Urlaub

Voller Reue zurück ins Reisebüro

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Beim Buchen der Urlaubsreise ist das Internet nicht unbeding attraktiver. Das betonen Auszubildende mit ihrer Aktijon pro Beratung

Der Kunde lässt sich vom Experten in Ruhe beraten, verlässt den Laden, ohne etwas zu kaufen, und bestellt die Ware im Internet: Diese leidvolle Erfahrung machen viele Angestellte von Fachgeschäften. Auch in Reisebüros kommt so etwas vor. Derzeit gebe es aber auch den gegenläufigen Trend, sagen heimische Fachleute einhellig bei einer kleinen Umfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Viele seien mit einer Internet-Buchung "auf die Nase gefallen" und kehrten nun reuevoll zurück ins Reisebüro – zumal die Preise oft dieselben seien wie im Netz.

Übersichtlich, seriös, weniger stressig und meist nicht teurer sei es für die Kunden, den Urlaub über Ansprechpartner vor Ort zu buchen: Das meinen fünf angehende Tourismuskauffrauen. Für ein Marketingprojekt im Rahmen ihres Berufsschulunterrichts an der Max-Weber-Schule haben sie einen Fotowettbewerb "Augenblick deines Lebens" erdacht, mit dem sie gerade jüngere Menschen auf diese Vorteile aufmerksam machen wollen. Sie sind alle um die 20 und erzählen im GAZ-Gespräch, dass Gleichaltrige mitunter gar nicht darüber nachdenken, dass es Alternativen zum Internet gibt. Die einen wollen unabhängig von Ladenöffnungszeiten spätabends planen, die anderen scheuen ein direktes Beratungsgespräch, wissen Norina Micheel, Cindy Höllige, Alicia Nispel, Anna-Lena Eichler und Anna-Lina Schraml.

"Manche kommen aber jetzt zu uns zurück" nach schlechten Erfahrungen.

Das bestätigen Mitarbeiter von Gießener Reisebüros. "Zum Beispiel war die Kreditkarten-Abrechnung nicht in Ordnung, oder es gab Probleme mit den Flügen", berichtet Angela Längsdörfer von Holidayland. "Gerade bei Pauschalreisen können wir dieselben Preise anbieten." Möglich machen es die Provisionen der Veranstalter für die Reisebüros. Längsdörfer: "Und es gibt vielleicht noch einen Kaffee dazu. Hier zu buchen, hat für den Kunden nur Vorteile."

"Wir sind absolut konkurrenzfähig", stimmt Rudolf Kreiling von Air Tramp zu. Einen simplen "Punkt-zu-Punkt"-Flug buchten viele im Netz, doch bei ganzen Reisen sollten Kunden genau hinsehen. So seien in letzter Zeit einige Portale in Konkurs gegangen, so dass die von ihnen ausgestellten Gutscheine in der Regel nichts mehr wert seien. "Immer mehr Leute kommen jetzt wieder zu uns."

"Jeder zweite Kunde sagt: Ich habe im Internet schonmal geguckt", berichtet Oliver Parth von Alltours. Wenn irgendetwas schief läuft oder geändert werden soll, sei ein Verantwortlicher vor Ort wichtig. Wer im Internet gebucht hat, lande meist bei einer Hotline: "Da hängt man ewig in der Warteschleife, und wenn man durchkommt, ist der Mensch dort nicht unbedingt interessiert an meinem Problem." Dennoch buchten heute auch Senioren selbst am Computer. "Den Stammkunden gibt es nicht mehr." Doch glücklicherweise seien die Deutschen so reiselustig, dass parallel dazu auch die Profi-Bucher gefragt blieben:

Rund 30 Reisebüros führt das Branchenbuch für die Stadt Gießen auf, von einer aussterbenden Branche kann also nicht die Rede sein. Recht optimistisch blicken denn auch die fünf Azubis in ihre Zukunft. Ihren Beruf haben sie allesamt gewählt, weil sie selbst gern reisen und dazu beraten. "Ein Land wirklich kennenzulernen, fördert die Weltoffenheit", ist Norina Micheel überzeugt.

An ihrem Fotowettbewerb arbeiten die jungen Frauen seit Oktober. In den nächsten Wochen wollen sie verstärkt dafür werben, Urlaubsfotos mit anderen zu teilen. Für die schönsten Bilder gibt es Preise. Mitmachen kann man jetzt schon. Zu finden sind die Informationen auf Facebook unter dem Stichwort "Augenblick deines Lebens"

Quelle: Gießener Allgemeine

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