Stadt hofft auf "Initialzündung"

Gießen-Lützellinden (mö). Bis Ende des Jahres wird sich das Bild der Landschaft südwestlich des Stadtteils Lützellinden entscheidend verändern. Denn ab dem Frühjahr soll in dem gut vier Hektar großen Geländestreifen zwischen der Landesstraße nach Rechtenbach, der Autobahn und der Auffahrt zu der Schnellstraße ein Autohof mit rund 170 Parkplätzen für Lkw und Pkw, eine große Tankstelle mit Sanitäranlage, ein Bedienungsrestaurant und ein sogenannte "Entertainmentcenter" mit Billard, Dart und Geldspielautomaten entstehen.

Fast zehn Millionen Euro will der Investor und Betreiber, die KMS Autohofbetriebsgesellschaft aus Nordhorn, an der A45 verbauen. Als Partner der KMS, deren Autohöfe unter dem Markennamen "Maxi" bekannt sind, ist der Mineralölkonzern Shell in das Projekt eingestiegen.

Das Vorhaben wurde gestern vom Magistrat und Investoren im Technischen Rathaus am Aulweg vorgestellt. Die Stadt verspricht sich von der Rastanlage eine "Initialzündung" für das seit vergangener Woche in der Erschließung befindliche Gewerbegebiet "Rechtenbacher Hohl", betonten Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann und Planungsdezernent Thomas Rausch.

Der "Dominoeffekt", auf den Haumann hofft, könnte in einem ersten Schritt von dem Autohof selbst ausgehen. Auf einer Reservefläche sei die Ansiedlung eines Schnellrestaurants und eines Hotels denkbar, sagte Fritz Schöbel, geschäftsführender Gesellschafter der KMS-Unternehmensgruppe. Seit viereinhalb Jahren hielt Schöbel im Zusammenhang mit dem Vorhaben, das Rausch bereits 2001 ins Spiel gebracht hatte, Kontakt zur Stadt Gießen. Sein Lob galt insbesondere dem Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes, Rainer Volk, der immer an das Projekt geglaubt habe. Als dann mit der Shell ein Kraftstofflieferant gefunden war, nahm der Autohof Gießen-Lützellinden doch noch konkrete Formen an.

Die Konzerne hätten sich in den letzten Jahren mit der Beteiligung an Autohöfen im süddeutschen Raum zurückgehalten, weil die Lkw den billigeren Diesel in den Nachbarländern bevorzugt hätten. "Unsere Autohöfe schrieben blutrote Zahlen", sagte Shell-Expansionsrepräsentant Herbert Quabach. Er lobte die KMS als professionellen Partner, die wiederum vom sogenannten "Flottenkarten-Geschäft" profitieren will, in dem Shell führend sei. Dabei handelt es um Tankkarten, die den Brummi-Lenkern ein bargeldloses Nachfüllen ihrer Sattelzüge ermöglichen.

Der Autohof, der über die bestehende A45-Abfahrt und einen großen Kreisverkehr angebunden wird, soll Platz für 100 Lkw und 70 Pkw bieten. Rausch hofft, dass dies für etwas Entspannung in den stadtnahen Gewerbegebieten sorgen kann, die vom Schwerfernverkehr zunehmend als Ruheplätze genutzt würden. Schöbel kennt das Problem: "An deutschen Autobahnen fehlen 20000 Lkw-Parkplätze."

Was in Gießen auch fehlt, sind Arbeitsplätze. Zumindest 50 neue, zum großen Teil volle Stellen, werden nach Darstellung von KMS in dem Autohof entstehen. Eingeworben werden soll das Personal auf dem hiesigen Arbeitsmarkt. Der Autohof an der vielbefahrenen Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und dem Ruhrgebiet, auf der täglich 60000 Fahrzeuge verkehren, ist der elfte, den die KMS betreibt. Die nächsten Maxi-Autohöfe befinden sich an der Autobahn 5 bei Mücke-Atzenhain und im nördlicheren Verlauf der Sauerlandlinie bei Wilnsdorf. Die Investition bedeutet auch einen Ansiedlungserfolg der Stadt Gießen im Wettbewerb mit dem Umland, denn Hüttenberg hatte ebenfalls um den Autohof gebuhlt. Schöbel hofft, künftig auch den einen oder anderen Gast aus Gießen und Umgebung begrüßen zu können. "In unseren Autohöfen finden inzwischen Geburtstagsfeiern, Verlobungen und andere Feiern statt", berichtete der Projektentwickler.

Quelle: Gießener Allgemeine

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