Rausch macht Front gegen Beleuchtungskonzept

Gießen (mö). Müde schleppten sich am Montagabend im Kerkradezimmer der Kongresshalle die Beratungen des parlamentarischen Haupt- und Finanzausschusses dahin, aber plötzlich waren Stadtverordnete und Zuhörer hellwach. Für den Weckruf sorgte Bau- und Planungsdezernent Thomas Rausch (CDU), der zu später Stunde mit deutlichen Worten zum vom BID Seltersweg gewünschten Beleuchtungskonzept für die Innenstadt Stellung bezog.

Gießen (mö). Müde schleppten sich am Montagabend im Kerkradezimmer der Kongresshalle die Beratungen des parlamentarischen Haupt- und Finanzausschusses dahin, aber plötzlich waren Stadtverordnete und Zuhörer hellwach. Für den Weckruf sorgte Bau- und Planungsdezernent Thomas Rausch (CDU), der zu später Stunde mit deutlichen Worten zum vom BID Seltersweg gewünschten Beleuchtungskonzept für die Innenstadt Stellung bezog. Was Rausch zu den Ideen der Planer Hägele und Bartenbach zu Protokoll gab, kam einem Verriss gleich. "Der Lichtplan erfüllt die Erwartungen nicht" und sei "unausgegoren", sagte Rausch. Beispiele wie Göppingen, wo die Ideen der Lichtarchitekten bereits Realität sind, seien in Gießen nicht umsetzbar. Bislang sei von den Planern nichts geliefert worden, was über Computersimulationen hinausgehe.

Die angekündigte Probeinstallation an der Ecke Wolkengasse/Seltersweg, "um überhaupt mal zu sehen, wie das nachts aussieht", sei bislang nicht zustande gekommen, sagte Rausch. Seine Kritik stieß gestern bei Heinz-Jörg Ebert vom BID Seltersweg auf völliges Unverständnis. Rausch rede das Beleuchtungskonzept seit geraumer Zeit madig, obwohl es sogar bei den Experten der Stadt sowie der Stadtwerke, bei Hausbesitzern und Händlerschaft auf große Zustimmung gestoßen sei, betonte Ebert.

Die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung werden sich vor der Sommerpause nun selbst ein Bild vom Konzept der Lichtplaner machen. Auf Antrag der SPD votierte der Hauptausschuss einstimmig dafür, dass Hägele die Chance erhält, seine Ideen in einer gemeinsamen Sitzung des Hauptausschusses und des Ausschusses für Bauen und Planen vorzustellen. Allerdings nur noch für den Bereich Seltersweg und nicht mehr für die gesamte Innenstadt. Auf diese Änderung des SPD-Antrags hatten im Ausschuss die Koalitionsfraktionen gedrängt. Von einem "Beleuchtungs-Masterplan" für die gesamte Innenstadt, den Mario Hägele im Juli vergangenen Jahres einem ausgewählten Kreis, darunter Rausch, präsentiert hatte, ist in dem Antrag nicht die Rede. Auf seiner Internet-Homepage (www.mwerk-s.de) gibt Hägele die Neubeleuchtung der Gießener Innenstadt übrigens bereits als Referenzobjekt an.

Trotz der Einschränkung bedeutet das Ausschussvotum einen Erfolg für den BID Seltersweg, der auf eine solche Präsentation seit Monaten drängt, sich von Rausch aber ausgebremst fühlt. Jetzt hat der Magistrat einen klaren Auftrag der Fraktionen. Auf den verwies am Montagabend auch Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann, als er vom Linke-Stadtverordneten Michael Janitzki gefragt wurde, was der OB von den Äußerungen des Baudezernenten halte. Diese Frage beantwortete Haumann nicht.

Der Konflikt zwischen dem BID Seltersweg und Rausch in Sachen Beleuchtungskonzept schwelt schon länger. Rausch fuhr sogar nach Göppingen, um sich persönlich ein Bild zu machen. Von dort kehrte der Stadtrat mit Fotos zurück, die unter anderem Beleuchtungskörper zeigten, die von Taubendreck überzogen waren. Diese Aufnahmen soll der Stadtrat auch seiner CDU-Stadtverordnetenfraktion vorgelegt haben. Am Montag äußerte Rausch überdies Zweifel, dass die neue Seltersweg-Beleuchtung bei den Bewohnern auf Zustimmung stößt. Rausch sieht ein "Höhenproblem". Die Anwohner würden sich womöglich durch die Lichtquellen in ihrer Nachtruhe gestört fühlen.

Ebert seinerseits verweist darauf, dass Hägeles Konzepte mittlerweile in mehreren deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten umgesetzt worden seien. Bei der Präsentation im Sommer in Gießen habe es "stehende Ovationen" für die Vorstellungen der Lichtplaner gegeben. Auch unter wirtschaftlichen Aspekten sei das Vorhaben tragfähig. Die Stadtwerke hätten das Konzept als strom- und damit kostensparend gelobt, sagte Ebert, der meinte: "Das ist ein durch die Bank gutes Konzept."

Er bestätigte die Rausch-Aussage vom Montagabend, dass die Seltersweg-Beleuchtung eine "On-Top-Leistung" des BID-Quartiers sei, was bedeutet, dass es aus der Kasse des Vereins bezahlt wird. Benötigt wird allerdings die Zustimmung der städtischen Bau- und Planungsverwaltung sowie die technische Unterstützung der Stadtwerke und des Tiefbauamts. Um "die Kuh vom Eis" zu bekommen, regt Ebert neben der Präsentation in Gießen eine Exkursion von Politikern, Stadtplanern und BID-Vertretern nach Zürs und Göppingen an, um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie die Lichtpläne in anderen Städten umgesetzt worden sind.

Quelle: Gießener Allgemeine

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