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Das Gießener Universitätsviertel wählt und fühlt grün.

Kommunalwahl 2021

Wahl-Analyse für Gießen: SPD nur noch am Eulenkopf vorne, AfD holt drei Stimmbezirke

  • Burkhard Möller
    vonBurkhard Möller
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Dass in keinem einzigen Bezirk die 40-Prozent-Marke erreicht wurde, zeigt: Es gibt in Gießen schon länger keine Volksparteien mehr. Die vielen Briefwähler erschweren die räumliche Analyse der Wahl.

Gießen – Als am Sonntagabend 58 Prozent der Parteistimmen ausgezählt waren, roch es bei den Grünen noch ein bisschen nach Volkspartei. In immerhin zwei örtlichen Wahlbüros und zwei Briefwahlbezirken lagen die Wahlgewinner bei über 40 Prozent. Beim am Dienstag ausgezählten vorläufigen Endergebnis schafften es die Grünen dann nur noch in einem Stimmbezirk der Ricarda-Huch-Schule, die alte Volkspartei-Marke von 40 Prozent zu übertreffen. In immerhin 17 örtlichen Stimmbezirken übertrafen sie aber die 30-Prozent-Marke und gewannen insgesamt 40 der 64 Stimmbezirke - ein Erdrutschsieg.

Kommunalwahl in Gießen: Universitätsviertel fühlt grün

Auf Volkspartei-Niveau bewegt sich stellenweise allerdings das grüne Lebensgefühl. Denn addiert man in den Hochburgen der Ökopartei noch die Ergebnisse der umweltpolitisch noch ambitionierteren neuen Liste »Gießen gemeinsam gestalten« (Gigg) hinzu, werden sogar Werte bis an die knapp 50 Prozent erreicht. Das betrifft insbesondere die Wahlbezirke im akademisch geprägten Universitätsviertel rund um die Stimmbezirke der Liebigschule.

Die CDU, die gegenüber ihrem bereits sehr schlechten Ergebnis von 2016 noch einmal etwas verloren hat, konnte immerhin noch fast 20 örtliche Stimmbezirke gewinnen und kam dreimal über 30 Prozent. Die letzten schwarzen Hochburgen liegen in Lützellinden und Wieseck. In einigen grünen Revieren sackte die Union dagegen sogar auf deutlich unter zehn Prozent ab. Noch heftiger traf es die SPD, die nur noch einen Wahlbezirk von 64 gewinnen konnte: den Eulenkopf mit gut 27 Prozent. Ein schwacher Trost für die Sozialdemokraten: Auf sehr schwachem Niveau schwankten die Ergebnisse örtlich nicht so stark wie bei anderen Parteien. Nur in zwei Stimmbezirken war das Ergebnis einstellig, was bei einem Gesamtergebnis von nur gut 17 Prozent trotzdem als Hoffnungsschimmer gedeutet werden kann, dass es doch noch so etwas wie eine Basis in der Breite der Stadt gibt.

Kommunalwahl in Gießen: Schwache AfD holt drei Stimmbezirke

Eine Partei der Extreme bleibt die AfD, die in der Nord- und Weststadt trotz ihrem schwachen Gesamtergebnis sogar drei Stimmbezirke mit über 20 Prozent gewinnen konnte. Im Uni-Viertel jedoch erreichten die Rechtspopulisten dagegen keine drei Prozent.

Die Gießener Linke, die die AfD als viertstärkste Kraft ablöst, hat ihre stärksten Bezirke mit Ergebnissen um die 15 Prozent erstaunlicherweise auch in der Innenstadt, wo auch die Grünen stark sind, und in der Nordstadt. Wenig bis nichts zu melden hat die Linke traditionell in den außenliegenden Stadtteilen Allendorf, Lützellinden und Rödgen.

Die neue Liste Gigg hat ihr stärkstes Ergebnis in Rödgen, was auf den ersten Blick überraschen mag. Aber im östlichen Stadtteil hat auch der Gigg-Ableger Rgg bei der Ortsbeiratswahl abgeräumt.

Die PARTEI kratzte in einem Bezirk an zehn Prozent, die Europaliste Volt blieb überall deutlich unter fünf Prozent, aber für den einen Sitz reichten etliche Ergebnisse von über zwei bzw. drei Prozent.

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