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NSU-Urteil zieht Gießener nach München

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Von: Eva Diehl

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Gießen/München (edg). Tausende Demonstranten forderten nach dem Urteil im NSU-Prozess am Mittwoch in München eine intensivere Aufarbeitung der rechtsextremistischen Terrorserie – darunter auch 30 Studierende aus Gießen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Justus-Liebig-Universität hatte dafür einen Bus von Gießen in die bayerische Hauptstadt gechartert. »Es muss weiter thematisiert werden, was geschehen ist«, sagt Tim Eichel vom AStA-Referat für Antirassismus und Antifaschismus. Von staatlicher Seite habe es keine hinreichende Aufklärung der Taten und Hintermänner des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gegeben. Vielmehr seien Akten geschreddert oder für über 100 Jahre unter Verschluss gestellt worden. »Das spricht für sich«, sagt er. »Niemand, der heute lebt, wird das jemals erleben.«

Gießen/München (edg). Tausende Demonstranten forderten nach dem Urteil im NSU-Prozess am Mittwoch in München eine intensivere Aufarbeitung der rechtsextremistischen Terrorserie – darunter auch 30 Studierende aus Gießen. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Justus-Liebig-Universität hatte dafür einen Bus von Gießen in die bayerische Hauptstadt gechartert. »Es muss weiter thematisiert werden, was geschehen ist«, sagt Tim Eichel vom AStA-Referat für Antirassismus und Antifaschismus. Von staatlicher Seite habe es keine hinreichende Aufklärung der Taten und Hintermänner des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gegeben. Vielmehr seien Akten geschreddert oder für über 100 Jahre unter Verschluss gestellt worden. »Das spricht für sich«, sagt er. »Niemand, der heute lebt, wird das jemals erleben.«

Für ihr politisches Engagement vor dem bayerischen Gerichtsgebäude waren die Studierenden fast 24 Stunden unterwegs. Der AStA-Bus startete um sechs Uhr am Mittwochmorgen und war am Donnerstag erst gegen 4.30 Uhr in der Früh zurück. In München liefen sie im Demozug hinter Angehörigen der NSU-Opfer mit, hörten Anwälte und Betroffene reden. »Das hat mich sehr berührt – und tut es noch jetzt«, sagt Eichel über den Auftritt eines Anschlagsopfers. »Angesichts der Relevanz und Brisanz des Themas hätten viel mehr Menschen demonstrieren müssen.« Mit ihrer Teilnahme hätten die Studierenden Opferfamilien und Betroffenen ihre Solidarität zeigen wollen.

»Kein Schlussstrich«

An dem Ort des über fünf Jahre langen Mammutprozesses versammelten sich nach Angaben der Polizei 3000 und der Veranstalter 6000 Menschen zu einer friedlichen Kundgebung. Auch in Berlin, Hamburg, Rostock, Kiel und Frankfurt fanden Demonstrationen unter dem Motto »Kein Schlussstrich« statt. Der Gießener AStA engagiert sich im Bündnis »Kein Schlussstrich Hessen«, das auch zu der Veranstaltung in Frankfurt aufgerufen und einen Bus von dort nach Bayern organisiert hatte.

Das Oberlandesgericht München hatte die Hauptangeklagte, NSU-Mitglied Beate Zschäpe, nach fast 440 Verhandlungstagen zu lebenslanger Haft wegen zehnfachen Mordes verurteilt. Zudem stellte es eine besondere Schwere der Schuld fest. Vier Mitangeklagte erhielten mehrjährige Haftstrafen. Der NSU ermordete bis 2011 neun Gewerbetreibende türkischer und griechischer Herkunft und eine Polizistin. Er beging zudem Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle.

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