Schluss mit Vandalismus

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Die Umwandlung der früheren MedPol an der Rodthohl in ein Gästehaus soll im April anlaufen. Dann wird das gut 50 Jahre alte Gebäude bis auf die Mauern entkernt. Damit hat nicht nur der sechs Jahre währende Leerstand ein Ende, sondern auch der ständige Missbrauch des Komplexes durch Vandalen und Stadtstreicher.

Manches im früheren Domizil der Medizinischen Klinik III und Poliklinik sieht aus, als sei es erst vor Kurzem verlassen worden. Vor dem Eingang ist noch der Parkplatz von Klinikchef Prof. Reinhard Bretzel markiert, dahinter kommt gleich die Patientenaufnahme. Ím Flur hängt die Bekanntmachung für das Rauchverbot im ganzen Haus aus dem September 2007, die Tür- und Hinweisschilder erinnern an frühere Raumnutzungen: Röntgen, Labor, EKG, Endoskopie.

Aber an anderen Stellen ist erkennbar, dass der lange Stillstand dem Gebäude, das 2011 vom Klinikum verlassen und 2014 von der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung erworben wurde, nicht gutgetan hat. In manchen Fluren und Zimmern haben sich einzelne Platten von der Zwischendecke gelöst, der Geräteausbau hat Spuren hinterlassen: In einem Raum ist als Folge eines Wassereintritts die Wand bemoost. Allerdings: Mit einem undichten Flachdach hatte schon die Klinik oft zu kämpfen gehabt.

Dazu kommt der Vandalismus. Vor allem in den Erdgeschoss-Fluren sind Wände und Fenster wild beschmiert, von Hakenkreuzen über "Haut ab" bis zur Behauptung "Das ist unser Haus". Die schwarzen Flecken auf den Steinfliesen verdeutlichen, dass hier einmal sogar Feuer gemacht worden war.

"Fast jede Woche waren hier nachts Leute eingedrungen", weiß Adnan Uludag, der das Kliniksgebäude und die benachbarte Villa seit einiger Zeit im Auftrag der Eigner überwacht. Schon wiederholt hat er Eindringlinge, die eine Fensterscheibe eingeschlagen oder eine Tür aufgehebelt hatten, während der Nacht auf frischer Tat ertappt. In einem Nebengebäude hatte sich sogar mehrere Wochen lang eine vierköpfige Jugendclique für ihre Treffs wohnlich eingerichtet.

Nur einmal wurde das leere Kliniksgebäude mit Genehmigung zweckentfremdet. Das war im Sommer 2015, als für die Party nach dem WG-Flohmarkt eine ungewöhnliche Location gesucht und im Untergeschoss gefunden wurde. Der Müll wurde brav entsorgt, nur der große Hinweis "Bar + Bums" über der Treppe erinnert noch an die Feiernacht.

Wenn der pensionierte Oberarzt Dr. Yasar Bilgin jetzt durch dieses Gebäude geht, macht sich ein wenig Wehmut bei ihm breit. "Hier habe ich 35 Jahre lang gearbeitet, bis zuletzt", erinnert sich der Internist. "Das war hier mein Zuhause und ist Teil meines Lebens." Umso froher ist der TDG-Vorsitzende, dass unter seiner Regie und mithilfe großzügiger Spender nun eine Nachfolgenutzung realisiert werden kann.

Internationales Willkommenshaus

Wie bereits berichtet, wird die einstige MedPol in ein internationales Willkommenshaus umgewandelt, in dem Gäste der Universität, ausländische Studenten und Angehörige von Langzeitpatienten zeitweise wohnen können, vor allem in früheren Patientenzimmern. In dem denkmalgeschützten Wohngebäude nebenan, aus dem 2011 die Klinik für Nuklearmedizin ausgezogen war, werden die 20 Mitarbeiter der TDG-Geschäftsstelle ein neues Domizil finden.

Quelle: Gießener Allgemeine

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