitigen Schuhbaum begonnen habe, wisse er nicht. In der Vergangenheit sei auch ein Baum nahe der Skatelounge voller Schuhe gewesen. »Das passiert oft, aber eigentlich ist es Umweltverschmutzung«, findet Kaletsch. »Das gibt es oft dort, wo viele Skater zusammen kommen«, ergänzt Sauer. Er selbst habe bisher nicht das Bedürfnis gehabt, seine alten, abgefahrenen Schuhe an einen Baum zu hängen.

Schuhe am Baum in Gießen: Ein Zeichen für den Zusammenhalt

Im Internet gibt es Theorien über die Beweggründe: So werfe man mit den Schuhen auch seine Sorgen weg, oder man schreibe Wünsche auf die Schuhe und hoffe, dass diese so in Erfüllung gehen.

»Es kann sein, dass von mir noch Schuhe von vor drei Jahren dort hängen«, sagt Skater Yaron, während er seine Schuhe - die schon mitgenommen aussehen - zum Skaten anzieht. »Es gibt bestimmt Leute, die sich dahinter eine tiefere Bedeutung denken, aber ich dachte mir damals einfach, ›Jo, warum nicht‹. «

In der Nähe des Baumes sitzt Lina. Sie habe keine Schuhe an den Baum gehängt, doch von Skatern im Park mehr über den Baum erfahren: »Viele haben mir gesagt, dass der Baum mit den Schuhen ein Zeichen dafür ist, dass der Park zusammenhält.« Zwischendurch seien auch immer mal wieder Schuhe abgehängt worden, »doch es werden immer wieder welche dran gehängt.« (Sophie Mahr)

Für Aufsehen sorgte im Kreis Gießen kürzlich eine Menge Sondermüll im Wald. Für Hinweise auf die Täter setzte der Revierförster sogar eine Belohnung aus.

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