Mehr Auto-Teiler auch in Gießen

Gießen (kw). Der Diesel-Kombi hat weit über 230 000 Kilometer auf dem Tacho, mit seiner gelben Feinstaubplakette kann man damit einige Großstädte nicht mehr ansteuern: Ein neues Auto muss her. Oder? Brauchen wir überhaupt ein eigenes Fahrzeug? Oder teilen wir uns lieber eines mit anderen?

Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen. Carsharing-Anbieter verzeichnen zweistellige Zuwachsraten. Das gilt auch für das Unternehmen "Einfach mobil", das in Gießen 19 Autos und 265 Kunden zählt – Tendenz steigend.

Von einem Wachstum "zwischen zehn und fünfzehn Prozent" im vergangenen Jahr berichtet im GAZ-Gespräch Tim Pfleiderer, zusammen mit Thomas Großnann Geschäftsführer von "Einfach mobil". Der Bundesverband Carsharing erwartet auch für 2011 wieder ein Plus von etwa zwanzig Prozent.

Selbst in mittleren oder kleineren Städten setze sich die Idee immer mehr durch, so Pfleiderer, dessen Firma auch in Marburg und Kassel aktiv ist. Dafür sieht er vor allem zwei Gründe: Erstens seien einige Autohersteller in das Carsharing eingestiegen. Dadurch sei das Thema stärker in den Medien und deshalb auch in den Köpfen der Menschen präsent. "Die Leute machen sich eher Gedanken darüber, dass das für sie eine Alternative sein könnte. Es wird in der Breite viel klarer, dass Carsharing ein tolles Angebot ist." Zweitens wachse das Netz der verfügbaren Wagen. Und der "bequeme Zugriff" – dass also ein Auto in der Nähe zum gewünschten Zeitpunkt zu haben ist –, sei "das Wichtigste" überhaupt, weiß Pfleiderer.

Schließlich komme ein weiterer Trend den Carsharing-Anbietern zugute: Vor allem jüngere Großstädter betrachteten Autos eher als Mittel zum Zweck, sie legten keinen Wert mehr auf ein eigenes Fahrzeug als Statussymbol. Je weniger das Herz am Auto hängt, desto lästiger erscheinen laufende Kosten, Parkplatzsuche oder Reparatur-Aufwand.

Eine Faustregel sagt: Wer weniger als 10 000 Kilometer im Jahr fährt, sollte über Carsharing nachdenken. Pfleiderer differenziert: Ob sich der Gemeinschaftswagen lohnt, das eigene Fahrzeug oder eher der gelegentliche Gang zur professionellen Autovermietung, das hänge vom persönlichen "Fahrprofil" ab. Und natürlich vom Wohnort. In Gießen, wo "Einfach mobil" seit 2004 einstieg, zählten vor allem Innenstadt-Bewohner zu den Kunden. "Dabei sind Studenten eher in der Minderheit."

Keine lange Vorbestellung nötig

Die meisten der 19 Fahrzeuge – vom Kleinwagen bis zum Transporter – stehen rund um die Fußgängerzone, außerdem im Südviertel und der Weststadt; in der Regel sind sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Wer ein Auto in der Nähe der eigenen Wohnung vermisst, kann diesen Wunsch anmelden, auch wenn er noch nicht "Einfach-mobil"-Kunde ist, so Pfleiderers Tipp. Ab etwa "zehn, fünfzehn Interessenten" könne ein neuer Standort sich lohnen.

Im Schnitt wird jedes Carsharing-Auto mehr als acht Stunden am Tag genutzt. Dennoch müsse man es nicht unbedingt lange vorbestellen, so "Einfach mobil": Ein großer Teil der Buchungen – per Telefon oder Internet – erfolge spontan "von einer Minute auf die andere". Über die Hälfte der Fahrten dauert weniger als drei Stunden. Manche Kunden nutzen die Autos aber auch zwei Wochen lang für den Urlaub.

Nüchterne Überlegungen stünden bei den heutigen Carsharing-Kunden im Vordergrund, weiß Pfleiderer. Der Umweltgedanke werde deshalb nicht vernachlässigt. Immerhin ging "Einfach mobil" hervor aus dem Marburger Carsharing-Verein Ökostadt. Stolz ist das Unternehmen auf sein "CO2-neutrales" Konzept: Über die Stiftung "myclimate" finanziert es kohlendioxidmindernde Ausgleichsmaßnahmen entsprechend dem Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge.

Quelle: Gießener Allgemeine

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