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Gemeinsam geht alles besser. Der Mensch ist nicht für ein Eremitendasein gemacht. Fotos: Panthermedia/cg

Leben im Alter

Ohne Nähe kein Glück

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Was bedeutet Glück im Alter? Der Neurologe Jürgen Rieke sagt: Wixchtig ist es, in seinem Leben zu Hause zu sein. Das gelingt denen am besten, die geborgen sind in vertrauter Gemeinschaft.

Täler, Höhen, Weggabelungen und der Gipfel. Dr. Jürgen Rieke nimmt seine Zuhörer mit auf eine virtuelle Gebirgswanderung - die anstrengend ist und Kraft kostet wie der Lebensweg aller Menschen. Auf jeder Etappe beschäftigte er sich mit Aspekten des Glücks: Zufriedenheit, Reichtum, Klugheit, Kreativität, Heimat, Vertrautheit, Liebe, Humor, Achtsamkeit, alle diese Dinge spielen im Leben eine Rolle. Die wichtigste Voraussetzung für ein glückliches Leben, daran erinnert Rieke mehrfach, sind die Rahmenbedingungen, die das Staatsgefüge schafft, in dem man lebt. Nur in einem freien Land, in dem eine verantwortungsbewusste Regierung für Frieden, Sicherheit und Wohlstand sorge, könnten Menschen sich entfalten und auf den Weg machen, um ihr Glück zu finden. "Für uns ist das selbstverständlich geworden, aber die Nachrichten zeigen uns täglich das schreckliche Leid auf der Welt". Eine Heimat und Wurzeln zu haben, sei von elementarer Bedeutung. "Viele von uns haben das erst so richtig begriffen, als wir Menschen kennen lernten, die ihre Heimat verloren haben". Eng verknüpft mit diesem wichtigen Gefühl der Vertrautheit sei die Nähe zu anderen Menschen. "Einsamkeit macht krank", betont Rieke. Die erste Liebe, die jeder Mensch erfahre, sei die unbedingte Zuwendung der Eltern, es folgten Geschwister, Verwandte, Freunde, später die Partner und eigene Kinder und Enkel. Diese Bindungen seien existenziell. "Wir sind nicht für ein Eremitendasein gemacht, auch wenn es manchmal verlockend erscheint".

Auch materielle Sicherheit könne zum Glück beitragen, erklärt Rieke. Es sei ein gutes Gefühl, sich im Alter etwas leisten zu können, was einem Freude bereite. Reichtum sei dagegen kein erstrebenswertes Ziel, es sei denn, man teile ihn. "Geben ist seliger denn nehmen", erinnert er. "Unsere Seele spürt das, unser Gehirn weiß das".

Die Lebensfreude eines Kindes, das aus vollem Hals lache, sei Glück pur. Im Alter sei es eher das versonnene Schmunzeln, das glücklich stimme. Humor sei für ein glückliches Leben ohnehin unerlässlich, Heiterkeit nehme ärgerlichen Ereignissen die Schwere. "Humor vergoldet alles im Leben, er löst Konflikte, befreit und lässt Vorurteile schwinden". Im "Werkzeugkasten" für ein glückliches Leben dürfe auch die Kreativität nicht fehlen. Etwas zu erschaffen sei ein wunderbarer Prozess. Dabei spiele es keine Rolle, ob man ein Möbelstück hergestellt, ein Gedicht geschrieben oder einen Kuchen gebacken habe. Das i-Tüpfelchen sei es, wenn man mit dem "Produkt" einen anderen Menschen erfreue - was erneut die Freude des Teilens ins Spiel bringe.

In seinem eigenen Leben zu Hause zu sein beinhalte auch, sich selbst anzunehmen, mit sich und seinen Erinnerungen Frieden zu machen, sich ihrer zu erfreuen. "Man kann sich nicht aus dem Weg gehen", sei eine ebenso kluge wie wahre Erkenntnis. Rieke bemüht in seinem Vortrag viele bekannte Redewendungen des Volksmunds. Dieser berge einen Schatz an Weisheiten, die Orientierung böten. Glück im Alter habe eigene Dimensionen. Statt die bereits verronnene Lebenszeit und die Last des Alters zu beklagen, ermutigt er zu zuversichtlichem Optimismus. Das Glück, sagt der Volksmund, liegt nicht auf der Straße - es will erworben sein. In jedem Alter. Das erkennt der Wanderer im Gebirge hoffentlich nicht erst, wenn er auf dem Gipfel steht.

Vortrag zum Thema Demenz

Der Vortrag "Glück im Alter" hat in der städtischen Veranstaltungsreihe "Heiter bis wolkig" stattgefunden. An jedem ersten Donnerstag des Monats geht es um 16 Uhr in der Kongresshalle um ein Thema, das insbesondere für ältere Menschen relevant ist. Am Donnerstag, 5. Dezember, beschäftigt sich Dr. Beate Radzey (Demenz Support Stuttgart) mit dem Einsatz technischer Hilfen für Menschen mit Demenz.

Der Vortrag "Glück im Alter" hat in der städtischen Veranstaltungsreihe "Heiter bis wolkig" stattgefunden. An jedem ersten Donnerstag des Monats geht es um 16 Uhr in der Kongresshalle um ein Thema, das insbesondere für ältere Menschen relevant ist. Am Donnerstag, 5. Dezember, beschäftigt sich Dr. Beate Radzey (Demenz Support Stuttgart) mit dem Einsatz technischer Hilfen für Menschen mit Demenz.

Quelle: Gießener Allgemeine

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