Musikschule Gießen war zu Besuch in Netanya

Mitglieder der Musikschule Gießen/Butzbach waren Anfang Januar zu Gast in der israelischen Partnerstadt Netanya. Drei Konzerte gaben die Musiker gemeinsam mit ihren Gastgebern.

Es muss schon ein denkwürdiger Anblick gewesen sein, als Anfang Januar eine 33-köpfige Delegation der Musikschule Gießen in die israelische Partnerstadt Netanya reiste, um gemeinsam mit Instrumentalisten der dortigen kommunalen Musikschule und des Nitzan-Chors zu musizieren. Denn nicht nur die Musiker – der Jüngste zwölf, der älteste über 60 Jahre alt – machten sich mit dem Flugzeug auf in die Stadt am Mittelmeer, sondern auch all ihre Instrumente. Und weil Celli und Horn keine transportsicheren Instrumentenkästen hatten, um im Gepäckraum verstaut zu werden, mussten für vier Celli eigene Sitzplätze in der Kabine gebucht werden. Auch das Horn reiste auf dem Schoß seiner Besitzerin mit.

Erlebnisreiche Tage haben die Schützlinge von Musikschulleiterin Katja Marauhn in Israel verlebt. Nachdem im August 2010 der Nitzan-Chor aus Netanya unter der Leitung von Vita Gurevich in Gießen zu Gast war und zahlreiche Auftritte absolviert hatte, stand nun der Gegenbesuch von Gießener Seite an – übrigens der erste rein kulturelle Austausch von städtischer Seite.

Untergebracht waren die Musiker – Schüler und Lehrer der Musikschule Gießen und drei aus Butzbach – in Gastfamilien, um möglichst viel vom alltäglichen Leben in Israel mitzuerleben und Freundschaften schließen zu können. Neben Freizeitaktivitäten, Stadtführungen und gemeinsamen Essen – hierbei beeindruckte die außerordentliche Gastfreundschaft der israelischen Familien – standen auch drei Konzerte auf dem Programm. Unter der künstlerischen Leitung von Martin Gärtner probten Deutsche und Israeli zusammen, Vita Gurevich dirigierte den Nitzan-Chor und gemeinsam gestalteten alle Musiker drei anspruchsvolle Konzerte.

Bereits am zweiten Tag nach der Ankunft stand ein Auftritt im Kulturzentrum von Kfar Jona, einem Ort etwa 20 Kilometer entfernt von Netanya, auf dem Programm. Tags drauf folgte in eher familiärer Atmosphäre ein Konzert im Kibbuz Kabri und beim großen Abschlusskonzert am letzten Abend der Woche in der Musikschule von Netanya zeigte sich, dass die Musiker aus Deutschland und Israel gut zueinandergefunden hatten.

Gustav Holsts "Brook Green Suite", die Sinfonie Nr. 100 von Joseph Haydns, zwei Sätze aus Charles Gounods "Petite Symphonie" für Bläser, zwei Menuette für Streicher von Giacomo Puccini und das Rondo aus dem Flötenkonzert von Johann Quantz (Solist: Michel Weiss) erklangen. Gemeinsam mit dem Nitzan-Chor wurde auch das "Stabat Mater" von Giovanni Pergolesi in das Programm aufgenommen.

Einen Teil der Stücke hatten die Gießener bereits beim Konzert im August vergangenen Jahres zum 20-jährigen Jubiläum der Musikschule aufgeführt, andere Werke wurden getrennt voneinander vorbereitet, der Feinschliff erfolgte dann gemeinsam vor Ort mit den Musikern aus Netanya.

Neben der Musik hatten die israelischen Gastgeber, aber auch Musikschulleiterin Katja Marauhn, ein umfangreiches Besichtigungsprogramm zusammengestellt. Stets waren fachkundige Reiseführer zur Stelle. Besichtigt wurden Tel Aviv und die Altstadt von Jaffa sowie das Museum zur Geschichte der jüdischen Diaspora als Einstimmung auf die Geschichte Israels. Die Kreuzfahrerstadt Akko stand auf dem Plan und auch ein Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem mit Führungen. Es gab Gelegenheit zu einem Gespräch mit einer Pfarrerin im evangelischen Pilger- und Besucherzentrum auf dem Ölberg und anschließender Führung über den Ölberg hinunter in die Altstadt von Jerusalem.

Dort bezog die Reisegruppe zudem für eine Nacht ein Hotel am Rande der Altstadt, um das besondere Flair dieser Stadt an einem Freitagabend zum Sabbat hautnah zu erleben. Und dass die Gruppe zurück in Netanya auch am Strand eine schöne Zeit verbringen konnte, bedarf wohl keiner weiteren Erklärung – auch wenn einer der jungen Musiker ein "unfreiwilliges" Bad nahm und anschließend den Rest des Tages in seiner festlichen Bekleidung für das Konzert am Abend verbringen musste.

Am Morgen des 9. Januar traten die Gießener dann wieder die Heimreise an – vorbei an den peniblen und zeitraubenden israelischen Sicherheitskontrollen am Flughafen. Noch steht nicht fest, wann der Gegenbesuch aus Israel in Gießen sein wird. Angedacht ist der Frühling 2013. gl

Quelle: Gießener Allgemeine

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