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»Stiegel« ändert sich

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Von: Klaus-Dieter Jung

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Am »Stiegel« in Wieseck will die Stadt mittelfristig Wohnungsbau ermöglichen. © Burkhard Moeller

Gießen-Wieseck (rc). Die Ortsbeiratsmitglieder in Wieseck hatten bei ihrer Sitzung am Donnerstag die Aufgabe, über die Aufstellung eines Bebauungsplanes »Stiegel« zu beraten. Dr. Holger Hölscher, Leiter des Stadtplanungsamtes, erläuterte Einzelheiten zu den Planungen. Zu Gast bei den Wieseckern war auch Bürgermeister Alexander Wright (Bündnis 90/Die Grünen), um sich vorzustellen und Erläuterungen zu Maßnahmen zu geben.

Einige Zuhörer nutzen seine Anwesenheit, um Fragen, die nicht Wieseck betreffen, zu stellen. Ortsvorsteher Michael Oswald scherzte, dass er bei dieser Gelegenheit zum Beispiel von 1800 Arbeitsplätzen beim Logistikunternehmen Zalando erfahre.

»Die Not, die die Wiesecker Bürger haben, bekommen wir zu spüren«, sagte Oswald in Richtung Wright. Und meinte, die Ortsbeiräte würden »wie Stiefkinder« behandelt. Schließlich sei Wieseck mit 10 000 Einwohnern der größte Stadtteil und bedeutsam. Ein Beispiel für langsame Antragsbearbeitung hatte Oswald auch parat: Im Juni hatte der Ortsbeirat einen Dringlichkeitsantrag gestellt, »die Antwort kam im Dezember«, regte sich der Ortsvorsteher auf. Er forderte, die Ortsbeiräte mehr einzubeziehen und zeigte sich dann doch versöhnt: Er wisse ja, dass man gemeinsam vernünftige Konzepte entwickeln könne. Wright sprach von 100 Anträgen jährlich aus den Bürgervertretungen und bat um Verständnis bezüglich der manchmal längeren Bearbeitungsdauer.

Hölscher: Nicht vor dem Jahr 2025

Die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens zur Mobilisierung von vorhandenem Baulandpotential sei geboten, heißt es über den Bebauungsplan »Stiegel«. Bei früheren Befragungen 2013 und 2018 hätten die Anwohner größtenteils kein Interesse an einer Bebauung gezeigt, deshalb wurde das Bebauungsplanverfahren zurückgestellt. Doch jetzt gibt es Bebauungswünsche einiger privater Eigentümer. Das Plangebiet umfasst 0,73 Hektar. Ein Zuhörer, der sich als Sprecher für die Anwohner vorstellte, sprach von »Emotionen«, die das jetzt in Gang gesetzte Verfahren auslöse. Früher habe man das Gebiet als »grüne Lunge Wiesecks« bezeichnet. Er und einige Betroffene wenden sich gegen die Aufstellung des Planes.

Amtsleiter Hölscher machte deutlich, dass andere Bürger an Baurecht interessiert seien. Wegen der Erschließungstiefen sei die einzige Möglichkeit, einen Bebauungsplan aufzustellen. Bis es soweit ist, fließt aber noch einiges an Wasser die Wieseck hinunter: Genannt wurde das Jahr 2025. Die Stadt werde im Verfahren Meinungen einholen, nicht nur von den Anwohnern, sondern »von denen, die etwas dazu sagen wollen«, machte Hölscher deutlich.

Ende Oktober 2022 sollen im Dialog mit Jugendlichen und Anwohnern die Erfahrungen zur Überdachung Badenburger Hohl aus den Sommermonaten ausgewertet und über die Installation des Daches entschieden werden. Jugenddezernentin Gerda-Weigel Greilich reagierte damit auf die Nachfrage eines Wieseckers.

Die Stadt lehnt es auch in Absprache mit der Oberen Naturschutzbehörde ab, die Waldarbeiterhütte - wie vom Ortsbeirat gewünscht - zu renovieren. Die Hütte soll so bald wie möglich abgerissen werden. Es sei mit vermehrtem Anfall von Totholzgefahren entlang der Wege und im Bereich der Hütte zu rechnen, teilte Umweltdezernentin Weigel-Greilich dem Ortsbeirat mit. Auch deutliche Trockenschäden seien zu erkennen.

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