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Millionärssohn muss in geschlossene Anstalt

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Gießen (ba). Was hätte aus diesem Mann alles werden können? Das Abitur hatte er vor rund 20 Jahren bestanden und einen Studienplatz für Jura in Bayern angetreten. Er stammt aus gutem und sehr wohlhabendem Hause. Und gerade das könnte der Grund für sein Scheitern sein. Seit einigen Tagen steht fest: Der Millionärssohn mit der ebenso schillernden wie tragischen Vergangenheit wird zwecks Alkoholtherapie in einer geschlossenen Anstalt untergebracht.

Gießen (ba). Was hätte aus diesem Mann alles werden können? Das Abitur hatte er vor rund 20 Jahren bestanden und einen Studienplatz für Jura in Bayern angetreten. Er stammt aus gutem und sehr wohlhabendem Hause. Und gerade das könnte der Grund für sein Scheitern sein. Seit einigen Tagen steht fest: Der Millionärssohn mit der ebenso schillernden wie tragischen Vergangenheit wird zwecks Alkoholtherapie in einer geschlossenen Anstalt untergebracht. Erfolg und Misserfolg dieser mindestens neun Monate dauernden Behandlung entscheiden dann darüber, ob der 40-Jährige, der als sogenannter Hangtäter gilt, zwei Jahre Freiheitsstrafe im Gefängnis verbüßen muss.

Die schon vor Jahren begangenen Taten des Angeklagten spielten jetzt im Verfahren vor der Achten Strafkammer am Landgericht keine Rolle mehr. Der 40-Jährige war geständig. Stets im Zustand geistiger Umnachtung hatte er nach maßlosem Alkoholkonsum am Bahnhof und auf dem Reichensand den Arm zum Hitler-Gruß erhoben, hatte Polizisten, die sich daraufhin seiner annahmen, als Nazi-Bullen beschimpft, sie geschlagen, bespuckt und sich der Festnahme widersetzt. Nach Ausnüchterung in der Zelle hatte er sich immer artig entschuldigt und glaubhaft versichern können, dass ihm der Vorfall unendlich leid tue.

Die Finger vom Alkohol ließ er aber nicht. 20 Vorstrafen stehen im Bundeszentralregister, und alle Taten wurde im Rausch verübt.

Als in der Allgemeinen Zeitung vor etlichen Jahren das erste Mal über den Angeklagten und dessen Verfahren vor dem Amtsgericht berichtet wurde, stand in der Unterzeile »Alkoholiker seit Party mit Gunter Sachs und Gianni Versace«. Von seiner ausschweifenden Studentenzeit in München hatte der Angeklagte damals wortreich berichtet, von der Hautevolee und Schickimicki-Szene an der Isar, und er war stets mittendrin. Damals rühmte er sich, die Klatsch-Presse sei hinter ihm hergewesen, und zählte die Zeitschriften auf, in denen über ihn berichtet worden sei. Schließlich hätten ihn die »Paparazzi« für einen »von Richthofen« gehalten.

Und auch jetzt vor dem Landgericht, wo es schicksalsergeben nur noch um Heilanstalt oder »sofort in den Knast« ging, kam der Mann mit der Onassis-Brille und dem obligatorischen Halstuch wieder ins Plaudern. Damals, als er noch mit Soraya und Sean Connery... Die Kammer unter Vorsitz von Richter Dr. Johannes Nink beeindruckte das wenig. Ebenso wie von Staatsanwältin Dr. Carina Häublein beantragt, entschieden die Richter auf Unterbringung.

Dazu hatte auch das Gutachten des Psychiaters Dr. Rainer Gliemann beigetragen, der von einem ständigen Hang des Angeklagten sprach, Alkohol zu trinken und dann Straftaten zu begehen. »Kein Alkohol, keine Delikte«, so der Arzt. Doch ist der 40-Jährige nach eigener Aussage ohne Wodka derzeit nicht lebensfähig. Ohne medizinisch-therapeutische Hilfe wird der Angeklagte nicht in ein normales Leben zurückkehren können; hirnorganische Schäden sind bereits eingetreten. Er akzeptierte das Urteil sofort.

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