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Uwe Ochsenknecht eröffnet elftes Krimifestival

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Der Stargast präsentiert sich gut gelaunt und entspannt. Den rund 250 Gästen in der Sparkasse hat er drei humoristische Geschichten mit kriminellem Hintergrund mitgebracht.

Kein geheimnisvoller Nebel, kein knallhartes Kreuzverhör, keine knisternde Spannung: Die Eröffnung des elften Krimifestivals in der Sparkasse gibt sich diesmal humoristisch. Stargast Uwe Ochsenknecht hat zwar drei Kurzgeschichten mit kriminellem Hintergrund im Gepäck, doch die sind eindeutig – sehr zur Freude des Publikums – komischer Natur. Es darf herzhaft gelacht werden, was die rund 250 Besucher an diesem Freitagabend denn auch sichtlich genießen.

Bevor Ochsenknecht jedoch entspannt zur Tat schreitet, gibt’s das obligatorische Interview mit allerlei launigen Fragen von Ilona Dietz, seit Juli neu im Vorstand, und Sparkassen-Chef Peter Wolf. Der 58-jährige Schauspieler, der schon im »Boot« (1981) mitwirkte, seinen Durchbruch mit »Männer« (1985) hatte und in »Schtonk!« (1992) den Hitler-Tagebuchfälscher verkörperte, bekennt: »Das komödiantische Fach liegt mir!« Auch als Kommissar Killmer, der in der ARD-Miniserie »Der Bulle und das Landei« von Frankfurt in die Eifel versetzt wird, kitzelt Ochsenknecht das unfreiwillig Komische, das Kauzige aus seiner Rolle heraus.

Passend zu diesem Part steigt der gut gelaunte Darsteller, der auch Musik macht (»alle fünf CDs sind noch im Handel erhältlich«), mit einer Story aus der Eifel in die reichlich 90-minütige Lesung ein. In »So ganz ohne Nachbarn« von Michael Rossié sucht ein Banker nach zweifelhaften Geschäften die Abgeschiedenheit auf dem Land. Doch er hat die Rechnung ohne einen pfiffigen Journalisten gemacht, der ihn enttarnt und damit sanft, aber bestimmt erpresst.

Zur Höchstform läuft Ochsenknecht dann in der zweiten Geschichte auf. Bei »Entführt in Ehrenfeld« von Helmut Frangenberg demonstriert er sein komödiantisches Können, liest mit verteilten Rollen in unterschiedlichen Dialekten und dreht schließlich gestenreich ordentlich auf. Das geht nicht ohne gründliche Vorbereitung, und die Zuhörer haben sichtlich ihren Spaß, wenn der Entführer im herrlichsten Türken-Slang den Kölner Karnevalsprinzen als Geisel am Minarett der Ehrenfelder Moschee baumeln lässt. So viel ist am Ende der langen Story mit sozialem Tiefgang klar: Die Prinzenproklamation in Gürzenich muss diesmal ausfallen.

Für willkommene Verschnaufpausen sorgt die hauseigene dreiköpfige Sparkassen-Band Must ride on wheels mit angenehmem Sound, die talentierte Sängerin steht sonst als Kundenberaterin in Reiskirchen hinter dem Schalter.

Einen Zuschlag gibt es noch an diesem unterhaltsamen Abend: In »Auf Abwegen« von Erika Kroell schlüpft Ochsenknecht in die Rolle eines Möbelhausbesitzers, dem seine Neugierde in Sachen Sadomaso-Praktiken zum Verhängnis wird, er nur mit Müh und Not seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Natürlich gewinnt der drahtige Mime auch dieser Story amüsante Aspekte ab, die am Ende mit reichlich Beifall und der Überreichung einer limitierten Krimifestival-Lithografie der hiesigen Künstlergruppe 3Steps belohnt werden.

Wer Ochsenknecht übrigens als Eifelkommissar Killmer noch nicht gesehen hat, kann dies heute Abend um 20.15 Uhr bei SWR3 mit der jüngsten »Der Bulle und das Landei«-Folge »Von Mäusen, Miezen und Moneten« nachholen.

Marion Schwarzmann

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