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Mathematikum: Da Vinci wird zu Liebigs Nachbar

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Von: Christoph Hoffmann

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Das Mathematikum hat das Programm für 2019 vorgestellt. Ein italienisches Universalgenie rückt in den Fokus.

Der Geist von Justus Liebig erhält prominente Gesellschaft: Leonardo Da Vinci wird in diesem Jahr Gießen beehren. Das Mathematikum widmet dem Italiener seine Jahresausstellung. Grund ist der 500. Todestag des Universal-Genies. »Seine Neugierde, das Forschen und Tüfteln passen perfekt zu unserem Museum. Denn er war nicht nur ein großartiger Maler, sondern auch ein genialer Erfinder«, sagt Museumsleiter Prof. Albrecht Beutelspacher. Neben Da Vinci sollen aber noch viele weitere Themengebiete im Mitmach-Museum behandelt werden. Das hat Beutelspacher am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresprogramms betont.

Mit seinen rund 200 Exponaten lockt das Mathematikum bereits seit 16 Jahren Besucher an den Bahnhof. Bis heute ist es das größte mathematische Mitmach-Museum der Welt. Im vergangenen Jahr waren erneut über 100 000 Besucher aus 60 Nationen zu Gast – und das, obwohl der lange Sommer alles andere als geschäftsfördernd war. »Wir werden auf der ganzen Welt für unser Konzept gelobt«, sagt Beutelspacher, der vergangenes Jahr sogar eine Rede beim Internationalen Mathematikerkongress in Rio de Janeiro halten durfte. »Das war eine große Ehre und zeigt, welch immenses Renommee wir besitzen.«

Renommee hat zweifelsfrei auch Leonardo Da Vinci. Vor allem in der Kunstwelt, schließlich hat der 1452 in der Toskana geborene Künstler mit der Mona Lisa und dem Abendmahl zwei der bekanntesten Bilder der Welt geschaffen. Aber auch als Wissenschaftler und Ingenieur war Da Vinci ein Pionier und seiner Zeit weit voraus. Mit diesem Schaffen beschäftigt sich auch die Jahresausstellung im Mathematikum. Ab dem 17. Mai können die Besucher die von Da Vinci entwickelten Mechanismen selber ausprobieren. Dazu gehören unter anderem Brücken, Flugmaschinen und Messinstrumente. Aber auch die Mathematik soll selbstverständlich nicht zu kurz kommen.

Er war nicht nur ein großartiger Maler, sondern auch genialer Erfinder

Albrecht Beutelspacher

»Die ursprünglichen Exponate sind meist aus dunklem Holz. Wir wollen die Ausstellung aber hell, freundlich und ein bisschen frech gestalten«, sagt Beutelspacher und betont, dass das dreiköpfige Team der Werkstatt derzeit gut zu tun habe. Schließlich gehört es zum Konzept des Museums, dass alle Exponate im Haus gefertigt werden.

Bis zur großen Da-Vinci-Ausstellung dauert es noch ein wenig. Aber auch schon davor hat das Mathematikum wieder viel zu bieten. Neben einigen Neuerungen in der Dauerausstellung wird es zum Beispiel am 27. März einen Abend zum Thema »Erfinder und Erfindungen« geben. Los geht es um 18 Uhr mit der Premiere eines Exponats, in dem Erfindungen wie das Post it oder der Radiergummi thematisiert werden. Anschließend soll es eine kleine Talk-Runde mit Erfindern aus der Region geben.

In der darauffolgenden Woche, am 6. April, beginnt die einmonatige Ausstellungsreihe Moderne Mathematische Kunst mit dem Titel »round about.« Bereits am 24. Februar werden Beutelspacher und Marcus Wagner ihr neues Buch »Wie man einen Würfel aufpustet vorstellen, am 14. März feiert das Mathematikum einen Tag zu Ehren der Kreiszahl Pi. Zu den weiteren Höhepunkten des Jahres gehören der Internationale Museumstag (19. Mai), die Straße der Experimente (26. Mai) und die Lange Nacht der Mathematik (9. November). Neben dem Todestag von Da Vinci steht 2019 übrigens noch einen zweiter Jahrestag an: Das Mini-Mathematikum wird zehn Jahre alt. »Das wird unglaublich gut angenommen, damit hätte ich nie gerechnet«, sagt Beutelspacher und kündigt für September eine Festwoche an.

Das Jahresprogramm ist also prall gefüllt mit vielen Gelegenheiten zum Lernen, Tüfteln und Ausprobieren. Leonardo Da Vinci würde das bestimmt gefallen. Schließlich hat er schon vor über 500 Jahren festgestellt: »Wer wenig denkt, der irrt viel.«

Zusatzinfo

Bezahle, so viel zu willst

Das Mathematikum ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Unter anderem werden die Wände gestrichen. Am kommenden Samstag öffnet das Haus aber wieder. Und das mit einer ganz besonderen Aktion. Der Tag ist steht unter dem Motto »Pay what you want«: Besucher bezahlen keinen Eintritt, sondern entscheiden am Ende selbst, wie viel ihnen der Besuch wert gewesen ist. Mitmachaktionen, Exponatpremieren zum Thema Informatik und viele weitere Aktionen gehören ebenfalls zum Programm der Eröffnung.

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