Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" im Musikinstitut

Beim Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" waren auch wieder viele heimische Teilnehmer unter den Erst- und Zweitplatzierten. So erreichte beispielsweise Sänger Yannick Bernsdorff aus Wettenberg die Maximalpunktzahl von 25 Punkten in der Kategorie Musical.

"Ich hab schon ein bisschen gezittert", sagt die achtjährige Elisa Wörner und fügt verschmitzt hinzu: "Aber das hat keiner gemerkt!". Die junge Gießenerin spielt Geige, seit sie drei Jahre alt ist. Auch ihre Duopartnerin am Klavier, die neunjährige Lara Sophie Lingner aus Linden war aufgeregt vor dem großen Auftritt vor den Juroren, erzählt sie. Die beiden Mädchen sind zwei von zahlreichen jungen Musiktalenten, die am Wochenende in insgesamt 147 Einzel- und Gruppenwertungen des 49. Regionalwettbewerbs "Jugend musiziert" für Stadt und Landkreis Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf und Stadt Marburg teilgenommen haben. Durchgeführt wird der Regionalwettbewerb vom Regionalausschuss in Zusammenarbeit mit der Kommunalen Musikschule Gießen.

Am Samstag, 25. Februar, um 16 Uhr findet im Konzertsaal des Gießener Rathauses das Preisträgerkonzert statt. Elisa und Lara, die in der Musikschule unterrichtet werden, haben ihr Vorspiel bereits hinter sich und sind sehr stolz auf die Wertung der Juroren: 22 Punkte von maximal 25, ein 1. Preis. Für eine Qualifizierung zum Landeswettbewerb braucht man 23 Punkte, doch in ihrer Altersgruppe ist ohnehin noch keine Weiterleitung zum Landeswettbewerb möglich.

Das geht erst ab der Altersgruppe II (zehn und elf Jahre), zum Bundeswettbewerb erst ab der Altersklasse III für zwölf- und 13-Jährige. "Dies ist zum Schutz der Kinder so festgelegt", erklären Rolf Mohr und Brigitte Schön, die dem Regionalausschuss seit weit über 20 Jahren angehören.

Es herrscht aufgeregter Trubel im Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik der Justus-Liebig-Universität am Samstag, dem ersten Tag des Regionalwettbewerbs. Junge Musiker mit ihren Instrumenten, Eltern, die mit ihren Kindern mitfiebern, auch Musiklehrer, die gespannt sind, wie ihre Schüler abschneiden, sind zum Daumendrücken mitgekommen. Aus den Vorbereitungsräumen, in denen sich die Wettbewerbsteilnehmer einspielen und einsingen können, klingt Musik: "Es rüttelt sich der Blütenbaum, es säuselt wie im Traum", Brahms "Sandmännchen" singt die 13-jährige Anika Wandersee aus Ebsdorfergrund; am Klavier die ebenfalls 13-jährige Romy-Marta Hoßfeld aus Kirchhain. Anika hat seit einem Jahr Gesangunterricht, Romy spielt ihr Instrument seit sieben Jahren. Intensiv haben sie sich gemeinsam auf den Wettbewerb vorbereitet, als Musikpartner haben sie sich über ihre Musikschule kennengelernt.

"Ich bin seit Tagen aufgeregt", erzählt Mutter Kirstin Wandersee. Ob die Mädchen sich vorstellen können, später beruflich mal etwas mit Musik zu machen? "Ich liebe Sport und Musik, das ist schwer zu verbinden", sagt Anika. "Ich glaube, ich werde Musik mehr als Hobby weitermachen", meint Romy. "Es gibt so viele Leute, die besser sind". Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen: Ihr Vortrag wird mit 21 Punkten, einem 1. Preis belohnt.

Nebenan probt Franziska Behrendt aus Niederbrechen. Die 15-Jährige spielt seit über sechs Jahren Querflöte, will später Musik- und Englischlehrerin werden und nimmt zum erstem Mal an dem Wettbewerb teil. Begleitet wird sie von ihrer Musiklehrerin Silke Hensel und von Vater Ralf, von dem die Initiative zur Teilnahme ausging "Franziska ist eine, die besser motiviert ist, wenn sie ein Ziel hat", sagt er. "Und es ist gut, wenn sie einmal einen Maßstab für ihre Leistung hat".

In einem der Räume, in denen die Vorspiele stattfinden, sitzen die beiden 13-Jährigen Saskia Lehnert und Wiebke Bockmühl aus Hadamar am Flügel. Gut 20 Zuhörer verfolgen gespannt das Vorspiel der beiden, denn die Vorführung ist öffentlich. Ihre 15-minütige Darbietung bewerten die Juroren mit 21 Punkten und somit einem 1. Preis.

Im Foyer sitzt Gesangslehrerin, Musikpädagogin und Mezzosopranistin Gabriele Tasmadi, die an der Musikschule Gießen unterrichtet und ihre Musicalschüler zum Wettbewerb begleitet. Zu den Anforderungen in der Musicalbewertung gehört neben dem Singen auch Choreografie und schauspielerische Leistung in einem Monolog. "Da muss das Gesamtpaket, die Präsentation, stimmen – eine gute Stimme allein reicht nicht", sagt sie und erzählt von Musicalschüler Yannick Bernsdorff aus Wettenberg. Der 20-jährige ehemalige Herderschüler hat es vor drei Jahren zum Landeswettbewerb geschafft. Nun habe er Riesenfortschritte gemacht und angekündigt: "Jetzt will ich es euch zeigen!". Das hat er getan: Mit der Maximalpunktzahl von 25 Punkten und der Weiterleitung zum Landeswettbewerb.

"Jugend musiziert" ist kein Wettbewerb wo es um’s Siegen geht und es gibt keine Besiegten", sagt Katja Marauhn, Schulleiterin der Kommunalen Musikschule Gießen. Das sehen Rolf Mohr und Brigitte Schön vom Regionalausschuss ebenso. Es sei vielmehr eine Momentaufnahme des derzeitigen Leistungsstands der jungen Musiker, eine Art Bestandsaufnahme und es zählt der Moment", erklärt Universitätsmusikdirektorin a.D. Schön. "Da gibt es Sternstunden oder man kann auch mal Pech haben". "Es zählt so etwas wie der olympische Gedanke und der Ansporn", sagt Rolf Mohr. "Und der Vergleich mit der Leistung der Konkurrenz". Und es mache großen Spaß, die jungen Musiker aufwachsen zu sehen – wenn sie anfangen, brauchen sie manchmal noch ein Fußbänkchen, sie wachsen und entwickeln sich weiter. "Diese Kinder und Jugendlichen sind einfach wunderbar" schwärmt Brigitte Schön. "Sie leisten unglaublich viel, sind hochdiszipliniert, konzentriert, sozial und sind in der Regel noch sehr gute Schüler. Schade, dass von diesen Kindern so wenig berichtet wird!" Auch das Engagement der Eltern sei bewundernswert, die viel Geld und Zeit in die musikalische Ausbildung ihrer Kinder investieren.

Als Beispiel fällt ihr da die elfjährige Geigerin Johanna Margarete Weidner aus Karben ein, die mit ihrer 14-jährigen Partnerin Jenny Li aus Marburg die Höchstpunktzahl von 25 und somit die Qualifikation für den Landeswettbewerb erspielt hat. Oder die 16-jährige Jördis Tielsch aus Sinn, einer Schülerin von Brigitte Schön, mehrfache Preisträgerin beim Bundeswettbewerb, sowohl in der Kategorie Violine als auch in Gesang. Mittlerweile steht sie im Bereich Popmusik im Rampenlicht, wird von der Gruppe Wise Guys gefördert und steht im Rampenlicht. Sie habe erzählt, wie einfach es sei, mit Popmusik die Menschen bei großen Auftritten zu begeistern, viel nervöser sei sie vor dem Vorspiel bei "Jugend musiziert" mit seinen hohen Anforderungen. 24 Punkte und die Weiterleitung zum Landeswettbewerb erhielt sie für ihr Geigenspiel im Ensemble mit Klavierpartnerin Paula Fischer aus Hünfelden. Gabi Beutelspacher

Im Regionalwettbewerb erreichten folgende Schüler aus dem heimischen Raum in ihrer jeweiligen Altersklasse und Kategorie erste Plätze: Holzbläser/Querflöte : Lea Weitz (Wetzlar), Rebecca Schoen (Butzbach), Iris Eichhorn (Wetzlar), Anne Willig (Wetzlar), Anna Matzen (Klarinette, Wetzlar), Lea Matzen (Saxofon, Wetzlar), Christian Traute (Posaune, Allendorf). Zweitplatzierte waren: Alina Gramsch (Pohlheim), Philipp Weitz (Klarinette, Wetzlar), Cedric Egli (Saxofon, Braunfels), Pia Holtschke (Trompete, Braunfels), Joshua Hammamy (Trompete, Gießen), André Fischer (Tuba, Buseck), Carolin Seelhof (Trompete, Herborn), Katrina Gagelmann (Trompete, Lich). Gitarre : Shirin Mulch (Gießen), Paulina Monno (Haiger), Simon Rauterberg (Dillenburg), Eric Sindemann (Marburg), Lukas Pilgrim (Marburg). Musical : Lea Pradella (Heuchelheim), Yannick Bernsdorff (Wettenberg), Zweitplatzierte: Selina Kötter (Wettenberg). In der Kategorie Klavier vierhändig erreichte kein Teilnehmer aus dem Raum Gießen einen ersten Platz. Als Duo Klavier/Streichinstrument konnten Yannis Morgan von Georgi und Cynthia Bullerjahn (Gießen) sowie Alexia und Sophia Sachsenberg (Laubach) erste Preise erspielen. Zweite Plätze erreichten Paul Adomeit und Sarika Kanse (Linden) sowie Charline Klar und Hannah Wörner (Gießen).

In der Kategorie Singstimme und Klavier landeten Tenor Timon Niedecken (Gießen) und Daniel Schneider (Klavier, Linden) auf einem zweiten Platz.

Quelle: Gießener Allgemeine

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