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Rollentausch für einen Tag

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Martina Klee (Chefin Berufsfeuerwehr Gießen) und Frank Wagner (Brennholzfertigung Lebenshilfe) haben für einen Tag die Rollen getauscht. © Red

Rollentausch-Shows kennt man aus dem Fernsehen. Jetzt rufen auch die Behindertenwerkstätten zum »Schichtwechsel« auf: Menschen mit und ohne Behinderung wechseln den Arbeitsplatz für einen Tag. In Gießen hat Feuerwehrchefin Martina Klee mitgemacht.

Arbeit und Teilhabe aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben: Darum geht es am Aktionstag der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM). Menschen mit Behinderungen tauschen für einen Tag ihren Arbeitsplatz mit Menschen ohne Behinderungen. Auch die Lebenshilfe Gießen beteiligt sich dabei. Frank Wagner, der in der Brennholzfertigung der Limes-Werkstatt im Ohlebergsweg in Gießen arbeitet, hat mit Martina Klee, der Chefin der Berufsfeuerwehr Gießen, getauscht.

Die Lebenshilfe Gießen hatte ein Berufsfeld ausgesucht, in dem vorrangig Menschen ohne Behinderung arbeiten. Unter einigen Bewerbungen der Arbeiter aus den Werkstätten wurde Frank Wagner vom Gesamtwerkstattrat der Lebenshilfe für den Schichtwechsel ausgewählt. Wagner arbeitet seit 2018 in der Brennholzfertigung und ist dort sehr zufrieden. Er hat sich für den Schichtwechsel beworben, weil er gerne hilft und es spannend findet, einen Tag bei der Feuerwehr mitzuerleben. Martina Klee sollte dafür die Arbeitsfelder der Brennholzfertigung kennenlernen und durfte auch selbst mit anpacken. Klee hat dabei zum Beispiel den automatischen Sägespalter ausprobiert und Holz sortiert. Zwischendurch unterhielt sie sich mit den Mitarbeitern - und sie fand die Arbeitsstimmung entspannt. »Es war aber auch beeindruckend, wie das Team es schafft, sich gegenseitig immer wieder zu motivieren« sagte die Berufsfeuerwehrchefin. Sie sei auch von der generellen Freundlichkeit und Offenheit der Mitarbeiter überrascht gewesen. Für Klee sei es ein extremer Kontrast zum eigentlichen Alltag gewesen, da sie momentan nicht viel Bewegung im Berufsalltag habe, sondern die meiste Zeit am Schreibtisch verbringe. »Also, fit bleibt man in der Brennholzfertigung auf jeden Fall,« meinte sie schmunzelnd. Sie habe auch nicht erwartet, wie anspruchsvoll die Aufgaben seien, denn die Mitarbeiter kämen zum Beispiel mit einem Radlader problemlos auch durch engste Passagen hindurch.

Wagner hat bei seinem Tag in der Berufsfeuerwehr alle wichtigen Stellen der Wehr gezeigt bekommen. In Begleitung von Tobias Hennemuth, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Berufsfeuerwehr, hat er auch die Atemschutz-Werkstatt besichtigt, die Feuerwehrautos inspiziert und an einer Gefahrgutübung teilgenommen.

Außerdem ist er durch die Atemschutzübungsanlage mit Käfiglabyrinth durchgelaufen und hat die 30 Meter hohe Drehleiter bestiegen. »Das war schon ungewohnt in der Höhe«, gibt Wagner zu, aber er habe einen Blick bis zum Krankenhaus gehabt. Zum Abschluss seien sie durch die Hallen der Feuerwehr gelaufen.

»Ich habe den ganzen ›Computerkram‹ bei der Feuerwehr auf jeden Fall nicht in dieser Menge erwartet«, sagte Frank Wagner.

Kerstin Ahrens von der Lebenshilfe Gießen hob im Pressegespräch auch die Gemeinsamkeiten beider Berufe hervor. Der Gruppenleiter der Bernnholzfertigung, Dave Thurmond, habe gesagt, das wichtigste sei es, dass das Team gut aufeinander achte und gefährliche Situationen gemeinsam meistere.

Diese Fertigkeiten seien auch bei der Feuerwehr notwendig, bestätigte Hennmuth. Das Team sei sowohl bei der Feuerwehr als auch in der Brennholzfertigung so etwas wie eine »zweite Familie« - eine schöne Gemeinsamkeit des ungewöhnlichen Rollentauschs.

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