Marsreise war Thema von Uni-Vortrag

Gießen (rha). Es ist ein Thema, das Menschen immer interessiert hat: Die Reise zu fremden Planeten.

Bei der zweiten Vorlesung der "Physik im Blick"-Reihezum Thema "Physik und Film: Realität und Fiktion" führte Dr. Saskia Kraft-Bermuth vom Institut für Atom- und Molekülphysik der Justus-Liebig-Universität ihre Zuhörer am Samstag Schritt für Schritt zum Mond und wieder zurück. Ihr Vortrag "Raumschiffe, Raumstationen und der Aufbruch zu neuen Planeten" behandelte auch das Leben im Weltall und mögliche weitere Reiseziele dort.

In George Méliès Stummfilm "Die Reise zum Mond" aus dem Jahr 1902 sieht die Angelegenheit noch ganz einfach aus: Menschen besteigen eine Rakete, die Rakete hebt ab und landet wenig später mitten im Mondgesicht (Abbildung rechts). "Ganz so einfach ist die Sache nicht", sagte Kraft-Bermuth und veranschaulichte anhand einiger Rechenbeispiele, wie schwierig allein der erste Schritt der Reise zum Mond ist.

Um überhaupt in den Weltraum zu gelangen, muss zunächst die Anziehungskraft der Erde überwunden werden. Die mittlere Entfernung des Monds zur Erde beträgt etwa 500-mal die Strecke zwischen Hamburg und München. Nicht einmal ein Flugzeugantrieb würde ausreichen, um einer Rakete den nötigen Startimpuls für einen Flug dieser Länge zu geben.

Was in der Fiktion 1902 mühelos gelang, entwickelte sich in der Realität während des Kalten Kriegs zu einem erbitterten Wettstreit zwischen den USA und der Sowjetunion. Obwohl Letztere mit Yuri Gagarin, dem ersten Menschen im Weltraum, 1961 zunächst die Nase vorn zu haben schien, entschieden letztlich die Amerikaner das Wettrennen zum Mond für sich. Die ersten Kapseln an der Spitze der Raketen boten den Astronauten jedoch kaum Platz. Kraft-Bermuth erzählte, dass die Raumfahrer deshalb scherzhaft davon sprachen, nicht in die Kapsel einzusteigen, sondern sie anzuziehen. Um nicht nur in die Erdumlaufbahn, sondern tatsächlich bis auf den Mond zu gelangen, war eine neue Rakete nötig.

Sechs Tage bis zum Mond

Eines der stärksten jemals gebauten Modelle, die "Saturn V", entwickelte die NASA. Für Atemluft, Wasser, Nahrung, Heizung und ausreichend Platz für eine Besatzung von drei Mann auf der mindestens sechs Tage langen Reise war gesorgt. Das eigentliche Raumschiff an der obersten Stufe der Rakete bestand aus einem Flugmodul und einer Landefähre, die gleichzeitig als Startrampe für den Rückflug diente. Mit der "Apollo 11"-Mission wurde am 20. Juli 1969 wahr, was Méliès in der Fiktion bereits 67 Jahre zuvor vorweggenommen hatte: Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond.

In der allgemeinen Euphorie stand das nächste Ziel schnell fest: In Zukunft wollte man auch den Mars bereisen. Bei einer Reisedauer von mindestens neun Monaten musste zunächst allerdings das Leben im Weltraum erforscht werden, weshalb man mit dem Bau der ersten Raumstationen begann. Im Zuge dieser Entwicklung entstanden auch die ersten Space Shuttle, die im Gegensatz zu den zuvor eingesetzten Raketen wiederverwendet werden konnten.

Heute dient vor allem die Internationale Raumstation (ISS) zur Forschung im Weltraum. Für jeweils sechs Monate beherbergt sie seit 2009 sechs ständige Besatzungsmitglieder. Da auf der ISS Platz für insgesamt sieben Menschen vorhanden ist, halten sich neben den Astronauten immer wieder auch Wissenschaftler und inzwischen sogar die ersten zahlungskräftigen Weltraumtouristen für einige Zeit dort auf.

"Die ISS ist sicherlich ein sehr teures Instrument der Forschung, aber auch eines, das uns viele wichtige Erkenntnisse beschert hat", sagte Kraft-Bermuth. Dank der Mars-Sonde "Spirit" und der 2012 begonnenen Mars-Mission "Curiosity" weiß man inzwischen auch einiges über unseren Nachbarplaneten. Von allen Planeten des Sonnensystems ist der Mars der Erde am ähnlichsten. Diverse Bodenschätze machen ihn auch jenseits des reinen Forscherdrangs zu einem attraktiven Reiseziel. Kraft-Bermuth brachte gute Neuigkeiten mit: Schon 2023 könnte die erste bemannte Marslandung Wirklichkeit werden. Was weiter entfernte Reiseziele im Weltraum angeht, sahen ihre Prognosen allerdings weniger gut aus. Um weit entfernte Planeten zu erreichen, vielleicht sogar in fremden Galaxien, müsste man mit Überlichtgeschwindigkeit reisen – nach aktuellem Stand der Forschung ein Ding der Unmöglichkeit.

Kraft-Bermuth fasste zusammen: "Alles jenseits des Mars bleibt wahrscheinlich Fiktion."

Im nächsten "Physik im Blick"-Vortrag am 1. Februar beantwortet Prof. Michael Dürr die Frage "MacGyver in Aktion – wie gut sind Taschenmesser, Klebeband und Büroklammer". (Fotos: rha/Archiv)

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Quelle: Gießener Allgemeine

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