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Viele kaufen Geschenke erst in diesen Tagen

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Gießen (kw). »Ich fange heute schon mit dem Geschenkekaufen an, damit es nicht so hektisch wird«, hörte Sigrid Fuhr am vergangenen Samstag einen Kunden zum anderen sagen. Auch andere Gießener Einzelhändler bestätigten bei einer kleinen AZ-Umfrage: Das Weihnachtsgeschäft verschiebt sich zunehmend nach hinten.

Gießen (kw). »Ich fange heute schon mit dem Geschenkekaufen an, damit es nicht so hektisch wird«, hörte Sigrid Fuhr am vergangenen Samstag einen Kunden zum anderen sagen. »Und das einen Tag vor dem vierten Advent! Aber das ist kein Einzelfall«, erzählt die Inhaberin des gleichnamigen Spielwarengeschäfts. Auch andere Gießener Einzelhändler bestätigten bei einer kleinen AZ-Umfrage: Das Weihnachtsgeschäft verschiebe sich zunehmend nach hinten - und dies gelte wegen der Feiertags-Konstellation in diesem Jahr besonders. Seit Montag sei es besonders voll in den Geschäften, auch heute Vormittag wird noch ein Ansturm erwartet. Insgesamt äußerten sich - wie die bundesweit tätigen Verbände - auch die Geschäftsleute vor Ort zufrieden mit den Umsätzen. Die Finanzkrise habe so gut wie keine Rolle gespielt.

Eine gewisse Rückbesinnung auf traditionelle Werte sei allerdings durchaus spürbar, meint Robert Balser, Vorsitzender des Arbeitskreises Handel. Und das meint der Juwelier auch im materiellen Sinne: »Viele investieren jetzt lieber in Sachwerte, als ihr Geld bei der Bank anzulegen.

« In seinem Geschäft sei hochwertiger Schmuck aus Gold besonders gefragt gewesen - auch das in den letzten Jahren weniger begehrte Gelbgold. Bei Uhren würden bekannte Marken bevorzugt, »die Werterhalt versprechen«.

Einen Trend zurück zu klassichen Brettspielen hat Karstadt-Geschäftsführer Lothar Schmidt ausgemacht. »Wir hatten nach den Befürchtungen vom Herbst mit einem schlechteren Geschäft gerechnet - aber zu Weihnachten gönnen sich die Leute dann doch etwas.« Flachbild-Fernseher, Kaffee-Vollautomaten oder Düfte seien besonders beliebte Geschenke. Wer in letzter Minute auf die Suche geht, entscheide sich oft für einen Gutschein. Deshalb erwartet Schmidt auch in der nächsten Woche ein volles Warenhaus. Dann kauften sich die Leute das selbst, was sie unter dem Baum zu finden gehofft hatten.

Was im Kino zu sehen ist, wirkt sich oft auch auf den Buchhandel aus, erläutert Thalia-Filialleiterin Stefanie Willaredt: Cornelia Funkes »Tintenherz« sei einer der meistverkauften Titel, obwohl das Jugendbuch schon vor fünf Jahren erschienen ist. Auch der Kinostart der »Buddenbrooks« mache sich bereits bemerkbar: Vor allem die aktuelle Sonderausgabe von Thomas Manns Klassiker sei begehrt.

Der »absolute Renner« der Saison ist dagegen eher aus dem Fernsehen bekannt, nämlich der Komiker Eckhard von Hirschhausen mit seinem Taschenbuch »Die Leber wächst mit ihren Aufgaben«. Bei den fest gebundenen Titeln ragten Carlos Ruiz Zafón mit »Das Spiel des Engels« und Uwe Tellkamp mit »Der Turm« - der den Deutschen Buchpreis bekommen hat - heraus.

»Wir sind alle überrascht, dass man nichts von einer Krise merkt«, meint Klemens Marschall, Centermanager der Galerie Neustädter Tor. »Sehr gut« laufe das Geschäft gerade in dieser und wohl auch in der nächsten Woche. Die Mieter unterschiedlichster Branchen seien zufrieden.

Was schenke ich bloß der Tochter, dem Neffen, den Kindern der Nachbarn? Die Antwort finden viele in »Lizenzprodukten«, berichtet Sigrid Fuhr: Der eine mag »Felix«, die andere »High School Musical«. Mit diesen Figuren bedruckt, bekommen Rollkoffer, T-Shirt oder Zahnputzbecher für die Anhänger einen ganz besonderen Reiz.

Aber auch elektronisches Spielzeug wird heute Abend häufig ausgepackt, sagt Pamela Schlehuber, Geschäftsführerin der Galeria Kaufhof. Die »Wii«-Konsole gehöre neben Plüschtieren, Schmuck oder Parfüm zu den besonders gefragten Waren.

Während viele Kunden ihre freien Tage nun zum ausführlichen Einkauf nutzten, müssten die im Handel tätigen Angestellten ihre Geschenke meist vor oder nach der Arbeit besorgen. Urlaub bekomme kaum einer im Advents-Endspurt, erklärt Pamela Schlehuber, schließlich gelte es den größten Ansturm des Jahres zu bewältigen. »Alle Mann sind an Bord.« Die Mitarbeiter erlebten ungewöhnliche Hektik, aber auch strahlende Kindergesichter in der Spielwarenabteilung oder die Freude von Kunden beim Aussuchen schöner Dinge. »Dies ist schon ein besonderes Verkaufen.«

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