Meisterwerke berühmter Leica-Fotografen

Sie sind kaum größer als ein halber Quadratmeter, aber von ihnen geht enorme Anziehungskraft aus: Die 80 Fotografien berühmter Leica-Fotografen, die derzeit im Oberhessischen Museum im Alten Schloss ausgestellt sind.

Selten hat man dort einen solchen Ansturm von Besuchern erlebt, wie zur Vernissage am Donnerstagabend. Kaum dass es noch Platz zum Stehen gegeben hätte für die zahlreichen Besucher und so manch einer wird sicher noch einmal wiederkehren, um die Fotografien in aller Ruhe betrachten zu können.

Zusammengestellt hat die Ausstellung Dr. Knut Kühn-Leitz, der auch zur Eröffnung anwesend war. Der 75-Jährige ist der Enkel des Wetzlarer Unternehmers Ernst Leitz II., der mit seiner Entscheidung, die Leica in Serie herzustellen, die Fotografie revolutioniert hat. Die kleine, nur 500 Gramm leichte, handliche Kamera, die 1924 entwickelt wurde und die Fotografen vom umständlichen Hantieren mit der schweren Plattenkamera erlöste, hat die Fotografie nachhaltig beeinflusst. Von Anfang an erlaubte sie, unauffällig 36 Bilder in rascher Folge zu machen und so, auch dank diverser Wechselobjektive, das Leben fast unbemerkt in lebendigen Bildern festzuhalten. Mit der Leica begann auch die Geschichte des Fotojournalismus.

Die Ausstellung im Oberhessischen Museum, die vor einigen Jahren bereits in Solms, wo Leica heute seinen Sitz hat, gezeigt worden war, gibt einen guten Überblick über die Möglichkeiten der Leica. 80 Fotografien hat Dr. Kühn-Leitz aus seinem privaten Fundus zusammengestellt. Sie alle sind von berühmten Leica-Fotografen gemacht: "Der gestohlene Degen" von Robert Lebeck – das auch das Plakat zur Ausstellung ziert und von Museumsdirektor Dr. Friedhelm Häring exemplarisch vor dem Publikum der Vernissage interpretiert wurde – ist vertreten, aber auch Henri Cartier-Bressons fast wie ein Gemälde wirkende Rückenansicht von Frauen in Kaschmir: Aufnahmen von ungeheurer Strahlkraft.

Die Fotos im Oberhessischen Museum sind allesamt von Fotografen der Weltspitze gemacht. Die Schau zeigt Werke von allein acht Mitgliedern der weltbekannten Fotoagentur "Magnum": Außer Cartier-Bressson sind das Werner Bischof, René Burri, Elliott Erwitt, Ernst Haas, Thomas Hoepker, Inge Morath und Sebastião Salgado. Aber auch andere klangvolle Namen wie Alfred Eisenstaedt oder Eugene W. Smith, die für das Magazin "LIFE" im Einsatz waren, oder Erich Salomon, Ulrich Mack, Andreas Feininger und Jewgenij Chaldej sind vertreten.

Ein wesentlicher Teil der Sammlung befasst sich mit Aufnahmen aus der Nachkriegszeit Deutschlands, von der Potsdamer Konferenz 1945 bis zur Wiedervereinigung 1989. Der Schwerpunkt liegt in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und in den 50er und 70er Jahren des vorigen Jahrhundert. Älteste Fotos sind die Aufnahmen von Ernst Leitz, mit der er 1914 Passanten in einer Straße von Manhattan für die Ewigkeit festgehalten hat, und eine Aufnahme der Wetzlarer Altstadt von Oskar Barnack, ebenfalls aus dem Jahre 1914.

Willy Brandts Kniefall, von Hans Hubmann fotografiert, ist ein berühmtes Dokument der Zeitgeschichte. Viele Porträts sind ebenfalls zu entdecken. Viele hat Barbara Klemm, die langjährige Redaktionsfotografin der "Frankfurter Allgemeine" gemacht: Dirigent Sir Simon Rattle oder Schriftstellerin Hilde Domin sind nur zwei Beispiele. Überhaupt gehören die Porträts zu den Fotografien der Ausstellung, die besonders in Bann ziehen: Will McBrides Adenauer, Walter Bosshards Gandhi oder Lisa Larsens Grace Kelly.

Ausgestellt sind ausschließlich Schwarz-Weiß-Fotografien, die mit ihrem Nuancenreichtum an Halb- und Zwischentönen und ihren schier unendlichen Schwarz-Weiß-Abstufungen eine wahre Wohltat in der heutigen Flut der bunten Bildchen sind. Durch den Wegfall der Farben wird die Konzentration auf das Wesentliche im Bild verstärkt, Ästhetik und Bildaussage des Fotos werden gesteigert.

Dr. Kühn-Leitz hat bewusst keine Kriegsbilder gekauft, weil die Sammlung künftig im Domizil seines Großvaters, dem "Haus Friedwart" in Wetzlar, untergebracht werden soll. Besucher der Ausstellung sollen heiter gestimmt werden und das Haus nicht bedrückt verlassen, sei sein Wunsch gewesen, betonte der Leitz-Enkel, obwohl er auch Wert darauf gelegt hat, nicht nur die heile Welt zu zeigen: Aufnahmen von Flüchtlingslagern oder Kriegsheimkehrern sind ebenfalls zu sehen.

Die "Meisterwerke berühmter Leica-Fotografen" sind noch bis zum 25. März im Oberhessischen Museum zu besichtigen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr (19. bis 21. Februar geschlossen), der Eintritt ist frei. gl

Quelle: Gießener Allgemeine

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