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Michael Menges ist ein Fan von Oldtimern. Den Porsche auf dem Poster hat er in einer alten Scheune entdeckt. FOTO: SCHEPP

Mensch, Gießen

Michael Menges: Erst die Familie, dann der Erfolg

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Der Immobilienverwalter Michael Menges hat in Gießen ein kleines Imperium aufgebaut. Er betreut rund 8500 Einheiten. Trotzdem stellt er nicht Erfolg, sondern Familie über alles.

Es gibt schlechtere Büros als das von Michael Menges. Wenn er an seinem großen Schreibtisch sitzt, blickt er auf einen imposanten Eichenschrank. Dreht er sich nach hinten, fällt sein Blick auf die mannshohe Fotografie eines Porsche 356sc. "Das war ein Scheunenfund", sagt der 51-Jährige mit einem breiten Lächeln.

Und wenn der Chef von Gießens größter Immobilienverwaltung aus dem Fenster schaut, sieht er einen Ausschnitt seiner Heimatstadt. Vermutlich müsste Menges nicht lange suchen, um ein Gebäude zu entdecken, das von seinem Unternehmen verwaltet wird. Über 8000 Einheiten sind es in Gießen, Marburg, Wetzlar Friedberg und Frankfurt. Es ist aber nicht das Mobiliar oder die Aussicht, die den Gießener so gerne zur Arbeit kommen lassen. Es sind die familiären Beziehungen, die er hier in der Alicenstraße pflegt. Nicht nur mit seinen Angestellten.

Menges ist in Kleinlinden aufgewachsen. Und das in einem vollen Haus. "Meine Schwester, meine Eltern, die Oma und zwei Studenten, die zur Untermiete bei uns wohnten", zählt Menges auf. Während die Mutter ihre Zeit zwischen Haushalt und der halben Stelle als Sekretärin aufteilte, widmete sich der Vater voll und ganz seinem Beruf. Menges senior prägte damit auch den Lebensweg des Sohnes. "Ich habe mich in der Schule für Mathe interessiert und schon immer die Nähe zu Menschen gesucht. Da mein Vater bei der Sparkasse war, habe ich gedacht, das könnte auch etwas für mich sein."

Doch schon bald zeichneten sich Änderungen ab. Claus Rüdiger Menges konnte seine Fähigkeiten bei der Sparkasse nicht wie gewünscht unter Beweis stellen, und so verließ der Bereichsleiter nach über 30 Jahren das Finanzunternehmen. Stattdessen kaufte er 1987 eine kleine Hausverwaltung. Die Firma Menges war geboren.

Heute sitzt Sohn Michael im Chefsessel. Er gestaltet das Unternehmen aber schon seit 27 Jahren mit. Nach seiner Ausbildung hospitierte er in München bei einer Immobilienverwaltung und setzte in Freiburg noch ein Studium obendrauf. "Das war eine gute Schule", sagt Menges, "ich habe alles von der Pike auf gelernt."

Trotzdem war es sein Vater, von dem er am meisten lernte. Zum Beispiel, dass es Fleiß benötigt, um erfolgreich zu werden. "Wir haben immer gut zusammengearbeitet. Mein Vater war aber auch gut darin, Arbeit zu verteilen", sagt Menges mit einem vielsagenden Lächeln. Es sind aber nicht nur die positiven Eigenschaften des Vaters, die den Sohn geprägt haben.

"Er war immer sehr auf seine Arbeit fokussiert. Anderen Dingen hat er hingegen weniger Beachtung geschenkt." Zum Beispiel den Tennisturnieren und Leichathletikwettkämpfen, die sein Sohn in der Jugend bestritten hat. Menges hätte sich gefreut, wenn der Vater vorbeigeschaut hätte. "Das h at er aber nicht getan." Heute ist Menges selber Vater. Und das wöchentliche Tennismatch mit seinem 16-jährigen Sohn Finn Laurentin steht genauso fest im Terminkalender wie die Drachenbootrennen oder die gemeinsamen Konzertbesuche. "Ich mache jetzt genau das, was ich bei meinem Vater vermisst habe."

Womöglich resultiert diese Lebenseinstellung aus den Erfahrungen, die Menges im Dezember 2003 machen musste. Denn so gut sich sein Sohn auch gemacht hat, so beschwerlich war sein Start ins Leben. "Finn ist zehn Wochen zu früh auf die Welt gekommen", erzählt Menges. Noch heute muss er schlucken, wenn er an die dramatische Zeit denkt. "Finn musste sehr schnell intensiv behandelt werden. Wir haben ein Vierteljahr im Krankenhaus verbracht." Das habe ihn für sein weiteres Leben stark geprägt, sagt Menges. "Solche Erfahrungen relativieren vieles im Leben. Seitdem weiß ich: Ein Wasserschaden ist kein Weltuntergang." Vor allem aber habe die Frühgeburt die Familie zusammengeschweißt. "Wir stehen sehr eng zusammen. Mein Sohn und meine Frau sind alles für mich."

Es ist jetzt 17 Jahre her, dass eine Freundin von Menges eine Kommilitonin mit zum Essen brachte. Um den Gießener war es geschehen. "Mir war sofort klar, dass sie die Liebe meines Lebens ist." Zu seinem Glück fühlte seine Angebetete genauso. Vier Monate später waren die beiden verlobt, weitere vier Monate später verheiratet. Menges senior, so erzählt es der Sohn, soll damals gesagt haben. "Wir sind doch nicht in Hollywood." Das stimmt. Aber auch in Gießen gibt es offenbar filmreife Liebesgeschichten.

Menges bezeichnet seine Frau als "Glücksgriff". Damit meint er nicht nur das Privatleben. Die Journalistin Kirsten Menges hat für das Fernsehen gearbeitet, bevor sie ebenfalls in den Familienbetrieb wechselte. "Sie hat maßgeblichen Anteil an der Außendarstellung der Firma, sie kümmert sich aber auch um das Personalmanagement." Kirsten Menges verdanken die Mitarbeiter auch die Yoga-Lehrerin, die einmal in der Woche in das Unternehmen kommt. Und auch den "Healthy Friday" hat sie in die Firmenphilosophie integriert. Bei einem gemeinsamen Frühstück besprechen die Teammitglieder die anstehenden Arbeiten. Wobei "healthy" auch ein dehnbarer Begriff sein kann. "Wenn ich mal an der Reihe bin mit der Frühstückszubereitung", sagt Michael Menges grinsend, "gibt es auch mal Fleischwurst." Der Geschäftsführer lässt keinen Zweifel daran, dass er gerne in seinem Unternehmen arbeitet. Und er glaubt auch, dass seine Mitarbeiter zufrieden sind. "Es ist zumindest ein gutes Zeichen, dass ich regelmäßig von den Kollegen gefragt werde, ob ich auf ein Bier mit ins Justus komme."

Geselligkeit spielt im Leben von Menges ohnehin eine große Rolle. Sein Freundeskreis ist ihm wichtig, mit seinen vier (!) Grills verköstigt er zudem gerne die Nachbarn. Auch als Handelsrichter und Mitglied der IHK-Vollversammlung hat er viel mit Menschen zu tun, als Round-Table-Mitglied, Rotarier und Unterstützer der Tour der Hoffnung kann der Gießener die Geselligkeit gleich noch mit dem guten Zweck verknüpfen.

Menges wäre nicht der erste Chef, der nach außen Harmonie predigt und intern die harten Bandagen anlegt. Aber das scheint in Gießens größter Immobilienverwaltung nicht der Fall zu sein. Es wird seine Gründe haben, dass der 51-Jährige von vielen Menschen in der Stadt geschätzt wird. Das heißt aber nicht, dass er von allen geliebt wird. Wer an der Spitze einer großen Hausverwaltung steht, muss auch unangenehme Entscheidungen treffen. "Die Eigentümer und Mieter rufen nicht bei uns an um zu sagen, wie gut es ihnen geht. Sie melden sich, wenn sie Probleme haben." Dabei sei nicht jeder mit dem Ergebnis zufrieden, sagt Menges. "Manchmal muss man durchgreifen. So sind die Gesetze."

Diese Gradwanderung zwischen Empathie und harter Hand hat Menges auch von seinem Vater gelernt. Und vielleicht wird er sie eines Tages an seinen Sohn weitergeben. "Finn hat in den Ferien bei uns gearbeitet und auch schon ein Praktikum bei einem Bauträger gemacht. Er will tatsächlich Hausverwalter werden."

Die Firma Menges in dritter Generation, das würde dem Vater gefallen. Michael Menges sagt aber auch: "Wenn es anders kommt, ist das auch in Ordnung. Hauptsache, er wird glücklich."

Quelle: Gießener Allgemeine

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