Unsichere Helden buhlen um listige Frauen

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"Der Ring des Nibelungen – leicht gekürzt" heißt die jüngste Produktion des Jugendclub Tanz. So amüsant sah man die düstere Geschichte des magischen Rings vielleicht noch nie.

Es ist erstaunlich: Der Jugendclub Tanz hat sein 13. Stück produziert, dank seiner engagierten Leiterin Terrry Pedersen-Pfeiffer. Die ehemalige Tänzerin mit den drei "r" im Vornamen schafft es, die Jugendlichen zu motivieren und pro Spielzeit ein abendfüllendes Tanzstück zu erarbeiten. Und sie hält an der lieb gewonnenen Übung fest, mehr Popmusik als klassische Ballettmusik zu nutzen. Was besonders in diesem Fall beruhigt. Sie hat sich nämlich die Nibelungen-Sage vorgenommen, ein bisschen Wagner ist also auch dabei, doch lässt schon der Titel: "Der Ring des Nibelungen – leicht gekürzt" einen eher lockeren Umgang damit vermuten. Es dauert 75 Minuten und ist keine Minute langweilig, im Gegenteil: So amüsant sah man die düstere Geschichte des magischen Rings vielleicht noch nie. Das Premierenpublikum im taT war begeistert.

Die zierlichen Nixen holen den Ring aus dem Wasser nach oben, dieser wird ihnen gestohlen und wechselt mehrfach den Besitzer. Die magische Macht des Rings tut keinem gut, alle werden gierig und töten sogar dafür. Ruhe tritt erst ein, wenn der Ring wieder in den Rhein zurückfällt. Dazwischen schuften Zwerge untertage, stapfen komische Riesen durch die Welt, suchen verzweifelte Helden ihre Angebetete oder verführen listige Frauen ihren Auserwählten.

Alles wird mit einem Augenzwinkern dargeboten, bei dem die Helden eher unsicher daherkommen.

Geschickt wechseln Soli, Kleingruppen und das Gesamtensemble, das aus immerhin 19 Beteiligten besteht, 14 weibliche und fünf männliche. Die selbst geschneiderten Kostüme sind fantasievoll schlicht und schnell wandelbar, als goldener Gürtel muss da schon mal ein Geschenkband herhalten. Die langjährigen Mitglieder haben deutlich zugelegt an tänzerischer Präzision und Ausdruckskraft, vor allem aber wurden noch unsichere Neu-Mitglieder wunderbar integriert. Eine pädagogische Meisterleistung. Es gibt die neoklassischen Arrangements und Posen, kleine Rock’n’Roll- und Country-Einlagen, viele darstellerische Details und großartige Gruppenarrangements wie beim goldenen Lindwurm-Drachen, dessen Rückenstacheln hochstehen und dessen Schwanzspitze sich leicht bewegt.

Zum Jugendclub Tanz am Stadttheater Gießen gehören: Emma Bepler, Myriel Bischoff, Theresa Gehring, Emma Herrmann, Rabea Hirschmann, Katharina Huber, Christina Mantzelas, Jelena Müller, Sarah Maria Noske, Johanna Rau, Miriam Schaff, Anne Lotte Schneider, Sandra Thiessen, Lilian Waldmüller, Usama Al-Azri, Simon Brombach, Glenn Buchholtz, Jawed Daulatzai, Hermann Kron. (Foto: Friese)

Quelle: Gießener Allgemeine

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