Rodung am Güterbahnhof gestoppt

Gießen (mö). Die Rodungsarbeiten am Güterbahnhof haben für Wirbel und "Entsetzen" beim Naturschutzbeirat gesorgt. Am Montag sind die Arbeiten gestoppt worden.

Sie können erst fortgesetzt werden, wenn die Grundstückentwicklungsgesellschaft Güterbahnhof Gießen als Eigentümerin eine Genehmigung von der Oberen Forststbehörde beim Landkreis Gießen eingeholt hat. Dies teilte Bürgermeisterin und Umweltdezernentin Gerda Weigel-Greilich auf Anfrage mit, nachdem der städtische Naturschutzbeirat angesichts der doch massiven Baumfällung am Wochenende Alarm geschlagen hatte (die GAZ berichtete).

Wie Weigel-Greilich sagte, sei dem Eigentümer offenbar nicht bewusst gewesen, dass es sich bei dem bewaldeten Hang rechtlich um einen Wald handelt. Dies habe die Bahn, als das Grundstück an die Investoren-Gesellschaft verkauft worden sei, den neuen Eigentümern wohl nicht mitgeteilt. Die Landesbehörde Hessen-Forst habe am Montag vor Ort bestätigt, dass es sich bei dem Hang um einen Wald handelt. Dessen Beseitigung müsse daher genehmigt werden.

Investor Jochen Ahl fiel aus allen Wolken: "Das war doch alles geklärt." Wie der Geschäftsführer der Grundstücksgesellschaft Güterbahnhof erläuterte, liege der Rodungsbereich innerhalb des noch rechtsgültigen Bebauungsplans, der an dieser Stelle ein Gewerbegebiet festsetze. "Bäume, die in einem Gewerbegebiet stehen, dürfen außerhalb der Vegetationsperiode gefällt werden", sagte Ahl und verwies auf entsprechende Abstimmungen mit dem Stadtplanungsamt und dem städtischen Gartenamt. Aus seiner Sicht gegenstandslos ist die Vermutung des Naturschutzbeirats, wonach durch die Beseitigung der Bäume artenschutzrechtliche Vorschriften verletzt worden seien. "Die Prüfungen sind doch alle gelaufen. Die Biotopkartierung liegt seit einem Jahr vor. Zuletzt haben wir noch ein Fledermausgutachten vorgelegt, das akzpetiert wurde", sagte Ahl. Nach der gestrigen Intervention von Hessen-Forst bleibe ihm aber nichts anderes übrig, als heute beim Landkreis eine Fällgenehmigung zu beantragen.

Matthias Korn, Vorsitzender des Gießener Naturschutzbeirats, hatte am Sonntag in einem Schreiben an Stadt, Naturschutzbehörden und Presse darauf hingewiesen, dass es sich bei dem mindestens 0,5 Hektar großen Baumbestand um einen "wertvollen" Laubwald handele. Daher hätte die Obere Forstbehörde gefragt werden müssen.

Ungeachtet der Frage, ob die Rodung hätte gesondert genehmigt werden müssen, sieht das von der Stadt unterstützte Investoren-Konzept vor, vom Güterbahnhof oben bis in den Bereich der unten an der Lahnstraße gelegenen Kleingärten hinein ein Wohngebiet zu entwickeln. Ein Erhalt des bewaldeten Hangs war von Anfang an nicht vorgesehen.

Wie sich die Stadt die weitere Entwicklung des gesamten Areals rund um den Güterbahnhof vorstellt, wird man in den nächsten Tagen sehen, denn gestern sollte im Magistrat ein Rahmenplan für das Gebiet beschlossen werden.

Wirbel um Rodung am Güterbahnhof

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare