Auf die Diagonalquerung der Marburger Straße im fließenden (Feierabend-)Verkehr verzichten die Stadradler lieber. Ist auch verboten, denn die durchgezogene Linie des Schutzstreifens darf nicht nach links überfahren werden. (Fotos: mö)
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Auf die Diagonalquerung der Marburger Straße im fließenden (Feierabend-)Verkehr verzichten die Stadradler lieber. Ist auch verboten, denn die durchgezogene Linie des Schutzstreifens darf nicht nach links überfahren werden. (Fotos: mö)

Radfahren in Gießen: Todesmut und Genickstarre

Die "Stadtspazierfahrt" im Rahmen der Aktion Stadtradeln widmete sich auch heiklen Orten für Radfahrer. Es kamen einige zusammen.

Gießen (mö). Für dieses Manöver braucht der Radfahrer vier Dinge: Am besten keinen Autoverkehr, ansonsten ein gutes Auge, schön wäre auch ein Antritt wie Tony Martin und Pkw-Fahrer, die mal kurz den Fuß vom Gaspedal nehmen. Die Rede ist vom Versuch, aus der Marburger Straße nach links in die Sudetenlandstraße abzubiegen. "Todesmutig" nennt Stadtmitarbeiterin Katja Bürckstümmer die Diagonalquerung der hier dreispurigen Ausfallstraße im fließenden Verkehr. Die rund 40 Teilnehmer der "Stadtspazierfahrt" im Rahmen der Aktion Stadtradeln machen es am Dienstagabend völlig anders. Doch dazu später.

Ein Dutzend Punkte im Innenstadtbereich werden auf der sieben Kilometer langen Tour angesteuert. Es sollen "beispielhafte Orte" angefahren werden, an denen die Radverkehrsführung bereits gut gelungen ist, aber auch solche, wo noch Handlungsbedarf besteht, hatte es in der Einladung geheißen. Mitarbeiter der Straßenverkehrsbehörde und des Tiefbauamts radeln ebenso mit wie Bürgermeisterin und Verkehrsdezernentin Gerda Weigel-Greilich sowie natürlich der städtische Radverkehrsbeauftragte Alexander Koch.

Die Teilnehmer erfahren einige Neuigkeiten, was die Planung betrifft, und müssen gleichzeitig zur Kenntnis nehmen, dass an manchen Stellen Verbesserungen kaum möglich sind. Der Übergang von der Marburger Straße in die Sudetenlandstraße ist so eine Stelle. Die Querung Richtung Linksabbiegerspur im fließenden Verkehr ist mit Ausnahme auf Höhe der Einmündung Bückingstraße gar nicht erlaubt; denn für die sogenannten Radschutzstreifen gilt, dass die durchgezogene Linie nicht überfahren werden darf. Also fahren die Stadtradler bis zum Fußgängerüberweg beim Rewe-Markt und schieben die Räder erst über die Marburger und dann über die Sudetenlandstraße. Der Geschwindigkeitsvorteil, den der Radler ansonsten im Stadtverkehr hat, geht so natürlich verloren.

Poller verschwunden

Eine neuralgische Stelle wird auch direkt nach dem Start am Rathaus angesteuert. Die Rede ist von der Radwegeverbindung entlang der innerstädtischen Wieseck, die am Berliner Platz endet. Wie Manfred Wunsch vom Tiefbauamt erläutert, wird hier an einem Übergang oder einer Querungshilfe für Fußgänger und Radfahrer zwischen Löberstraße und dem Parkplatz am Fitnessstudio Cloxx geplant.

Dafür freilich würde der Überweg am Ludwigsplatz entfallen.

Am Uni-Hauptgebäude wird der nächste Stopp eingelegt, denn die Goethestraße soll bekanntlich Gießens erste Fahrradstraße werden, aber Priorität hat die Umwidmung nicht. "Es funktioniert auch so", sagt Weigel-Greilich. Nebenbei fällt auf, dass einige nicht ungefährliche Poller am Rande des Vorplatzes und im Zuge der Goethestraße vor einigen Tagen entfernt wurden.

Pläne hat die Stadt am verkehrsreichen Knotenpunkt Schiffenberger Weg/Gnauthstraße/Nahrungsberg. Hier soll die Radverkehrsführung am Ende des Schiffenberger Wegs durch kleinere Umbauten sowohl stadtaus- als auch stadteinwärts verbessert werden. Moniert wurde hier von Teilnehmern – wie später auch am neuen Überweg Ostanlage –, dass die Ampeln für die Radler zu hoch angebracht worden sind. "Da kriegt man ja Genickstarre", heißt es.

Lob gibt es für den Umbau der Ringallee und die überirdische Querung am Landgericht, wenngleich Teilnehmer hier eine Überregulierung der Kreuzung und zu lange Rotzeiten aus Richtung Landgrafenstraße beklagen. Nach der Fahrt über den neuen Christoph-Rübsamen-Steg – hier wird die Möglichkeit einer Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 vor der Querung des Wißmarer Wegs erörtert – geht’s weiter zu einem radverkehrspolitischen Sorgenkind. Die Rede ist von der Rodheimer Straße und der allseits kritisierten Radwegeführung stadtauswärts. Geplant ist, Radfahrer auf einen separaten Schutzstreifen zu führen.

Quelle: Gießener Allgemeine

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