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Blitzer für 180.000 Euro: Stadt sagt nächtlichen Rasern den Kampf an

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Von: Burkhard Möller

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Die Stadt Gießen will nächtliche Raserei mit neuen Blitzern bekämpfen. Die teure Anschaffung sei für die Sicherheit der Bürger essenziell.

Gießen (mö). Wer nachts auf Gießens Straßen unterwegs ist, hatte bestimmt schon einmal solche Begegnungen der unheimlichen Art: Vor allem auf dem mehrspurigen Anlagenring werden um diese Tageszeit von einigen Autofahrern Geschwindigkeiten gefahren, die eher zu einer Bundesstraße oder Autobahn passen. Unter anderem dieser nächtlichen Raserei will die Stadt jetzt den Kampf ansagen. Angeschafft werden sollen für 180 000 Euro zwei sogenannte »Enforcement-Trailer«-Blitzer.

»Enforcement-Trailer«, wörtlich in etwa übersetzt mit Vollstreckungs-Anhänger, ähneln äußerlich einem Anhänger und lassen sich mit jedem Auto mit Anhängerkupplung bewegen. Für den Messbetrieb lässt sich der Trailer vollständig auf den Boden absenken. Dabei verschwinden die Räder in der gepanzerten Außenhülle, was eine Bewegung oder den Abtransport durch Unberechtigte sowie Brandlegung erschwert. Ein Alarmsystem schützt die Messtechnik vor Vandalismus. Zudem schützt unter anderem eine schusssichere Hülle das System vor Sachbeschädigung und ein internes Löschsystem vor Brandstiftung.

Raserei in Gießen: Mitte Juni wurde ein Fußgänger von einem alkoholisierten Pkw-Fahrer totgefahren

Laut Ordnungspolizei werden die Geräte, die zuerst vor allem an Autobahnen standen, zunehmend auch von Kommunen eingesetzt und garantierten einen »wachsenden Bedarf an Präsenz rund um die Uhr«, heißt es der Begründung der Ordnungspolizei für eine überplanmäßige Ausgabe in Höhe der besagten 180 000 Euro.

Mit den eingehausten Blitzgeräten könnten auch nächtliche Tempoverstöße geahndet werden, zudem würden die Mitarbeiter durch den personenunabhängigen Betrieb geschützt. Die Beschaffung sei unabweisbar, da der Bedarf »akut besteht«, wie zuletzt der tödliche Unfall in der Ludwigstraße gezeigt habe. Bei dem Unfall war Mitte Juni ein 28-jähriger Fußgänger ums Leben gekommen, der von einem alkoholisierten Pkw-Fahrer aus dem Rhein-Main-Gebiet umgefahren worden war. Um gleichzeitig beide Fahrtrichtungen einer Straße zu erfassen bzw. mehrere Bereiche zu überwachen, hält die Ordnungspolizei die Anschaffung von zwei Anhängern für erforderlich.

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Ein sogenannter Enforcement-Trailer beim Einsatz in Hannover. Bald sollen zwei dieser unbemannten mobilen Blitzer auch in Gießen zum Einsatz kommen. © Red

Gießen: Das Geld für den Kauf der neuen Blitzer steht der Stadt zur Verfügung

Das Geld für den Kauf steht zur Verfügung, da sich die Videoüberwachungsanlage in dem Fußgängertunnel, der auf dem Weg von der Bahnhofstraße zur Lahnstraße/Sieboldstraße gequert werden muss, nicht realisieren lässt. Wie berichtet, kann der Livebild-Notruf aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht installiert werden. Ordnungsdezernent Alexander Wright (Grüne) verwies gegenüber dem Stadtparlament Ende Juli auf ein entsprechendes Schreiben des Hessischen Datenschutzbeauftragten. (Burkhard Möller)

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