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Unbefristeter Gartenschau-Job?

Gießen (pd). Jobangebote für die Gießener Landesgartenschau wurden im Internet als "unbefristet" ausgeschrieben, obwohl die Veranstaltung bekanntlich auf die Zeit vom 26. April bis 5. Oktober begrenzt ist. Manche vermuten: Der private Arbeitsvermittler will Geld für Vermittlungsgutscheine kassieren.

Gesucht werden Köche und Küchenhilfen, Servicekräfte, Kellner und Kassenpersonal. Insgesamt 54 Stellen möchte der private Arbeitsvermittler aus Chemnitz in Voll- und Teilzeit besetzen. "Die Landesgartenschau in Gießen ist der Event in Ihrer Region", heißt es in der Stellenbeschreibung. Beim Lesen des Inserats sind allerdings einige Beobachter stutzig geworden. Die Jobangebote seien im Internet als "unbefristet" ausgeschrieben, obwohl die Landesgartenschau nur gut fünf Monate dauert.

Die Kritiker vermuten hinter dieser "Nachlässigkeit" des privaten Chemnitzer Vermittlers finanzielle Motive. Menschen, die länger als sechs Wochen lang arbeitslos sind, haben nämlich unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf einen Vermittlungsgutschein. Dieser wird von der Agentur für Arbeit ausgestellt und ist unter Umständen bares Geld wert. Gelingt es dem privaten Vermittler, seinen arbeitslosen Kunden in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu vermitteln, erhält er von der Arbeitsagentur bis zu 2000 Euro. Die erste Rate von 1000 Euro wird nach einer sechswöchigen Dauer der Beschäftigung gezahlt, der Restbetrag, wenn das Arbeitsverhältnis mindestens sechs Monate Bestand hat.

Beobachter der Jobvergabe rund um die Landesgartenschau vermuten, dass der Arbeitsvermittler aus Sachsen die Stellen als unbefristet ausgeschrieben hat, um die volle Summe aus der Nutzung der Vermittlungsgutscheine zu kassieren – bei mehr als 50 Stellen wären dies über 100 000 Euro.

Auch die Agentur für Arbeit in Gießen ist auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung hellhörig geworden. Bei Recherchen sei man auf einen ähnlichen Fall bei der Landesgartenschau 2010 in Bad Nauheim gestoßen. Damals habe eine Zwickauer Firma versucht, den Vermittlungsgutschein unter entsprechenden Voraussetzungen für sich zu nutzen, berichtete Agentursprecher Johannes Paul. Das Unternehmen sei mit diesem Versuch jedoch nicht erfolgreich gewesen, da die "regionale Begrenzung des Gutscheins gegriffen hat", so Paul. Dieses Ausschlusskriterium für die Auszahlung von Vermittlungsgutscheinen trete dann in Kraft, wenn die zumutbare Zeit für den Weg zur Arbeit überschritten wird. Die liege bei einer Stunde und 15 Minuten pro Fahrt, was von Chemnitz aus kaum zu schaffen sei.

Der Agentursprecher mochte nicht ausschließen, dass es auch Konstellationen gibt, bei denen die Regeln für die Auszahlung umgangen werden. "Es gibt immer gewisse Grauzonen", räumte Paul ein. Gleichwohl sei die Bundesagentur bei solchen Auszahlungen "sehr penibel". Und: "Wenn wir merken, dass uns jemand hinters Licht führen will, fordern wir auch Gelder zurück."

Den in Gießen erhobenen Verdacht weist der private Personalvermittler in Chemnitz entschieden zurück. Ein Vertreter des Unternehmens sagte auf GAZ-Anfrage, die Kennzeichnung der Stellen als "unbefristet" sei ein Versehen gewesen. "Da ist bei der Ausschreibung etwas verrutscht." Dem zertifizierten Unternehmen Absicht zu unterstellen, "ist absoluter Quatsch".

Quelle: Gießener Allgemeine

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