Skaterszenen mit Sergej Vutuc in der "Ludwigstraße 6"

"Alles erlauben, alles möglich machen, über alles reden", sagte Chef-Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev auf der Documenta 13. Diesem "Spirit" hat sich auch der gebürtige Bosnier Sergej Vutuc verschrieben, der am Freitag, 1. Februar, in der "Ludwigstraße 6" ab 19 Uhr seine Vernissage "Painful reminder" präsentieren wird.

Eine Woche lang haben Besucher Gelegenheit, Fotografien aus der Skaterszene und Vutucs Umgestaltung der Räumlichkeiten zu bewundern. Dabei hat er viel mit Holz gearbeitet, denn "bauen" versteht der 33-Jährige als "innere Auseinandersetzung mit sich selbst" und Holz sei nun ein Material, das überall verfügbar auf Straßen oder Mülldeponien liege. Auf die Frage nach dem Konzept seiner Raumgestaltung winkt der Künstler ab. "Die Frage ist: Treibt dich der Raum oder gestaltest du den Raum? Nimmst du den Raum in die Hand?" So richtig erzählen mag Vutuc nicht. "Ich finde es spannend, mich nicht festzulegen, sondern immer wieder etwas Neues auszuprobieren."

Die Kooperation mit Florian Seel und dem Team der "Ludwigstraße 6" kam durch Hannes Stutz zustande, der unter dem Label "Antipop" bekannt ist. Im Mai vergangenen Jahres lernte er Vutuc während einer Konzerttournee kennen.

Nun darf der in Heilbronn Wohnende, der in Berlin von der Galerie Michael Janssen vertreten wird, nach einer Tour durch verschiedene Ausstellungsräume Nordamerikas auch in Mittelhessen zeigen, wie gut er die Kombination von Recycling, Punkrock und Skateboarding versteht. Die Kunstform Vutucs ist in diesem Fall Lebensform und ein Appell an die Wegwerfgesellschaft. Die meisten Fotokopien und Handabzüge, die Vutuc in Schwarzweiß präsentiert, zeigen Spuren von Fremdmaterial. "Manchmal zerkratze ich das (Baryt-)Papier oder ich schreibe Texte darauf." Kaum erkennbar verarbeitet der Fotokünstler auch Abfalltüten, auf denen Warnhinweise zu lesen sind. "Was ist denn das für ein Leben, wenn man von vorne herein gewarnt wird und keine eigene Entscheidung treffen kann?", fragt der unkonventionelle Kreative. Wie er seine Fotografien genau herstellt, kann man nur in seiner Dunkelkammer erleben. Es sei jedem selbst überlassen, was er entdecken will und wie viel Zeit man der Wirkung seiner Kunst widmen möchte. "Jedenfalls geht es ums brechen. Was ist Punk? Was ist Skatepunk?".

Nicht zuletzt geht es aber auch um die philosophisch-ethische Frage des Konsums und den Zwiespalt des Künstlers selbst, von seiner Arbeit zwar leben, sich dennoch davon lösen zu wollen, immer mehr zu produzieren. Der Prozess der Produktion sei für die innere Ausdruckskraft jedoch sehr wichtig und Arbeit verstehe Vutuc darüber hinaus als eine Erzählform. Begleitet von Musik darf man heute Abend auf Entdeckungsreise gehen. Auch am Samstag, 2. Februar, ist die "Ludwigstraße 6" für Kunstinteressierte und Tanzfreunde geöffnet. sis

Quelle: Gießener Allgemeine

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