Victor Otto Stomps und die Eremiten-Presse

Die Universitätsbibliothek widmet dem Verleger Victor Otto Stomps nun bereits zum zweiten Mal eine Ausstellung: "Was wollen Sie in Paris? - Victor Otto Stomps und die Eremiten-Presse in Stierstadt." Vom Freitag, 31. Januar, bis 30. März ist die Schau täglich von 8 bis 23 Uhr im Ausstellungsraum der UB zu sehen.

"Ich will drucken, was die großen Verlage nicht riskieren können oder wollen. Ich suche keine Bestseller, sondern junge Talente", das Abseitige, das Experiment und auch das inhaltlich Gewagte". Verleger Victor Otto Stomps hat eigensinnig und mit dem festen Willen, "sich uneigennützig in den Dienst von Dichtung und Kunst" zu stellen, gearbeitet. Die Universitätsbibliothek widmet dem legendären Verleger nun bereits zum zweiten Mal eine Ausstellung. Nachdem 2008 seine Berliner Rabenpresse im Fokus stand, präsentiert die aktuelle Ausstellung unter dem leicht kryptischen Titel "Was wollen Sie in Paris? - Victor Otto Stomps und die Eremiten-Presse in Stierstadt." Vom Freitag, 31. Januar, bis 30. März ist die Schau täglich von 8 bis 23 Uhr im Ausstellungsraum der UB zu sehen. Eröffnet wird sie am Donnerstag, 30. Januar, um 18 Uhr. Unter den Gästen wird dann auch Hans Goswin Stomps sein, der in Gießen lebende Sohn des Verlegers.

In einem Pressegespräch stellten Prof. Marcel Baumgartner (Kunstgeschichte), Prof. Joachim Jacob (Neuere deutsche Literaturgeschichte und Allgemeine Literaturwissenschaft), Dr. Peter Reuter (Leitender Bibliotheksdirektor) sowie Virginia Iorillo als Vertreterin der Studenten Konzept und Inhalt der Ausstellung vor. Die teilweise sehr seltenen Exponate sind überwiegend Leihgaben aus dem Besitz der Familie Stomps.

Victor Otto Stomps, 1897 in Krefeld geboren, gründete nach Abbruch seines Studiums (unter anderem in Gießen) und kurzer Tätigkeit für die Ufa 1926 den Verlag "Die Rabenpresse", den er allerdings 1937 auf Druck der Nationalsozialisten und aus finanziellen Gründen verkaufen musste. Stomps war Zentrum eines literarischen Kreises, dem neben Walther G. Oschilewski, Gertrud Kolmar und Jens Heimreich, Robert Seitz, Werner Helwig und Eberhard Meckel angehörten. Der "letzte Bohemien der Buchbranche" druckte, was er für richtig hielt, und scherte sich nicht um die politischen Verhältnissen. So konnten jüdische und linke Autoren, darunter auch Bert Brecht, bis 1934 ihre Werke über "Die Rabenpresse" veröffentlichen, weshalb der Verlag auf die Liste der "Unerwünschten" gesetzt wurde.

Stomps lebte für einige Zeit in Bad Nauheim, ging dann nach Frankfurt, wo er 1949 den bibliophil orientierten Buchverlag "Eremiten-Presse" gründete, gemeinsam mit Helmut Knaupp und Ferdinand Müller. 1954 zog er mit dem Kleinverlag nach Stierstadt im Taunus und lebte und arbeitete dort in einer Fachwerkscheune, in Anspielung auf die klammen finanziellen Verhältnisse und chaotischen Wohnverhältnisse kurz "Schloss Sanssouris" (auf Deutsch: Schloss ohne Mäuse) genannt. 1966 wurden Dieter Hülsmanns und Friedolin Reske Teilhaber. 1967 verließ Stomps die "Emeriten-Presse" und gründete in Berlin die "Neue Rabenpresse".

Alle drei Stomps-Verlage dienten vor allem jungen, unbekannten Autoren als Sprungbrett. Hatte Stomps sie bekannt gemacht, ließ er sie zu den großen Verlagen ziehen. "Was wollen Sie in Paris?", zitiert er sich so beispielsweise in einem Vorwort in Anspielung auf die Sehnsucht mancher Künstler in den 1950er Jahren nach der Stadt der Künste. Viele der von Stomps entdeckten und geförderten Autoren erlangten große literarische Bedeutung, darunter Gabriele Wohmann, Guntram Vesper, Hans Neuenfels oder Ernst Jandl.

"Ich habe meinen Spaß am Machen – von Büchern und neuen Autoren", wird Stomps zitiert, der selbst auch literarisch tätig war und 1965 dafür den Fontane-Preis erhielt. 1967 bekam er die Ehrenplakette seiner Geburtsstadt Krefeld. Die Stadt Mainz vergibt alle zwei Jahre den Stomps-Preis an kleine Buchverlage.

Die Ausstellung wurde in einem gemeinsamen Seminar des Instituts für Germanistik und des Instituts für Kunstgeschichte interdisziplinär erarbeitet und konzipiert. Die Zusammenarbeit von Germanisten und Kunsthistorikern bietet sich dabei an, denn von den zwischen 1949 und 1967 herausgegebenen rund 240 Büchern der Eremiten-Presse sind allein rund 30 reine Künstlerbücher. Das Medium des Bildes war von Anfang an fester Bestandteil des Kleinverlages. Schon zu Beginn der 1950er Jahre hatte Stomps, aus der Not heraus, und um teure Klischeekosten für Abbildungen zu sparen, den Texturdruck, das "in die Maschine malen", erfunden. Nudeln, Spitze etc. wurden auf die Druckplatten gelegt und sorgten so für ganz besondere Drucke.

Eine Auswahl ist im Ausstellungsraum der Uni-Bibliothek in Vitrinen zu sehen, dazu in Endlosschleife ein Film des WDR über Stomps, eine Hörprobe einer seiner Lesungen und neun Schautafeln mit übersichtlich zusammengetragenen Informationen über Stomps und seine Eremiten-Presse. gl

Quelle: Gießener Allgemeine

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