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Das Palliativteam Gießen ist ein multiprofessionelles Team aus Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern.

Schwerstkranken zu Hause helfen

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Gießen (pm). Seit zehn Jahren versorgt das Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativ Versorgung (SAPV) täglich 60 bis 70 Patienten in Stadt und Kreis Gießen sowie in Teilen des Vogelsbergkreises - und entlastet damit auch Hausärzte, Pflegedienste und Angehörige. Zum Jubiläum fand dieser Tage eine Informationsveranstaltung im Universitätsklinikum statt. Der Einladung von Prof. Ulf Sibelius, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik V (internistische Onkologie und Palliativmedizin), folgten viele Mitarbeiter des Teams ebenso wie vernetzte Hausärzte, Palliativmediziner sowie Mitarbeiter aus der Pflege- und Hospizarbeit.

Das Palliativteam Gießen ist ein multiprofessionelles Team aus Ärztinnen und Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern. Nach der morgendlichen Teambesprechung werden die Touren eingeteilt. "Jeder im Team ist über jeden Patienten immer gut informiert", sagte Anke Peil, Krankenschwester im Team, die die praktische Arbeit und den Tagesablauf des SAPV vorstellte. Jedes Fahrzeug verfüge über eine standardisierte Versorgungstasche und über einen Laptop. "Regelmäßig montags und donnerstags werden die Patienten von uns angerufen, um zu erfahren, was benötigt wird und wie das Wochenende verlaufen ist". Auch Patienten in Pflegeheimen, deren Anteil beträgt etwa zehn Prozent, werden einmal in der Woche angefahren und versorgt.

Rechtsanspruch besteht

"Täglich sind die Teams unterwegs zu ihren Patienten nach Hause, denn viele Patienten mit unheilbaren Krankheiten haben den Wunsch, in ihrer gewohnten Umgebung versorgt zu werden", so Peil. Die Arbeit der SAPV-Teams trage maßgeblich dazu bei, diesen Wunsch zu ermöglichen. In engem Kontakt mit den Hausärzten und den ambulanten Pflegediensten werde so eine umfassende Betreuung gewährleistet. Das Besondere an dieser übergreifenden Versorgung sei, dass das SAPV-Team über eine Hotline 24 Stunden erreichbar und eine sofortige Hilfe auch in der Nacht gewährleistet sei. Um die Betroffenen und deren Angehörige herum wurde neben der rein palliativen Versorgung ein Netzwerk aus Seelsorge, ambulanten Hospizdiensten und Psychoonkologen aufgebaut.

"Seit 2007 besteht ein Rechtsanspruch auf die spezialisierte ambulante Palliativversorgung die dem Ziel dient, die Lebensqualität und Selbstbestimmung von Patienten mit einer fortgeschrittenen lebensbegrenzenden Erkrankung soweit wie möglich zu erhalten sowie ihnen ein würdiges Leben zu Hause, in stationären Pflegeeinrichtungen oder Hospizen zu ermöglichen", erläuterte Sibelius der im Hinblick auf die Hospizarbeit zuvor einen weiten Bogen zurück ins Mittelalter gespannt hatte. Erst 1960 gelangte das Thema durch die schweizerisch-US-amerikanische Psychiaterin und Medizinerin Elisabeth Kübler-Ross in die breite Öffentlichkeit. "Mittlerweile hat sich in der Region eine sehr gute Vernetzung gebildet", lobt Sibelius, der auch Vorstandsvorsitzender des Fördervereins PalliativPro ist. Dieser unterstützt die heimischen SAPV-Teams unter anderem mit Fahrzeugen. Nachdem die 2007 mit zehn Palliativbetten ausgestattete Station Virchow 2015 in den Neubau des Universitätsklinikums umziehen musste, sei es ein echter Meilenstein gewesen, als auf dem Gelände des Universitätsklinikums eine neue Palliativstation, das Hanns-Gotthard-Lasch Haus, entstehen konnte, berichtet der Palliativmediziner. Diese Station verfügt über zwei Ebenen mit insgesamt 16 Einzelzimmern mit Palliativbetten. "Hier können wir Schwerstkranke und pflegebedürftige Patienten nach Krankenhausstandard, jedoch ohne Klinikatmosphäre versorgen".

Das Gießener mobile SAPV-Team für Erwachsene ist 2009 an den Start gegangen und 2014 folgte unter der Leitung von Dr. Holger Hauch ein SAPV-Team für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Dieses Team versorgt 30 bis 50 Kinder im Jahr.

Quelle: Gießener Allgemeine

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