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Musical-Gala der Extraklasse in der Kongresshalle

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Bekannte Melodien und Vorboten eines neuen Erfolgshits gab es bei der Musical-Gala in der fast ausverkauften Kongresshalle zur Freude des Publikums.

Es zeugt zweifellos von gesundem Selbstbewusstsein, wenn ein Veranstalter ein Programm mit Musical-Highlights anbietet und noch hinzufügt, dass es sich um »Die Musical-Gala der Extraklasse« handele. Dieses Versprechen kam offensichtlich gut an, denn bis auf einige wenige Plätze war der große Saal der Kongresshalle dicht besetzt. Bei derart formulierten Ankündigungen eines optimalen Hörgenusses gibt es eigentlich nur zwei Alternativen: Entweder klägliches Scheitern, weil das Gebotene in keiner Weise dem Versprochenen entspricht. Oder die Alternative: Der Zuschauer erlebt tatsächlich genau das in Aussicht gestellte Musikerlebnis. Die Entscheidung fällt in diesem Fall eindeutig auf der Bühne. An den Akteuren liegt es nun, ob durch stimmliche und tänzerische Qualität, verbunden mit einer guten mimischen Begabung, das Publikum überzeugt werden kann.

Je drei Männer und Frauen schickten sich nun an, das Publikum in der Kongresshalle zu erobern. Und schon bei den ersten beiden Liedern aus dem von Gene Kelly zur Legende gemachten Musical »Singing in the rain« zeichnete sich ab, dass hier gestandene Könner mit reichlich Bühnenpräsenz antraten. So gab es von Anfang an den berühmten Draht zum Publikum, und auch wenn sich die Gießener mit dem Mittanzen schwertaten, waren am Ende alle begeistert und konnten die fast drei Stunden der Konzertdauer als schöne verbuchen.

Von Disney bis Motown

Von der thematischen Bandbreite des Musicals vermittelten die Künstler mehr als nur eine Ahnung. Flotte Moderation sorgte für nützliches Hintergrundwissen, eine wunderbare Lichttechnik zauberte passende optische Reize. Zudem bewiesen die Kostüme, dass keine komplette Verkleidung notwendig ist, um die entsprechende Bühnenfigur darzustellen. Lieder wie etwa »Musik der Nacht« oder »Könntest du doch wieder bei mir sein« aus dem »Phantom der Oper« wirkten allein durch Stimme und Darstellung.

Das Programm las sich wie eine Menükarte der leckersten Musical-Happen, von den Disneyfilmen mit King Louie aus dem »Dschungelbuch«, »Aladdin«, »Tarzan«, »Mary Poppins« bis zur kleinen Meerjungfrau. Auf der Bühne zu treffen waren auch Sissi, der König der Löwen, Cats, die drei Musketiere, »My fair Lady«, Joseph und der Starlight Express. Dass das Musical auch Tragik nicht ausklammert, bewiesen Lieder aus Victor Hugos Vorlage für »Die Elenden« (Les Misérables) oder auch »Letzte Nacht der Welt« aus »Miss Saigon«. Eine Hommage an Queen und Abba durfte nicht fehlen und begeisterte. »Alles was du kannst« stammt nicht nur aus »Annie get your gun«, sondern galt wohl auch für die Künstler, die alles gaben, um das Publikum nicht zu enttäuschen.

Es ist keine Phrase, wenn man Janina Goy, der Schwedin Nadja Jägard und der Norddeutschen Ellen Wawrzyniak bescheinigt, dass sie Ohrenschmaus und Augenweide mit viel Charme und echter Frauenpower kombinierten. Umgekehrt ist auch den drei Herren – dem Schweden Petter Bjällö, dem gebürtigen US-Amerikaner Daniel Dodd-Ellis und dem Amerikaner Dennis LeGree – beeindruckende stimmliche Kapazität und optische Präsenz zu attestieren.

Fazit: Noch zum Schluss mit Kostproben aus dem in den USA erfolgreichen, sonst noch nicht nach Deutschland vorgedrungenen »Motown the Musical« hielten die Musiker hohes Niveau. Das unwiderruflich letzte Lied »Und immer wieder geht die Sonne auf« passte perfekt. Das geht sogar am Abend auf der Bühne, eben mit einer »Musical-Highlights-Gala der Extraklasse«. Hans-Wolfgang Steffek

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