AfD-Kreissprecher Uwe Schulz (r.) mit seinem Vorgänger Nicolas Bansmann, der den Rechtsruck der Partei nicht mitmachen wollte.	(Foto: srs
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AfD-Kreissprecher Uwe Schulz (r.) mit seinem Vorgänger Nicolas Bansmann, der den Rechtsruck der Partei nicht mitmachen wollte. (Foto: srs

Wo steht die Gießener AfD?

Gießen (mö). Nicht nur an der Spitze der AfD tobt derzeit ein heftiger Richtungsstreit. Auch im Gießener Kreisverband bildet sich dieser Konflikt ab.

Die Auseinandersetzung zwischen Regierungspräsident Dr. Lars Witteck und einer Gruppe AfD-Mitglieder am vergangenen Mittwoch bei einer CDU-Veranstaltung in Kleinlinden hat in den letzten Tagen für viel Gesprächsstoff gesorgt. Ungeachtet dieses Disputs zwischen Witteck und der Alternative für Deutschland um die Situation in der und rund um die Hessische Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge hat die Veranstaltung eine Frage aufgeworfen. Nämlich die, wo die Gießener AfD im aktuellen Richtungsstreit steht, der innerhalb der Partei seit Wochen tobt.

Denn der knapp 20 Personen zählenden Abordnung der AfD, die ins Kleinlindener Bürgerhaus gekommen war, gehörte auch Christine Anderson an. Bundesweit ist die aus Limburg stammende AfD-Politikerin durch Auftritte bei einigen Demonstrationen der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung der Abendlands (Pegida) bekannt geworden. Wie AfD-Kreissprecher Uwe Schulz auf Anfrage sagt, habe sich Anderson in die Vorbereitungen der Gießener AfD auf die CDU-Veranstaltung »eingeklinkt« und sei dann auch nach Kleinlinden gekommen. Sie stehe aufgrund ihres Engagements bei Pegida momentan »etwas im Fokus«.

Ihre Rolle innerhalb der hessischen AfD sollte aber nicht überschätzt werden, erklärt Schulz. Chancen auf ein Amt im neuen Landesvorstand, das Anderson nach eigenem Bekunden anstrebt, räumt ihr der Vorsitzende des Gießener Kreisverbands nicht ein.

Was den Richtungsstreit innerhalb der AfD betrifft, scheinen die Gießener und die Pegida-Aktivistin aus Limburg jedenfalls auf einer Wellenlänge zu liegen. Kreissprecher Schulz, der Gießener Stadtverbandsvorsitzende Arno Enners und Anderson sind Unterzeichner der Erfurter Resolution des thüringischen AfD-Landeschefs Björn Höcke. Das Positionspapier ist eine Kampfansage an den eher wirtschaftspolitisch orientierten Flügel um Parteichef Bernd Lucke, über dessen bevorstehenden Rückzug aus der AfD die Medien seit Tagen spekulieren.

In dem Höcke-Papier wird die AfD unter anderem als »Bewegung unseres Volkes gegen die Gesellschaftsexperimente der letzten Jahrzehnte (Gender Mainstreaming, Multikulturalismus, Erziehungsbeliebigkeit)« sowie als »Widerstandsbewegung gegen die weitere Aushöhlung der Souveränität und der Identität Deutschlands« charakterisiert.

Kreissprecher Schulz, der früher der CDU angehörte, betont, er habe kein Problem damit, wenn es Flügel innerhalb der AfD gebe, aber wahrscheinlicher werde es nun »zum großen Knall« zwischen dem Lager Lucke und dem seiner Stellvertreterin Frauke Petry kommen. Seinen eigenen Kreisverband, der bei der Kommunalwahl im kommenden März Mandate im Gießener Stadtparlament, in einigen Kreisgemeinden und dem Kreistag anstrebt, mochte Schulz gleichwohl nicht eindeutig verorten.

Vorgänger trat aus Partei aus

Das hat unlängst sein Vorgänger Nicolas Bansmann getan, der der AfD den Rücken kehrte. Die Partei habe sich auch in Gießen »weiter denn je von den liberalen Gründerideen« entfernt und mutiere zu einer »Republikanerbewegung 3.0«, begründete er seinen Schritt. Bansmann gehörte zu den Geburtshelfern der AfD im Kreis Gießen und holte vor der Europawahl Hans-Olaf Henkel für einen Wahlkampfauftritt nach Gießen. Fast auf den Tag genau ist es jetzt ein Jahr her, dass der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie am Kreuzplatz sprach. Im vergangenen Monat trat Henkel aus Protest gegen die »Rechtsideologen« als stellvertretender AfD-Bundesvorsitzender zurück. Kreissprecher Schulz sagt über ihn: »Henkel wird von allen, die ich kenne, als große Last angesehen.« (Foto: srs)

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