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Ins Dachgeschoss der Alten Post zieht das Gesundheits-TV-Netzwerk im September 2020 ein. Foto: Schepp

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Gießen: "TV-Wartezimmer" zieht in Alte Post - Das steckt hinter dem Unternehmen

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In das Dachgeschoss der Alten Post wird im September 2020 ein Vertreiber und Produzent von Patientenfernsehen einziehen: "TV-Wartezimmer".

Gießen - Wenn es mal wieder länger dauert beim Arzt, greifen Patienten zu Zeitschriften oder Zeitungen, die in der Praxis im Wartezimmer liegen. Oder sie zücken ihr Smartphone zum Zeitvertreib. Immer häufiger jedoch gibt es in Praxen Wartezimmerfernsehen. Einer der führenden Produzenten und Vertreiber ist das Unternehmen "TV-Wartezimmer". Ab September 2020 wird die in Freising bei München gegründete Firma auch einen Standort in Gießen haben: in der Alten Post. "Neue Medien, altes Gebäude, das passt", sagt der Gründer und Geschäftsführer Markus Spamer.

Spamer stammt aus Hermannstein bei Wetzlar; aktuell lebt er in Braunfels. Sein Unternehmen gegründet hat er 2003 in Bayern. Weitere Standorte von TV-Wartezimmer gibt es in München, Augsburg, Braunfels und zukünftig auch in Bad Homburg und Gießen. "Ich kenne die Alte Post noch von früher", sagt Spamer, "sie ist wunderschön." Als er davon hörte, dass das denkmalgeschützte Gebäude wieder mit Leben gefüllt werden soll, habe er nicht lange überlegen müssen. Der Mietvertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren. Ist das kein Risiko? Spamer sagt, Eigentümer Kai Laumann habe für den Umbau viele Wünsche von TV-Wartezimmer berücksichtigt. "Im Gegenzug haben wir uns lange verpflichtet." So einfach ist das.

Im Dachgeschoss der Alten Post baut die Firma auf 350 Quadratmetern für etwa 60 Mitarbeiter eine neue Vertriebseinheit auf, die ein regionales Gesundheitsfenster auf TV-Wartezimmer vermarkten soll. Neben der Akquise soll hier auch produziert werden. "In Gießen haben wir Anschluss an eine kreative, junge Szene und durch die perfekte Anbindung an den ÖPNV gleichzeitig ein großes Einzugsgebiet bis in den Vogelsberg", sagt Spamer. Ihm geht es mit seiner dezentralen Unternehmensstruktur also auch darum, junge Fachkräfte und Talente für die Firma zu finden.

Mit über 7000 installierten Systemen in deutschsprachigen Arztpraxen und Kliniken sei TV-Wartezimmer Marktführer für die audiovisuelle Arzt-Patientenkommunikation im Wartebereich, sagt Spamer. Das Unternehmen biete seinen Zuschauern rund um die Patientenfilme über Vorsorgemöglichkeiten und Therapieformen ein tagesaktuelles Rahmenprogramm: Diese Mischung aus Dokumentationen wie Tierfilme, um vielleicht nervöse oder aufgeregte Patienten zu beruhigen, Nachrichten aus Politik und Gesellschaft sowie Werbung und Unterhaltung nutzten aktuell über sieben Millionen Patienten pro Monat.

Kunden seien Ärzte aller Fachrichtungen der Human-, Dental- aber auch Veterinärmedizin. Sie können auf eine Mediathek mit über 800 zertifizierten Patientenfilmen zugreifen - auch speziell auf ihr Angebot abgestimmt. Spamer sagt, TV-Wartezimmer trage dazu bei, "die allseits gewünschte Verbraucher- und Patienten-Souveränität zu festigen". Dazu seien Informationen zu Methoden und Leistungen im Gesundheitswesen nötig; das schaffe Transparenz für den Patienten und sichere langfristig auch sein Vertrauen. Diese Inhalte sollten ihm dort vermittelt werden, wo er sie auch erwartet: "Im Wartezimmer, unmittelbar vor seinem Termin", sagt Spamer. Sein Unternehmen arbeite dafür unter anderem mit Berufs- und Fachverbänden, Kammern und Ärztenetzen zusammen.

Info: Nur noch wenig Platz frei

Zweimal 700 Quadratmeter Mietfläche in den Zwischenetagen der Alten Post hat Kai Laumann noch zu vergeben. Ansonsten sind die beiden Altgebäude und der Neubau neben dem Telegrafenamt vergeben. Ankermieter ist dort das Unternehmen Klarna. In die Alte Post werden die Bitburger Braugruppe und TV-Wartezimmer einziehen. Die Bar im alten Kesselhaus übernimmt Dimitri Skartsanis, der in der Fußgängerzone das Restaurant "Geschmacksverkehr" leitet.

Quelle: Gießener Allgemeine

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