Masterplan für IT an Schulen

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Deutsche Schulen sind digital abgehängt. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nutzen nur zehn Prozent der Lehrer digitale Medien im Unterricht. Trifft das auch auf Gießen zu? Der Schulträger Stadt erarbeitet derzeit ein Medienentwicklungskonzept, um den Bedarf für eine Schul-IT zu ermitteln.

Wer an der Friedrich-Ebert-Schule ins Internet möchte, sollte den Sprachenraum aufsuchen. "Dort haben wir Beamer, Whiteboards und Laptops", sagt Cornelia Eggers. Es gibt aber auch Räume ohne Internetzugang. "Wenn wir besser ausgestattet wären, könnten wir digital mehr machen", unterstreicht die Schulleiterin die Bereitschaft der meisten Kollegen, digitale Medien für den Unterricht zu nutzen. Sie berichtet weiter, dass es an der Wiesecker Gesamtschule nur zwei PC-Räume gibt.

Ganz anders sieht es in Kleinlinden aus. An der Brüder-Grimm-Schule, die in den vergangenen Jahren komplett saniert wurde, gibt es in jedem Raum einen Beamer, berichtet Tino Zenker. "Fast alle nutzen die digitalen Möglichkeiten", sagt der IT-Beauftragte der integrierten Gesamtschule. Schaubilder und Präsentationen werden elektronisch umgesetzt, Lern-Apps stehen hoch im Kurs. "Wir haben flächendeckendes WLAN", ergänzt Zenker und verweist zugleich auf von der Schule eingebaute Sicherungen. "Wir haben Sorge getragen, dass die Schüler die gute Ausstattung nicht für private Facebook-Kontakte nutzen", versichert Zenker. Um Lehrkräften eine pädagogisch sinnvolle IT-Nutzung anbieten zu können, seien Fortbildungen besonders wichtig. "Solche Angebote werden von den Kollegen auch genutzt."

In Sachen digitaler Nutzung aus dem Vollen schöpfen kann auch die Herderschule. "Es gibt kaum einen Raum, in dem nicht wenigstens ein Beamer oder ein PC mit Internetanschluss stehen", sagt Stefan Tross. Der Leiter des Gymnasiums profitiert dabei allerdings von einem Umstand, auf den die Schulgemeinde grundsätzlich lieber verzichtet hätte. Der PCB-Fund im Sommer 2013 hatte nicht nur eine umfassende Schadstoffsanierung zur Folge, ein Großteil des Unterrichts findet seitdem in Containern statt. Und die sind sehr gut ausgestattet. Auch die Sanierung der in Haus C untergebrachten Naturwissenschaften hat dafür gesorgt, dass die Herderschule digital überdurchschnittlich gut ausgestattet ist. "Die Kollegen nutzen dieses Angebot reichlich", widerspricht Tross den Ergebnissen der Bertelsmann-Studie. Nach Ansicht des Direktors sollten Kinder möglichst früh lernen, mit IT-Standards umzugehen. Deshalb plant Tross, von Haus aus Mathematik- und Physiklehrer, an dem Gymnasium die Einführung des Faches Informationstechnische Grundbildung (ITG) ab Klasse 6. Er bedauert, dass ITG bisher nicht vom Kultusministerium als verbindliches Fach vorgesehen ist.

An der Liebigschule sind zwar alle drei Häuser komplett verkabelt, allerdings sind noch nicht sämtliche Klassenräume vernetzt. "Es fehlt an durchgängigem Internet", berichtet Dirk Hölscher. Und: "Wir haben kein WLAN." Eine etwas schnellere Umsetzung wünscht sich der Lio-Direktor auch bei der digitalen Ausstattung. Manchmal seien nicht die Finanzen das Problem, sondern die Geschwindigkeit der Umsetzung. Immerhin: "Im November werden in allen Klassenräumen Beamer hängen", kündigt Hölscher an. Grundsätzlich sieht der Schulleiter den digitalen Einsatz von Medien immer als Ergänzung. Schließlich seinen "das Schreiben oder das Lesen in einem Buch" nach wie vor die wichtigsten Bausteine des Unterrichts. Die Lehrer, denen er eine "heterogene Medienkompetenz" bescheinigt, würden regelmäßig durch die internen IT-Fachleute fortgebildet.

"Wir haben keine Scheu, digitale Medien zu nutzen", stellt Dr. Frank Reuber fest. Allerdings reiche das Budget der Schule nicht aus, "um digital so dazustehen, wie wir das gerne hätten", räumt der Leiter der Gesamtschule Gießen-Ost ein. Der Direktor setzt in Sachen IT-Entwicklung auf Sanierung und Umbau der Schule, die im kommenden Jahr beginnen soll. "Danach sind wir voll digitalisiert. Wenn Lehrer entsprechende Möglichkeiten haben, wird das Arbeiten mit elektronischen Medien viel leichter", sagt der Direktor und betont, dass der Umgang mit IT an der GGO schon lange einen hohen Stellenwert besitzt. "Schließlich waren wir die erste Bildungseinrichtung in der Stadt, die mit dem Schulserver IServ gearbeitet hat."

Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen an Schulen möchte die Stadt bald eine Art Masterplan für die digitale Ausstattung an den Gießener Bildungseinrichtungen erstellen. Das bestätigt Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser auf Anfrage. Gemeinsam mit der Firma "Ifib Consult", einem Tochterunternehmen des Instituts für Informationsmanagement an der Bremer Universität, erarbeitet die Stadt derzeit einen IT-Entwicklungsplan, an dem alle 26 Gießener Schulen beteiligt sind. "Viele Klassenräume sind bereits verkabelt, es gibt Beamer und Smartboards", beschreibt die Stadträtin die fortgeschrittene Entwicklung bei der Digitalisierung von Schulen. Allerdings bestehe weiterhin großer Investitionsbedarf. "Dem können wir als Schulträger alleine allerdings nicht gerecht werden", setzt die Dezernentin auf Unterstützung durch Bundes- und Landesmittel. Bei der gemeinsamen IT-Schulentwicklungsplanung sollen die unterschiedlichen Konzepte der Schulen Berücksichtigung finden. "Es geht einerseits um Infrastruktur und Ausstattung, aber auch um curriculare Entwicklungen." Konzepte für die digitale Zukunft an Gießener Schulen sollen nach den Herbstferien in gemeinsamen Workshops erarbeitet werden.

Quelle: Gießener Allgemeine

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