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Die Sparkasse meldet für 2015: Umsatz gestiegen, Gewinn geschrumpft.

Sparkasse Gießen meldet deutlichen Gewinnrückgang

Gießen (ta). "Früher hätten wir uns dafür geschämt, wenn wir unseren Kunden einen Zinssatz von 0,02 Prozent auf Tagesgeld anbieten", bekennt Vorstandsvorsitzender Peter Wolf. Wie alle Geldhäuser mit Zinsüberschuss als Geschäftsmodell stöhnt auch die Sparkasse Gießen unter der anhaltenden Niedrigzinsphase. Auch ein zweiter Faktor trägt zum deutlichen Gewinnrückgang bei.

Zusätzlich hat der laufende Umbau der Zentrale an der Johannesstraße dazu geführt, dass es zum ersten Mal seit Langem einen deutlichen Gewinnrückgang gibt: Nach 3,1 Millionen Euro im Jahr 2014 waren es im Vorjahr noch 2,1 Millionen.

Insgesamt aber zeigte sich der Vorstand gestern mit dem vorläufigen Jahresabschluss 2015 zufrieden. Die Bilanzsumme ist abermals gestiegen, um 2,6 Prozent auf 2,126 Milliarden Euro. In ähnlichen Margen bewegt sich auch der Zuwachs bei Kundenkrediten (1,248 Mrd. Euro) und Kundeneinlagen (1,733 Mrd. Euro).

Der Gewinn verstärkt zum größten Teil das Eigenkapital. 255 000 Euro werden an die Anteilseigner ausgeschüttet, also die meisten heimischen Kommunen. Diese profitieren auch davon, dass die Sparkasse an ihren 31 Filialstandorten rund 2,3 Millionen Euro an Gewerbesteuer entrichten muss. Insgesamt werden 5 Mio. Euro an Steuern fällig, im Jahr zuvor waren es noch 7.

Mittelbar profitieren die Städte und Gemeinden von "ihrer" Sparkasse auch, indem diese traditionell soziale und kulturelle Einrichtungen sowie den Sport fördert. Einschließlich des Sponsorings im Spitzensport wurden dafür 2015 fast 630 000 Euro ausgegeben. Weitere 146 000 Euro wurden als Gewinnen im PS-Los-Sparen ausgeschüttet.

Günstig ausgewirkt hat sich Vorstandsmitglied Wolfgang Keil zufolge die Entwicklung, dass Senioren zunehmend nach Gießen oder in die nähere Umgebung ziehen. Das belege die gute Entwicklung des hauseigenen Immobiliencenters, das mit heimischen Bauträgern zusammenarbeite. Eigentumswohnungen und Wohnhäuser seien zudem als Anlageobjekte beliebt. Der Zuwachs im privaten Kreditgeschäft beruhe auch auf dem niedrigen Zinssatz, der zu Modernisierung und Instandsetzung von Immobilien ermuntere.

Die Sparkasse selbst ist seit dem vergangen Juni Bauherr, was ihre Zentrale angeht. "Sie soll bis zum Frühjahr 2017 unser Flaggschiff werden", betonte Vorstandsmitglied Ilona Roth. Das 1980 eingeweihte und 1993 erweiterte Gebäude wird mit modernster Technik ausgestattet und dem veränderten Kundenverhalten angepasst. Zugleich wird mehr Platz für direkte Beratungsgespräche geschaffen. Momentan werden der ehemalige Eingangsbereich Neuenweg und die Kassen umgebaut.

Eine Besonderheit war im vergangenen Geschäftsjahr auch die Erweiterung des Kundenkreises um Flüchtlinge: Mehr als 500 Konten wurden neu eröffnet Das war anfangs schwierig, doch wurden die Anforderungen an die Legitimation von der Bundesfinanzaufsicht im Laufe des Jahres verringert; Hauptbedingung ist, dass die Neukunden im Geschäftsgebiet wohnen bleiben. Den Neukunden zuliebe werden die Geschäftsabläufe nun auch in Englisch und Arabisch erläutert.

Vom kommenden Montag an wird die Sparkasse endgültig auch bei ihren Privatkunden auf das SEPA-Zahlverfahren mit IBAN und BIC umstellen. Wer dennoch eine alten Überweisungsvordruck benutzt, bekommt diesen samt Erklärung zurück.

Das Fazit von Peter Wolf: "Wir bleiben optimistisch. Die marktwidrige Niedrigzinsphase tut uns weh und sie wird wohl noch einige Jahre bleiben. Aber irgendwann werden die Sätze wieder normal."

Quelle: Gießener Allgemeine

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