Verhandlung üben auf Original-Gerichtsmöbeln

Gießen (son). Jura-Studierende können jetzt an der Justus-Liebig-Universität unter fast realen Bedingungen im Gerichtssaal Prozesse simulieren und ihre Plädoyers vortragen. Denn seit Kurzem verfügt der Fachbereich über einen zum Gerichtssaal umgebauten Hörsaal mit ehemaligem Mobiliar aus dem Gießener Amtsgericht.

Gießen (son). Jura-Studierende können jetzt an der Justus-Liebig-Universität unter fast realen Bedingungen im Gerichtssaal Prozesse simulieren und ihre Plädoyers vortragen. Denn seit Kurzem verfügt der Fachbereich über einen zum Gerichtssaal umgebauten Hörsaal mit ehemaligem Mobiliar aus dem Gießener Amtsgericht. Der Fachbereich Rechtswissenschaft der JLU setze damit einen weiteren Akzent in der praxisnahen Juristenausbildung, sagte Dekan Prof. Christoph Benicke am Mittwoch bei der feierlichen Übergabe des Raumes. JLU-Kanzler Dr. Michael Breitbach, der selbst Jura in Gießen studiert hatte, lobte den Raum als wunderbare Idee und besonderes Element am Fachbereich Rechtswissenschaften.

"Hier können die Kernkompetenzen von Juristen wie Argumentations- und Kommunikationsfähigkeit gefördert und angeregt werden", sagte Breitbach. Der ehemalige Präsident des Amtsgerichts, Jochen Werner, erinnerte sich in launigen Worten an Verhandlungen, die er in 40 Jahren an dem alten Richtertisch erlebt hatte.

Die Idee für ein solchen Raum hatte der damalige Studiendekan Prof. Thilo Marauhn. "Ich habe dieses praxisnahe Unterrichtskonzept schon vor einigen Jahren im Ausland kennengelernt und fand das gut", sagte er. Als im Jubiläumsjahr der Universität das Amtsgericht Mobiliar eines Sitzungssaals an den Fachbereich verschenkte, war der erste Schritt getan. Allerdings dauerte es noch zwei Jahre, bis wirklich mit den Umbauarbeiten begonnen werden konnte. Denn viel Arbeit steckt in der Herrichtung des Saales - und auch viel Geld. Rund 110 000 Euro hat die Renovierung und Umgestaltung des Raumes gekostet. "Wir mussten bei den Renovierungsarbeiten vielen neuen baurechtlichen Belangen wie beispielsweise den Brandschutzbestimmungen und der Be- und Endlüftung Rechnung tragen", erzählte André Enders, leitender Bautechniker am zuständigen Dezernat der JLU. Gelungen sei die Finanzierung dank zahlreicher Sponsoren, die mit Sach- und Geldspenden rund 13 000 Euro beigetragen hatten. Auch Mittel zur Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre (rund 7000 Euro) sowie Studienbeiträgen (10 000 Euro) flossen in den neuen Raum. Die Restaurationsarbeiten der Schnitzarbeiten an den Fronten der aus Eiche gebauten Gerichtsmöbel übernahm Schreinermeister Dieter Nau aus Grünberg-Weitershain.

Der Gerichtssaal wurde bereits vor der Einweihungsfeier von Studierenden genutzt: So hielten vergangene Woche Studierende der Organisation "ELSA" (European Law Students’ Association) dort eine Übungsverhandlung ab, einen sogenannten "Moot Court". An die Feier am Mittwochvormittag schloss sich eine Berufungsverhandlung und ein erstinstanzliches Verfahren vor dem Landgericht an.

Quelle: Gießener Allgemeine

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