+
In der Gleisgabel neben dem Riegelpfad könnte ein Haltepunkt entstehen. Links das Gleis der Lahn-Kinzig-Bahn, rechts das der Vogelsbergbahn. 

Nahverkehrsplan

Neue Bahnhaltepunkte in Gießen in weiter Ferne

  • schließen

Politische Beschlüsse sind das eine, die Umsetzung ist das andere. Vor allem, wenn es um die Einrichtung neuer Bahnhaltepunkte im Gießener Stadtgebiet geht.

Die SPD-Stadtverordnetenfraktion hatte es Ende Mai vergangenen Jahres eilig. Die Stadtverordnetensitzung war kaum beendet, da wurde auf der Facebook-Seite der Fraktion der Beschluss über die Einrichtung neuer Bahnhaltepunkte gefeiert. Aber auch den Sozialdemokraten war bewusst, welch langer Weg bis zu einer "Regio-S-Bahn" zurückzulegen ist. Von einem "ersten Schritt" war in dem Post die Rede. Die letzten Schritte werden die meisten, die den Beschluss gefasst haben, zumindest als Stadtverordnete nicht mehr erleben. Der Bau der neuen Haltepunkte an der Vogelsbergbahn und der Main-Weser-Bahn in dem Jahrzehnt, das soeben begonnen hat, ist unwahrscheinlich.

Gießen: Zwei Haltepunkte werden geprüft

Dies zeigt der Blick in den Entwurf des Regionalen Nahverkehrsplans des Rhein-Main-Verkehrsverbunds, in dem die Entwicklung des Nahverkehrs in weiten Teilen Hessens bis 2030 beschrieben wird. Die von der Gießener Stadtpolitik gewünschten neuen Bahnhaltepunkte rangieren dort nur unter ferner liefen in einer Liste mit ungeprüften "Anregungen". Genannt werden neben den vom Stadtparlament gewollten Haltepunkten US-Depot (Vogelsbergbahn), Aulweg (Vogelsbergbahn/Lahn-Kinzig-Bahn) sowie Rodtberg/Wißmarer Weg (Main-Weser-Bahn) noch Rödgen (Vogelsbergbahn) sowie ein Haltepunkt Marshall-Siedlung/Grünberger Straße (Vogelsbergbahn). Sie wurden offensichtlich dem aktuell gültigen städtischen Nahverkehrsplan entnommen. Wie es in einer Erklärung des RMV zu der Liste heißt, gebe es zu diesen Haltepunkt-Vorschlägen noch keine Prüfung ihrer "Wirkung im lokalen Verkehr".

Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne), die die Sadt Gießen im RMV-Aufsichtsrat vertritt, reagiert auf die Einstufung gelassen: "Beim RMV sind unsere Beschlüsse ja schon angekommen, ich begrüße das sehr." So soll eine gemeinsame Machbarkeitsstuvon RMV, Stadt Gießen und dem Zweckverband Oberhessischer Versorgungsbetriebe (ZOV) für die Haltepunkte an der Gleisgabel Aulweg und dem Wohn und Gewerbegebiet Alter Flughafen (Ex-US-Depot) auf den Weg gebracht werden. "Aber auch ohne eine vertiefende Untersuchung ist klar, dass ohne Beschleunigung der Vogelsbergbahn und der Lahn-Kinzig-Bahn neue Haltepunkte nicht dazukommen können", erklärt Weigel-Greilich. Deshalb hätten logischerweise andere Haltepunkte für den RMV Priorität.

Gießen: Zweites Gleis ist Voraussetzung

Eine Beschleunigung könne nur mit mehr Kreuzungsbahnhöfen, also letztlich dem zweigleisigen Ausbau der Vogelsbergbahn und einer Modernisierung des Schienennetzes durch die Bahn erfolgen. Weigel-Greilich: "Deshalb ist es notwendig, die Haltepunkte anzumelden." Diese seien auch zunächst unabhängig von einer im städtischen Verkehrsentwicklungsplan zu untersuchenden Regio-Tram bzw. Straßenbahn zu sehen.

In dieser Bewertung ist sich die Gießener Stadträtin mit dem Fahrgastverband ProBahn einig. Der hatte den Beschluss des Gießener Stadtparlaments zur Einrichtung der Haltepunkte im Frühjahr vergangenen Jahres zwar ausdrücklich begrüßt, aber auf die Voraussetzung hingewiesen, die Strecke mindestens im Abschnitt Gießen-Grünberg zweigleisig auszubauen. Andernfalls werde die Bahn auf der Strecke ausgebremst und unattraktiv. "Ohne einen Ausbau der Gleis- infrastruktur mit längeren Begegnungsabschnitten machen die neuen Haltepunkte an der Vogelsbergbahn keinen Sinn", erklärte ProBahn damals und forderte, die Auswirkungen auf den Fahrplan "genau zu untersuchen". Es dürften keine Investitionsentscheidungen getroffen werden, die für andere Kommunen entlang der Strecke Nachteile mit sich brächten.

Das heißt: Ohne zweigleisgen Ausbau der Strecke Gießen-Fulda, der in den nächsten Jahren nicht ansteht, gibt es keine neuen Haltepunkte.

Die Lumdatalbahn und die Horlofftalbahn haben den Sprung in den RMV-Nahverkehrsplan bis 2030 geschafft. Aufgenommen wurde auch zwei zusätzliche Haltepunkte auf der Strecke GI-Gelnhausen, wo es laut RMM eine "Fahrzeitreserve" für einen zusätzlichen Haltepunkt gibt: Entweder in Polheim-Hausen oder Lich-West.

Quelle: Gießener Allgemeine

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare