ta_Cocktail - A_102644_149

  • Guido Tamme
    VonGuido Tamme
    schließen

Zugegeben: Wie jeder andere Kollege muss der Chronist gelegentlich Berichte über Dinge schreiben, die ihn nicht interessieren oder die ihm nicht gefallen. Aber richtig Spaß gemacht haben ihm seine Beiträge für die kleine Serie »Abseits der Szene«, in der die Stadtredaktion in diesen Tagen einige kleine Gießener Gaststätten porträtiert, die nur einen überschaubaren Einzugsbereich und entsprechend geringen Bekanntheitsgrad haben. Er selbst ist zwar schon lange kein regelmäßiger Kneipengänger mehr, doch musste er für die Recherchen nicht bei null anfangen: In einem Lokal verkehrt er sommers, einen Wirt kennt er seit Jahrzehnten, ein Mini-Gasthaus ist ihm aus Wiesecker Zeiten geläufig und selbst eine Raucher-Kaschemme hatte er früher dienstlich betreten müssen.

Zugegeben: Wie jeder andere Kollege muss der Chronist gelegentlich Berichte über Dinge schreiben, die ihn nicht interessieren oder die ihm nicht gefallen. Aber richtig Spaß gemacht haben ihm seine Beiträge für die kleine Serie »Abseits der Szene«, in der die Stadtredaktion in diesen Tagen einige kleine Gießener Gaststätten porträtiert, die nur einen überschaubaren Einzugsbereich und entsprechend geringen Bekanntheitsgrad haben. Er selbst ist zwar schon lange kein regelmäßiger Kneipengänger mehr, doch musste er für die Recherchen nicht bei null anfangen: In einem Lokal verkehrt er sommers, einen Wirt kennt er seit Jahrzehnten, ein Mini-Gasthaus ist ihm aus Wiesecker Zeiten geläufig und selbst eine Raucher-Kaschemme hatte er früher dienstlich betreten müssen.

Die Redaktion hofft, dass dieser Blick hinter die Kulissen der Gießener Kneipenszene auch der Leserschaft gefällt. Schließlich ist das Lokaljournalismus im besten Sinne.

Auf vermutlich weit größeres Interesse gestoßen sind dagegen in dieser Woche die Berichte über das Feuer in einem bekannten Gießener Restaurant. Das waren dramatische Bilder, die schon kurz nach dem Ausbruch des Brandes in der Online-Ausgabe dieser Zeitung zu sehen waren und in den sogenannten sozialen Netzwerk kursierten. Das Mitgefühl gilt natürlich der Wirtsfamilie, die irgendwann in diesem Jahr ganz von vorn beginnen muss und will. Und natürlich auch den beiden Vereinen, die sich das Gebäude teilen und hilflos miterleben mussten, wie sich Jahrzehnte ehrenamtlicher Instandhaltungs- und Verschönerungsarbeiten in Rauch aufgelöst haben. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass das Bauwerk offenbar so gut versichert war, dass sich der materielle Schaden in Grenzen halten dürfte. Gut zu sehen aber auch, dass der Tanzverein spontan räumliche Hilfsangebote erhielt, damit der Übungsbetrieb in seinen vielen Gruppen halbwegs ordentlich weitergehen kann.

Leider immer noch nicht geklärt werden konnte die Kernfrage: Was hat das Feuer ausgelöst und wieso konnte es sich so rasch über die drei Teile des Gebäudes erstrecken? Manche Beobachter vermuten, es könne etwas mit den kleinen Gasfackeln zu tun haben, die zur Dekoration der Gasträume des Restaurants gehörten. Diese und andere Spekulationen beenden könnten nur die Brandermittler der heimischen Polizei. Aber die müssen sich wegen der Baufälligkeit der Ruine noch gedulden.

Nicht so eindeutig wie nach dem Feuer ist die allgemeine Reaktion auf das zweite Ereignis der Woche. Überwiegend scheint aber Verständnis dafür zu herrschen, dass die Busfahrer der privaten Beförderungsunternehmen besser entlohnt werden wollen. Zumal sie erheblich weniger verdienen als ihre altgedienten und sozusagen verbeamteten Kollegen von kommunalen Betrieben, obwohl sie exakt dieselbe Arbeit leisten. Solche Verwerfungen gehören zu den Schattenseiten der Privatisierung öffentlicher Unternehmen, kommen aber in der Regel der zahlenden Kundschaft zugute. Die Zwei-Klassen-Gesellschaft innerhalb des Gießener Stadtbusbetriebs ist keineswegs ein Einzelfall: Auch in anderen Branchen kommt es vor, dass Arbeitgeber ihren Tarifverband verlassen.

Für die Stammbelegschaft ändert sich dadurch nichts, aber neu eingestellte Beschäftigte bekommen dann weniger Lohn, weniger Urlaub, weniger oder kein Urlaubsgeld, weniger oder kein Weihnachtsgeld.

Die Sympathie für die Streikenden leidet allerdings darunter, dass die Arbeitsniederlegung ausgerechnet die Schwächsten in der Bevölkerung besonders hart trifft. Denn die meisten verhinderten Busfahrgäste können sich behelfen; sie nehmen das Auto, bilden Fahrgemeinschaften, organisieren Elterntaxis, gehen zu Fuß, nehmen das Fahrrad, weichen auf Regionalbusse oder die Bahn aus. Mit einem Wort: Sie kommen mit dem aufgezwungenen Eingriff in ihren gewohnten Lebensalltag zurecht. Insofern sorgt der Streik sogar für ein wenig mehr Hilfsbereitschaft und Kommunikation innerhalb unserer Gesellschaft. Aber was ist mit Einsamen und Senioren, die nicht auf die Hilfe von Nachbarn, Freunden oder Verwandten bauen können? Und die es sich nicht leisten können, für einen dringlichen Weg ein Minicar oder Taxi zu bestellen? Diesen menschlichen Kollateralschaden nimmt die zuständige Gewerkschaft achselzuckend in Kauf.

Noch zwei unterhaltsamere Randbemerkungen zum Dauerthema der Woche. Nr. 1: Der Streikmotto »Gutes Geld für gute Arbeit« klingt gefällig, ist aber uralt: Schon 1992 hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund in einer Tarifauseinandersetzung diesen Slogan verwendet. Nr. 2: Die altgedienten Busfahrer sind ja als Leiharbeiter beim Tochterunternehmen des städtischen Energieversorgers beschäftigt. Dort verdient also das Leihpersonal mehr als die Stammbelegschaft – das dürfte einmalig sein in der deutschen Wirtschaft.

Bemerkenswert ist aber auch – wie der Bericht auf Seite 24 zeigt – ein aktueller Blick in einen kleinen Gießener Wirtschaftszweig. Was dort geschieht, kann nämlich nur schwer in Einklang gebracht werden mit Diskretion und Seriosität, also elementaren Geschäftsgrundlagen in der Bestatterbranche. Wenn ein Gewerbetreibender tatsächlich in den Hinterlassenschaften einer Pleitefirma eine Kundenkartei oder Teile davon findet, dann hätte es sich gehört, diese dem rechtmäßigen Eigentümer zu übergeben – in diesem Fall dem Insolvenzverwalter. Stattdessen aber fremde Kundendaten stiekum für eigene Geschäfte nutzen zu wollen, entspricht nicht der feinen englischen Art.

Dazu passt, wie der eine Inhaber des neuen Unternehmens in den Schreiben an die Vorsorgekunden die Werbetrommel rührt: Er sei ein bekannter Bestatter, »welcher Bestattungsunternehmen in der Voreifel führt und bekannte Persönlichkeiten wie die Schauspieler Juhnke und Wussow sowie die Politiker Graf Lambsdorff und Hans-Dietrich Genscher zu Grabe trug«. Das ist zwar korrekt, aber ist es vertrauenerweckend, damit in der mittelhessischen Provinz zu prahlen?

Und dann ist da noch die Einladung aus dem Rathaus, die gestern spontan die Frage auslöste, ob da jemand mit einem gut gemachten Scherz die Redaktion hereinlegen wollte. Aber schnell stellte sich heraus: Die Stadt wird allen Ernstes dafür geehrt, dass alljährlich beim Fassenachtszug vom Magistratswagen Gummibärchen und Rosen ans Narrenvolk verteilt werden. Weil es sich nicht um übliches Wurfmaterial handelt, sondern solches aus fairem Handel und damit politisch vorbildlich. Deswegen muss die Auszeichnung zünftig gefeiert werden, halb öffentlich im Atrium des Rathauses.

In diesem Sinne ein Wochenende, an dem Sie nur zu Veranstaltungen eingeladen sind, bei denen Anlass und Form in vernünftiger Relation stehen!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare