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Olaf Schubert im Interview: »Rhomben statt Bomben«

Er sieht aus wie ein weiterer schnöder Comedian. Doch Olaf Schubert ist ein Meister der verfehlten Sprache. Nun kommt er am 28. Februar mit seiner neuen Show nach Gießen. Im Interview soll davon aber eigentlich keine Rede sein.

Ich habe vor einigen Tagen gelesen, dass der Pullunder wieder in Mode ist. Was macht den Charme für Sie aus?

Schubert: Der Pullunder ist natürlich eine Obertrikotage mit einer gewissen Extravaganz. Ich sage es mal so: Nicht jeder kann ihn tragen. Mein geschmeidiger Habitus ist allerdings wie geschaffen dafür. Mein Duktus ist bekanntlich eher ektomorph.

Bedeutet: Sie sind schlank.

Schubert: So kann man es auch sagen. Dadurch sieht der Pullunder an mir einfach gut aus. Das ist wichtig, schließlich sieht auch beim Publikum das Auge mit. Da möchte ich punktuelle Reize setzen.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Pullunder erinnern?

Schubert: Ohne Probleme, schließlich ist es der, den ich noch immer trage. Es gibt Fotos, welche nahelegen, dass ich mit dem Pullunder sogar zur Welt gekommen bin.

Aber Sie haben mehr als den einen, oder?

Schubert: Insgesamt braucht man mindestens drei Pullunder, um temperaturtechnisch gerüstet zu sein. Fachkräfte aus dem Erzgebirge haben sie mit großer Hingabe gestrickt. Einen für den Sommer. Einen für den Winter. Einen für den Übergang. Sie unterscheidet die Fadenstärke genauso wie die Strickdichte. Aber auch ganz profan die Größe: Bei einem Pullunder für den Sommer kann es schön sein, wenn er den einen oder anderen Blick auf den Bauch freigibt.

Ist denn Materialermüdung kein Problem?

Schubert: Klar, Maschenbruch. Wir sprechen auch von Gewebespliss.

Ist er eine Art Hommage an Hans-Dietrich Genscher, den vielleicht bekanntesten Pullunderträger aller Zeiten?

Schubert: Eine Hommage eher weniger. Ich sehe darin vielmehr einen Wettstreit um den Titel des bekanntesten Pullunderträgers aller Zeiten. Ebenso ist das Muster meiner Pullunder ein Statement politischer Art: Rhomben statt Bomben. Aber Obacht: Wir müssen auch nach vorne blicken. Es gibt bereits Nachwuchskräfte, die versuchen, mir in Sachen Pullunder in die Kandare zu fahren. Sie haben die Mode selbst erwähnt.

Haben Sie denn Angst, dass Ihnen irgendwann das Markenzeichen abhanden kommt?

Schubert: Ich möchte nicht nur mit Äußerlichkeiten glänzen und mich als Schönling vermarkten, sondern in erster Linie über Inhalte punkten und damit faszinieren.

Zumindest in der Form gelingt das ja: Sie sind ein Meister der verfehlten Sprache. In meinen Augen aber besteht die Gefahr, dass das übersehen wird, weil Sie das Publikum als Comedian im Pullunder wahrnimmt.

Schubert: Die Shows dauern zwei Stunden. Davon ist das Publikum vielleicht für eine eingenommen von der metaphysischen Wirkung des Pullunders und meiner Erscheinung. Aber dann wird es langweilig. Nach der Pause hören sie meist zu. (fd)

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